Kindesmissbrauch am Wilhelminenberg: Fast 1.000 Fälle behandelt

Andrea Heigl
11. Oktober 2012, 22:45
  • Mehr als 1000 frühere Heimbewohner haben sich seit Bekanntwerden der 
Missbrauchsfälle am Wilhelminenberg bei der Opferschutzorganisation " 
Weißer Ring" gemeldet.
    foto: der standard/heribert corn

    Mehr als 1000 frühere Heimbewohner haben sich seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am Wilhelminenberg bei der Opferschutzorganisation " Weißer Ring" gemeldet.

Fast genau ein Jahr ist es her, dass ehemalige Zöglinge des Kinderheims am Wilhelminenberg mit erschütternden Geschichten über Missbrauch an die Öffentlichkeit gingen. In 773 Fällen wurden seither Entschädigungen ausbezahlt

Wien - 1340 Meldungen bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring, 990 behandelte Fälle, 773 Entschädigungsbeschlüsse, 493 Bewilligungen für Psychotherapie: Seit vor fast genau einem Jahr bekannt wurde, dass es im Kinderheim am Wilhelminenberg jahrzehntelang zu gewaltsamen und teilweise auch sexuellen Übergriffen kam, ist einiges passiert.

Stadtrat Christian Oxonitsch (SP), der sich politisch um die Aufarbeitung der Ereignisse kümmert, erwartet, dass diese in der ersten Jahreshälfte 2013 abgeschlossen sein wird; dann soll auch der Endbericht jener Kommission vorliegen, der Richterin Barbara Helige vorsitzt. Im Lauf der kommenden Woche soll die Kommission einen weiteren Zwischenbericht präsentieren, außerdem soll dem Gemeinderat demnächst ein Beschluss für weitere finanzielle Mittel zur Entschädigung der Opfer vorgelegt werden.

Strukturen hinterfragen

Gleichzeitig betont Oxonitsch, dass die Stadt nicht aufhören werde, die Situation in den Wiener Heimen zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Im Gespräch mit dem Standard sagte der Stadtrat am Donnerstag, es sei "notwendig, Strukturen immer wieder zu hinterfragen - und dass sich diese Strukturen nicht selbst kontrollieren dürfen".

Ein bundesweit einheitliches Gesetz für die Jugendwohlfahrt, über das schon seit Jahren einmal mehr und einmal weniger intensiv verhandelt wird, ist erst vor wenigen Tagen wieder in weite Ferne gerückt: Ende vergangener Woche erklärte der zuständige Minister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), er plane statt eines Gesetzes Übereinkommen - sogenannte 15a-Verträge - mit den Bundesländern.

Zwischenschritt

Für Oxonitsch ist das höchstens ein Zwischenschritt, aber kein Ersatz für ein ganzes Gesetz; zudem befürchtet er, "dass die Länder auseinanderdividiert werden". Gleichzeitig ist er aber froh, "dass zumindest wieder Bewegung in die Sache kommt". Zuletzt hatten sich vor allem das Burgenland, Oberösterreich und die Steiermark quergelegt - und zum Teil hat Oxonitsch dafür Verständnis: "Maßnahmen wie das Vier-Augen-Prinzip bei der Abklärung einer familiären Situation brauchen zusätzliches Personal, und das kostet Geld. Wer neue Regeln haben will, muss sie auch finanzieren", sagt Oxonitsch in Richtung Mitterlehner.

Wien habe die in diversen Gesetzesvorschlägen eingeforderten Standards bereits, betont Oxonitsch, daher würde sich für die Bundeshauptstadt finanziell nicht viel ändern. "Für uns sind die Vorschläge unterschriftsreif." (Andrea Heigl, DER STANDARD, 12.10.2012)

 

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Das Vier-Augen-Prinzip ist nichts anderes als dass eine DSA blind unterschreibt, was eine andere behauptet hat. Dafür haben beide weder eine Begründungs- noch eine Wahrheitspflicht, und es wird eine extra schwammige, unverständliche Sprache verwendet, damit man sich nahher leichter rauswurschteln kann ("nur eine Wahrnehmung").
Und weil da natürlich vieles behauptet wird, was außerhalb dieses rechtsfreien Raums strafbar wäre, darf es niemand erfahren. Das nützen die DSAnen natürlich weidlich aus, und wenn die Eltern nicht machen, was die DSAnen wollen, setzt es Racheakte, die in einem zivilisierten Land eigentlich nicht möglich sein sollten.

Im Übrigen dient das "Aufarbeiten" der verjährten Fälle nur der Ablenkung von den aktuellen Fällen.

Wie werden denn diese Fälle behandelt? Redet da jemand verständnisvoll auf sie ein und verspricht, sich drum zu kümmern, bis er aufgibt? Und die Täter genießen nach wie vor ihre pension und kriegen sogar einen Orden?
Konsequenzen gibt es ganz offensichtlich keine. Ändern will auch keiner was.

