Ein Drecksschein ist nie allein

12. Oktober 2012, 05:30
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Unser Geld birgt eine Menge Geheimnisse: Kann es uns mit seinen Keimen krank machen und wie fühlen sich die Euros bloß in der Waschmaschine?

Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, in Geld zu schwimmen? So richtig nämlich. Hinter vorgezogenen Vorhängen, geschützt vor den neidvollen Blicken der Nachbarn, allein inmitten bunter Scheinchen und klingender Münzen. Allein? Weit gefehlt, denn unser vermeintlich stiller Ort ähnelt in Wahrheit dem stillen Örtchen. Hier wie dort tummeln sich Herr und Frau Staphylokokke, die große Familie der Coli- und Coryne-Bakterien, jede Menge Viren, aber auch Pilzsporen.

Im Ranking als Keimüberträger steht Geld Türklinken, Einkaufswagerln oder Haltestangen in Bussen und Straßenbahnen in nichts nach. "Alles, was man anfasst, trägt zwangsläufig auch die Keimflora der menschlichen Hand. Prinzipiell können es sich auf Geld alle Arten von Keimen gemütlich machen", so Elisabeth Presterl, Professorin für Hygiene und Mikrobiologie und Leiterin des Klinischen Instituts für Krankenhaushygiene an der MedUni Wien, im Gespräch mit derStandard.at.

Das kann - wenn man mit persönlicher Hygiene und Händewaschen zu schludrig ist - schon recht unappetitlich werden, denn im Schnitt greift sich ein Erwachsener alle vier Minuten ins Gesicht. Grund zur Panik gibt es freilich nicht. Presterl: "Der Mensch ist darauf ausgerichtet, in einer nicht keimfreien Umgebung zu leben. In unseren Breiten verfügt der Körper außerdem über ausreichend Abwehrmechanismen über die Haut und das Immunsystem." Grippe werde man sich durch Geld daher sicher keine einfangen.

Gefahrenzone Schleudergang

Sofern man seinen Geldschein also nicht beispielsweise in Zucker wälzt oder in Suppe badet, taugt er nicht einmal besonders gut als Nährboden für Keime. "Grundsätzlich gilt, Keime können zwar am Geld haften, aber je glatter die Oberfläche ist, desto weniger stark vermehren sie sich", so Presterl. Scheine aus Baumwollfasern, wie sie für den Euro oder den US-Dollar verwendet werden, sind bei den Bazillen beliebter als die Kunststoffscheine Australiens und vieler asiatischer Länder. Selbst Hartgeld ist kein besonders dankbarer Wirt. Kupferschicht oder Silber gelten als Bakterienkiller.

Bazillenbefall ist das eine. Denn schöner werden Münzen und Banknoten im Alter auch nicht unbedingt. Es wäre ein sprichwörtlich teurer Rat, das verdreckte Geld in die Waschmaschine zu werfen. Es scheint geradezu die Bestimmung von Münzen zu sein, das Flusensieb zu verstopfen, während 95 Grad und ein ordentlicher Schleudergang das grausame Ende für die Scheine bedeuten können. "Geld ist schon so gemacht, dass es viel aushält", so Martin Taborsky von der Oesterreichischen Nationalbank zu derStandard.at, "trotzdem kann es beim Waschen ausbleichen oder sogar eingehen." Weitere mögliche Kollateralschäden: Sicherheitsmerkmale können herausgeschleudert werden oder das Hologramm löst sich ab. Doch, so Taborsky weiter, niemand brauche Geld zu waschen, denn "drei bis vier Mal im Jahr kommt jede Banknote zu uns zurück. Es ist ein Kreislauf." Und: Ein ausgewaschener und entstellter Geldschein sei für die Nationalbank immer noch als solcher zu identifizieren und werde selbstverständlich ausgetauscht. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 12.10.2012)

  • Geld stinkt, doch muss es deswegen in die Waschmaschine?

    Geld stinkt, doch muss es deswegen in die Waschmaschine?

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