Das Krokodil als Kasperl

Der "Investmentpunk" erfüllte auch mit etwas unmodisch gewordener Fußballerirokesenfrisur alle in ihn gesetzten Erwartungen als Krokodil

Am Ende kommen in einem Club 2 gern die Schlussworte. Ja, auch beim kokett mit einem Fragezeichen versehenen Thema Europas Jugend - die verlorene Generation? war schließlich die Politik gefragt. Jugend sei vor allem auch wegen der Jugend- und Perspektivlosigkeit politikmüde und wende sich von den Volksvertretern ab.

Wohl und Wehe der Wirtschaft hingen nämlich nicht so sehr vom Einzelnen ab, sondern von sogenannten Strukturen. Diesbezüglich wurden in der Diskussion zwar alle zum Thema gehörenden Stichworte wie Ausbildung, " realitätsverweigernde" Orchideenstudien, neues Spießertum, Prekariat oder - sehr schön! - "Burn-out-Protection" abgehakt.

Gäste wie die sich mit Moderator Peter Rabl aufgrund verschiedener Meinungen nicht wirklich vertragende ehemalige ÖH-Vorsitzende und Germanistin Barbara Blaha oder "Investmentpunk" Gerald Hörhan konnten sich allerdings absehbar nicht darauf einigen, ob man nun besser Geisteswissenschaften oder Betriebswirtschaftslehre studieren soll - und was damit nicht gegebene Bankkredite für 18-jährige Junghäuslbauer "in der Pampa" damit zu tun haben könnten.

Der mindestens exzentrisch gegen den Linksextremismus fördernde soziale Errungenschaften argumentierende "Investmentpunk" sprach sich gegen staatliche Regulierungen aus. Er erfüllte also auch mit etwas unmodisch gewordener Fußballerirokesenfrisur alle in ihn gesetzten Erwartungen als Krokodil. Allerdings kam teilweise auch der Kasperl durch: Wer ältere Arbeitnehmer problemloser kündigen dürfe, könne mehr junge Leute beschäftigen. Diese sollten inzwischen nicht verzagen, sondern mehr Unternehmen gründen. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 12.10.2012)

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