Wenn es kein bundeseinheitliches Jugendwohlfahrtsgesetz gibt, was ist dann das, was man unter diesem Namen im ris findet? Verlogener geht's echt nimmer.

Sozialarbeiter(innen), die einen Missbrauch

aufdecken oder verhindern wollen, werden in den Jugendämtern gemobbt. Richter(innen) machen aus Bequemlichkeit das, was die Jugendämter "vorgeben". Das Justizministerium findet daran nichts auszusetzen und setzt diejenigen, die solches Verhalten aufzeigen, Querulanten gleich.
Dabei ist Kindesmissbrauch ein Massenproblem wie Doping, Korruption oder Schnellfahren. Zu viele machen es, als dass man das Problem wirksam anpacken könnte. Jedes 5. Kind als Missbrauchsopfer - das geht ja in die 100.000. Wer kann das lösen?
Man sollte die Marc Dutroux-Geschichte in deutscher Sprache unter die Leute bringen, damit das blinde Vertrauen in die Verantwortungsträger aufhört und man zum Hinschauen statt Wegschauen motiviert wird!

Ich hab einen Fall in meinen Akten, da wurde jemand, der ein Verhalten an den Tag legte, das bei einer Mutter oder einem Vater zu Recht zu einem sofortigen Verlust des Obsorge- und auch Besuchsrecht führen würde, als wichtige Bezugsperson bezeichnet, schlicht aus Rache, weil die Mutter die Schnüffeltanten nicht in die Wohnung lassen wollte. Der Trieb herumzuschnüffeln ist offenbar so stark, dass die bei ihrer Rachsucht nicht einmal vor einem Kind Halt machen.
Statt das Kind vor dieser Person zu schützen, wurde das Stalkingverhalten dieser Person quasi auf eine neue Stufe gestellt und sie in allen Bereichen unterstützt.

Dafür fühlen sie sich zuständig, und die letzten Anständigen, die sich korrekt verhalten, haben da natürlich keine Chance.

Kann man bitte endlich Missbrauch auf eine Stufe mit Mord stellen, damit dieser nicht verjährt?

Warum schaffen es unsere Politiker nicht Menschen denen das Leben gestohlen wurde zu helfen?
Muss man wirklich von z.B. der Kirche lesen müssen, dass die Tat des „Bruders“ ja bereits verjährt ist??

Wie lange stehen Täter noch höher im Kurs, als Opfer?

warum?

werden die namen der taeter nicht veroeffentlicht?

Weil sie entweder noch in Amt und Würden sind oder unbehelligt ihre wohlverdiente Pension genießen wollen.

Weils keine Pfarrer sind

jjaaj die pafarrer isnd noch im amt haben keien grechitsverahdnlung...etc... machen sie sihc nciht lächerlich... nur wiel sie christ sind denkens ie pfarrer sind bessere menschnen ungleich was sie für ein leid anrichten...schrä

Wann wurde (mit Ausnahme Groërs)

der name eines Täters/Pfarrers von einem führenden österreichischen Medium veröffentlicht? "Bruder (oder Pater) XYZ" ist ja nie etwas anderes als ein Deckname für die Dauer der kirchlichen Karriere.

Schien langsam apern alle

Killing Fields der Rassismusrepublik aus.

Wann ist Pol Pot Jesionek endlich dran?

es ist so entsetzlich, dass dies geschehen konnte.

...und immer noch geschieht, nur anders.
Die grundsätzliche Einstellung zu Kindern hat sich seit dem Krieg nicht geändert, nur die Methoden.

@Dag...

wenn Sie von solchen (aktuellen) Dingen wissen, dann zeigen Sie die Veranwortlichen bitte an.

Hab ich schon. Wird ohne Überprüfung abgewimmelt.

wie meinen Sie das?
Eine Anzeige bei der Polizei bleibt nicht ohne Folgen...

Bei der Staatsanwaltschaft. Die Anzeige wurde ohne Untersuchung abgewiesen. Kann sein, dass die Täterin befragt wurde, und die hat es natürlich abgestritten, aber die Zeugin wurde nicht befragt.
Es gibt sowas wie eine Immunität für Sozialarbeiterinnen vom Jugendamt, aber die kann nicht aufgehoben werden, weil es sie offiziell nicht gibt.

@Dag...

ich kann Ihr analytisches Posting sehr gut nachvollziehen, es herrschen dort unglaubliche Zustände.

Das wiener Theresianum wäre auch eine Untersuchung wert...

Vieles wäre noch aufzudecken. Erschreckend eigentlich...

Solange nicht ein zeitgemäßer Betreuungsschlüssel von 1:1 zielorientiert angestrebt wird, der derzeitige 1:2 und auch schlechter gewährleistet keine wirkliche Sicherheit für die Kinder/Jugendliche und BetreuerInnen mehr, wird es auch in Zkunft noch viele Kommissionen geben, die zu recht Wiedergutmachung von der Jugendwohlfahrt verlangen werden.

