Auf die nonverbale Stärke kommt es an

11. Oktober 2012, 22:25
172 Postings

Österreichs Fußballteam gastiert in Astana, um gegen Kasachstan zu gewinnen und in der WM-Quali anzuschreiben. Marcel Koller vermeidet das Wort Pflichtsieg. Der Trainer möchte Taten auf dem Platz sehen

Astana/Wien - Der Fußballpräsident baut natürlich nicht vor, er sagt aber schon: "Das wird das schwierigste Spiel des Jahres." Leo Windtner ist am Donnerstagvormittag mit in den Flieger nach Astana gestiegen, einen großartigen Beitrag zum erhofften und auch erwarteten Sieg am Freitag in der WM-Qualifikation gegen Kasachstan kann der 62-Jährige natürlich nicht leisten. Das gilt auch für den 16. Oktober, wenn in Wien gespielt wird. Windtner ist trotzdem zuversichtlich. "Einen Ergebniszwang vorzugeben wäre nutzlos. Wir wollen aus den zwei Partien sechs Punkte holen. Die Mannschaft strebt das bedingungslos an. Die Spieler bringen verbal und nonverbal klar zum Ausdruck, dass sie etwas bewegen wollen."

Davor (und auch danach) geht es eher ums Verbale, man soll ein wichtiges Fußballmatch niemals totschweigen. Verteidiger Sebastian Prödl sieht Kasachstan als Paket und geht von zwei Siegen aus, was mit Arroganz nicht einmal am Rande zu tun hat. "In Astana müssen wir die Rahmenbedingungen ignorieren, voll auf uns konzen triert sein. Wir dürfen uns nicht an den Gegner anpassen, sondern müssen selbstbewusst unser Spiel aufziehen." Den Rahmen bilden Kunstrasen und eine vierstündige Zeitdifferenz, auf die wird aber kollektiv gepfiffen.

Teamchef Marcel Koller hat die Vorbereitung (der Lehrgang) in Bad Tatzmannsdorf durchaus gefallen. "Alles ist professionell abgelaufen. Mit Teamgeist, Leidenschaft und Willen sollten wir es schaffen." Der Schweizer gibt keinen Tipp ab, vor dem Wort Pflichtsieg graut ihm. "Sprechen ist einfach, die Worte in Taten umsetzen, ist schwierig. Wir müssen auf dem Platz Gas geben." Sein Nervenkostüm sitze perfekt. "Ich habe keine feuchten Hände."

Der Schweizer kennt die Aufstellung bereits, er verrät sie aber nicht. "Sonst könnte man ja nicht spekulieren." Jedenfalls sei die Mannschaftsfindung schwieriger gewesen als vor dem 1:2 gegen Deutschland. Damals stand bereits nach der zweiten Trainingseinheit die Startelf in den Zeitungen. "Diesmal habe ich einiges probiert, gegen Kasachstan hat man mehrere Möglichkeiten. Das Aha-Erlebnis kam erst sehr spät."

Mangelerscheinungen

Marko Arnautovic übte nicht regelmäßig in der Einsergarnitur, das muss aber nichts bedeuten. Kollers Blick lässt 23 Interpretationen zu. "Alle 23 Spieler haben die Klasse zu spielen." Es ist möglich, dass Marc Janko als Stoßstürmer mittun darf, vom bewährten 4-2-3-1-System wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht abgegangen. "So schnell kann man keine Alternative einstudieren." Im Training wurde auch das Wesentliche, das Toreschießen, geprobt, diesbezüglich gab es ja zuletzt Mangelerscheinungen.

Die Kasachen favorisieren freundlicherweise die Österreicher, als Nummer 147 der Rangliste steht ihnen diese Form der Unterwürfigkeit zu. Österreich ist die Nummer 59. Koller sagt: "Über Fußball sprechen ist einfacher, als Fußball spielen."

Unweigerlich über Fußball sprechen muss der Schweizer abgesehen davon mit Jupp Heynckes. Der Trainer der Bayern war mit David Alabas Comeback im Test gegen Unterhaching am Donnerstag (2:0) zufrieden, einen Einsatz des fast drei Monate verletzt gewesenen 20-Jährigen gegen die Kasachen in Wien wünscht Heynckes nicht. "Er ist noch nicht so weit, auf höchstem Niveau zu spielen. Daher gehe ich davon aus, dass Koller so klug ist, jetzt auf die Spieler zurückzugreifen, die sich in Österreich anbieten." (Christian Hackl, DER STANDARD, 12. Oktober 2012)

Fußball-WM-Qualifikation, Gruppe C 

Kasachstan - Österreich
Astana Arena, 18 Uhr MESZ, live ATV, SR Tamas Bognar (HUN)

Mögliche Aufstellungen

Kasachstan: Sidelnikow (Aktobe/11 Länderspiele/18 Gegentore) - Gurman (Kairat Almaty/7/0 Tore), Roschkow (Astana/13/0), Dimitrenko (Astana/2/0), Kirow (Schachter Karaganda/22/0 Tore) - Schabalin (Irtisch/2/1), Nurdauletow (Astana/25/3), Bogdanow (Tobol Kostanai/2/0), Schmidtgal (Greuther Fürth/9/0) - Ostapenko (Astana/35/6), Nuserbajew (Astana/13/1)

Ersatz: Tsirin (Akschaijk/1/-2), Mokin (Schachter Karaganda/13/-30) - Muchtarow (Ordabasy/11/0), Chairullin (Aktobe/6/0), Konisbajew (Astana/9/1), Korobkin (Astana/1/0), Islamchan (Taras/4/0), Dscholtschijew (Tobol Kostanai/2/0), Schomko (Irtisch/1/0), Nurgalijew (Sunkar Kaskelen/12/0), Schachmetow (Astana/7/0), Gridin (Schachter Karaganda/9/2), Taschimbetow (Ordabasy/4/3)

Österreich: Almer (Fortuna Düsseldorf/4/-5) - Klein (Salzburg/11/0), Prödl (Werder Bremen/35/3), Pogatetz (VfL Wolfsburg/49/2), Fuchs (FC Schalke 04/49/1) - Kavlak (Besiktas Istanbul/19/1), Baumgartlinger (FSV Mainz 05/23/0) - Arnautovic (Werder Bremen/20/7), Junuzovic (Werder Bremen/21/3), Ivanschitz (FSV Mainz 05/57/10) - Janko (Trabzonspor/28/11)

Ersatz: Gratzei (Sturm Graz/10/-21), Königshofer (Rapid/0) - Dragovic (FC Basel/16/0), Garics (Bologna/28/1), Schiemer (Salzburg/23/4), Suttner (Austria/4/0), Burgstaller (Rapid/5/0), Leitgeb (Salzburg/28/0), Pehlivan (Gaziantepspor/17/0), Weimann (Aston Villa/0), Jantscher (Dynamo Moskau/11/1), Harnik (VfB Stuttgart/32/7)

Es fehlen: Alaba (im Aufbautraining), Lindner (Adduktorenprobleme)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sebastian Prödl hat vor, einen Beitrag zu leisten. "Wir dürfen uns nicht anpassen, müssen unser Spiel aufziehen."

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Keine Angst: Teamchef Koller wirft nicht das Handtuch.

Share if you care.