Kunst als Zwischenmieterin

  • Der von 1924 bis 1926 erbaute Reumannhof zählt zu den ältesten Gemeindebauten Wiens. Bei Führungen treten Künstler, Bewohner und Besucher in Dialog.
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    foto: s. meitz

    Der von 1924 bis 1926 erbaute Reumannhof zählt zu den ältesten Gemeindebauten Wiens. Bei Führungen treten Künstler, Bewohner und Besucher in Dialog.

"Orte und Objekte der Leidenschaften": Ein Nachbarschaftsprojekt in vier Margaretner Gemeindebauten bringt Bewohner und Künstler einander näher

Wien - Dichtes Gedränge herrscht im Wohnzimmer, an der Tür staut sich der Besucherstrom - weiße Überzieher für das Schuhwerk werden verteilt. Man kennt sie aus Krimiserien, wenn Ermittler Spuren am Tatort sichern. Doch in Maryan Taghizadehs Wohnung wird nicht nach Spuren eines Verbrechens gesucht, sondern Kunst in einem gemütlichen Rahmen präsentiert.

Gespannt rücken die Besucher auf der Couch und auf dem Boden zusammen und warten, bis die Medienkünstlerin Evamaria Trischak ihr Performance-Video als Wohnzimmerpremiere vorführt. Tanzen ist die gemeinsame Leidenschaft: Gastgeberin Maryan kommt aus dem Iran und ist Expertin in arabischen und persischen Tänzen, Trischak tanzt zeitgenössisch.

Trischak ist eine von elf Künstlerinnen und Künstlern, die beim Projekt Orte und Objekte der Leidenschaften in vier Gemeindebauten im fünften Bezirk teilnehmen. Im Herwegh-, Matteotti-, Metzleinstaler- und Reumannhof, der "Ringstraße des Proletariats", fanden sich elf Gastgeber, die temporäre Kunst und Besucher aufnehmen. Bereits vergangenes Jahr initiierte Kör ein ähnliches Projekt im Karl-Wrba-Hof in Favoriten.

In den sonst anonymen Mikrokosmos des Gemeindebaus tauchen viele Besucher und Künstler das erste Mal ein. Kurator Gerald Straub will diese Anonymität durchbrechen: Primär geht es um das Ermöglichen von Gesprächen und Erfahrungen. Die eingeladenen Künstler beziehen sich stark auf das unmittelbare Umfeld der Bewohner - so entstehen neue Geschichten.

Gefunden haben sich auch Nikolaus Gansterer und Salena Jovanovic, die beide ein Faible für Japan und Mangas teilen. Getrennt durch einen schwarzen Sichtschutz, sitzen sie sich gegenüber. Gansterer zeichnet nach den Anweisungen von Sanela eine Comicstory, ist quasi ihr Werkzeug. Eine Kamera über ihren Köpfen nimmt ihre Arbeit auf. Ein gelungenes Beispiel, wie Künstler und Bewohner zusammenfinden und ihre Leidenschaft künstlerisch umsetzen.  (Michael Ortner, DER STANDARD, 12.10.2012)

Führungen am 12., 13. und 19. 10., jeweils um 16.30 und 17 Uhr, Anmeldung unter 01/521 89 12 57 oder unter office@koer.or.at

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