1 000 ist eigentlich sehr wenig, das wird sich sicher noch verdoppeln.

Stationäre Fremdunterbringung ist eine äußerst personalintensive Arbeit und verlangt hochqualitative Vollprofessionalität.
Die notwendigen Rahmenbedingungen sind aus meiner Sicht heute kaum wo gegeben durch die Sparpolitik bzw. die vorherrschende betriebswirtschaftlich Sichtweise, die Spätkosten werden nicht einberechnet

Es könnte eine fachlich qualifizierte Person einen ganzen Haufen Schnüffeltanten ersetzen. Das Geldargument ist wieder einmal nur ein vorgeschobenes. Solange die DSAnen ihre Zeit damit verbringen, qualvolle Sätze hervorzuknödeln, sich an keinerlei gängige Kommunikationsregeln halten, sich schwammige Ausreden für ihre "Arbeit" auszudenken, Stunden investieren, unzufriedene Kunden abzuwimmeln, kann das mit dem Geld nicht stimmen. Es ist im Gegenteil umgekehrt sogar so, dass die DSAnen verzweifelt ihre Arbeitsplätze rechtfertigen müssen und dabei auch gerne ein bisschen übertreiben. Sowas sollte auf gar keinen Fall auch noch gefördert werden.

zu ergänzen ist: Die Organisations- und Zusammenarbeitsstrukturen in stationären Einrichtungen der JuWo brauchen dringendst Qualitätsstandards - welchen gründliche sozialpsychologische und Organisationssoziologische Untersuchungen über Gewalt in

derartigen Einrichtungen zugrunde liegen. Das ist m.E. ein Schlüsselbereich des Problems. Die Einrichtungsleitungen fühlen sich (meiner Erfahrung nach) vielfach ohne jede Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in den Teams, so als ob alles nur Sache des einzelnen Mitarbeiters, und höchstens einer (ungeschulten) Teamleitung sei, mit den Schwierigkeiten der Kinder fertig zu werden - Kinder, die traumatisiert sind und Bindungsprobleme haben, sonst wären Sie nicht fremduntergebracht. Damit das Personal i.S. einer wirklichen Unterstützung gesunder Entwicklung der Kinder funktionieren kann, braucht es entsprechende Bedingungen! (1 Stunde monatlich Supervision auswärts dient nur der Verantwortungsentlastung der Leitung!)

Die Qualitätsstarndards sind ja bekanntlich bestens, es gibt ja super verschriftete Konzepte. Die Realität ist jedoch jenseits von Qualitätsstandards angesiedelt, ISO-Zertifizierungen wurden ja noch
Gott sei dank doch nicht umgesetzt, das wäre ja nur das nächste Lügengebäude.

Es bräuchte einen 1:1 Betreuungsschlüssel, 500 Stunden Selbsterfahrung in Einzel- und Gruppentherapie schon in den Ausbildungen, 14tägig Team und 14tägig Fallsupervision.

Stationäre Fremdunterbringung muss noch viel teurer werden, damit genügend ambulante Hilfen stationäre Fremdunterbringung erfolgreich verhindern.

Solange wir nur ungelöste Problematiken "verdrängen und abwehren" im psychoanalytischen Sinn arbeiten wir nur an der gesellschaftl. Reproduktion.

Es gibt keine Qualitätsstandards. Ich lese immer nur davon, aber es gibt sie anscheinend gar nicht. Insbesondere das Vier-Augen-Prinzip ist nichts, was in einem zivilisierten Land angestrebt werden sollte, denn es öffnet Missbrauch Tür und Tor.
Statt Selbsterfahrung während der Ausbildung sollte es einmal eine Ausbildung geben, die Gesetze eingehalten werden und darüber nachgedacht werden, für was das Jugendamt eigentlich da ist. Steht eh im bundesweit einheitlichen Jugendwohlfahrtsgesetz, einfach nachschauen.
Und statt "Hilfe" und ähnliche verlogene Begriffe sollten ordentliche Verfahren eingeführt werden.

Natürlich gibt es Qualitätsstandards, das von Ihnen geschmähte Jugendamt arbeitet auf Grundlage eines Qualitätshandbuchs das den modernsten Anforderungen des Qualitätsmanagements entspricht.
Das wirkliche Qualität (tiefenpsychologische Qualitäten) und die hochflexible personalintensive Rahmenbedingungen dazu darin nicht vorkommen liegt an den Grundlagen des Qualitätsmanagement bzw. am Produktkatalog von Controlling und Kontraktmanagement, die als Leitbild umgesetzt werden.
D.h. die Jugendämter arbeiten auf der Sichtweise vom Sozialmanagement, sprich betriebswirtschaftlicher Qualitätsstandards.

Wie ich Sie kenne, werden sie diese Tatsache natürlich leugnen, aber es ist so.

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