Führung: Fehlermachen nicht bestrafen

Gastkommentar11. Oktober 2012, 14:58
1 Posting

Das Erkennen von Fehlern als Chance zur eigenen Verbesserung wahrnehmen

Wussten Sie, dass das Gehirn eine regelsuchende Maschine ist? Kommt etwas Neues, stimmt die Regel nicht mehr, und dieser Umstand kann von den Menschen als Bedrohung wahrgenommen werden. Denn "neu" ist anders und gehorcht eben nicht der täglichen Routine. Auch das Denkorgan Ihrer Mitarbeiter kann nach diesem Bedrohungsprinzip funktionieren. Das ist die schlechte Nachricht für visionäre Führungskräfte, die in Zeiten des Wandels und Umbruchs ihre innovativen Ideen auf "Schiene" bringen wollen und dazu auf die Hilfe motivierter Mitarbeiter angewiesen sind, die keine Angst vor neuen Wegen haben.

Die gute Nachricht: Sie können als Führungskraft sehr wohl dazu beitragen, das Erwartungssystem Ihrer Mitarbeiter - also die Neugierde - mehr zu aktivieren als das Bedrohungssystem, indem Sie das Gleichgewicht in Richtung Belohnung verschieben. Wie das funktionieren soll? Indem Sie in Ihrem Unternehmen eine entsprechende "Chancen- und Risikokultur" etablieren, in der das Fehlermachen nicht bestraft wird, sondern Fehler als positive Lernquelle angesehen werden.

Unser Gehirn lernt nämlich nahezu ausschließlich aus Fehlern, die "es" umgehend behoben sehen will! Diese Erkenntnis ist nicht neu. Trotzdem nutzen wir dieses Wissen nicht. Im Gegenteil. Wir haften viel zu sehr an einer negativen Fehlerorientierung, was bei den Mitarbeitern zu einer motivationalen Abwärtsspirale führt. Wenn wir gehirngerechte Mitarbeiterführung in unseren Unternehmen forcieren wollen, dann müssen wir insbesondere unsere Belohnungssysteme in diesem Kontext neu denken. Wir müssen viel stärker "prozessorientiert" agieren und vor allem prozessorientiert belohnen (!) - weniger ergebnisorientiert.

Fehler als Niederlage

Warum, fragen Sie sich? Der Grund dafür ist ganz einfach: Wenn wir unsere Mitarbeiter nur nach Ergebnissen bewerten, führt das zu einem statischen Selbstbild, weil diese Menschen jeden Fehler als Niederlage empfinden und irgendwann nur noch Tätigkeiten ausüben, für die sie schon ein Leben lang belohnt wurden. Veränderung und Wandel bedeutet aber, routinierte und "beherrschte" Wege zu verlassen. Daher müssen wir unsere Mitarbeiter für ihren Einsatz belohnen und dafür, dass sie aktiv Dinge in ihrem Verantwortungsbereich einbringen und vorantreiben, ohne jeden "Fehlschlag" zu bestrafen.

Diese Logik führt zu einem dynamischen Selbstbild. Das heißt: Die Mitarbeiter messen sich zwar an den eigenen Fehlern, möchten diese aber laufend verbessern. Fehler werden also per se nicht als etwas Negatives empfunden - im Gegenteil: Das Erkennen von Fehlern wird als Chance zur eigenen Verbesserung und Perfektionierung wahrgenommen.

Neue Wege zu beschreiten fällt jedem Menschen schwer. Mitarbeiter mit einem dynamischen Selbstbild haben aber einen positiveren Zugang dazu. Sie können darin eine Herausforderung erkennen. Die Neugierde überwiegt. Daher ist es eine zentrale Leadership-Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Mitarbeiter eines Unternehmens ein dynamisches Selbstbild entwickeln dürfen. Leadership muss also darauf abzielen, den Mitarbeitern ein Unternehmen mit einer positiven Fehlerkultur anzubieten. (Martin Korte, derStandard.at, 11.10.2012)

Martin Korte ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig und Vortragender beim Symposium "Leadership-Logiken der Zukunft", das am 11. und 12. Oktober in Innsbruck stattfindet.

Link
www.imp.at

Nachlese

  • Martin Korte, Professor für zelluläre Neurobiologie.
    foto: imp

    Martin Korte, Professor für zelluläre Neurobiologie.

Share if you care.