Verbund gibt Anteile an Energie Klagenfurt ab

11. Oktober 2012, 17:21
posten

Kärntner Kommunalversorger hat nun Finanzierungsproblem

Wien/Klagenfurt - Der Verbund beendet sein Engagement bei der Energie Klagenfurt GmbH (EKG). Er verkaufte seinen 49-Prozent-Anteil am regionalen Energiedienstleister um 70 Millionen Euro an die Klagenfurter Stadtwerke, die nun Alleineigentümer sind. Grund sei die strategische Ausrichtung, sich von nicht strategischen Minderheitenbeteiligungen zu verabschieden, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. In Klagenfurt spielt aber auch eine besondere Rolle, dass der Verbund mit der EKG ein - inzwischen gescheitertes - Gas-Dampfkraftwerk (GDK) geplant hatte. Der Ausstieg des Verbunds aus der EKG war laut Insidern deswegen vorhersehbar.

Über Kredite finanziert

Die Klagenfurter Stadtwerke finanzieren den Kauf vom Verbund "teils über Kredite", sagte Bürgermeister Christian Scheider. Konkreter wird Aufsichtsratschef (gleichzeitig auch Kärntens FPÖ-Chef) Christian Leyroutz. Der Kaufpreis für die Stadtwerke liege bei 65 Millionen Euro. "Diese werden zu zwei Dritteln aus Rücklagen und zu einem Drittel per Kredit finanziert", so Leyroutz Donnerstagabend. Der Verbund sprach aber von einem Kaufpreis von 70 Millionen Euro. Leyroutz erklärte das damit, dass noch Dividenden in dieser Höhe aus der EKG an den Verbund fließen würden.

Möglicherweise kommt aber noch der Kärntner Energieversorger Kelag ins Spiel: "Es gab ursprünglich bereits Gespräche, die Verbund-Anteile direkt an die Kelag zu verkaufen", so Bürgermeister Scheider. Dann habe man aber - vorerst - die Option Stadtwerke gezogen, "weil die EKG so in einer Hand ist". Verhandelt wird aber immer noch mit der Kelag: Nur wie hoch der Anteil ist, der weiterverkauft wird, ist laut Scheider noch unklar.

Kelag-Vorstandschef Hermann Egger schwächte aber etwas ab: "Das muss für uns natürlich betriebswirtschaftlich Sinn machen." Strategisch müsse ein solcher Schritt "für beide sinnvoll sein" und der Landeshauptstadt als auch dem Land "nützen".

Klagenfurt schlittert in Energie-Desaster

Vor allem drängt für Klagenfurt in der Energielösung aber die Zeit: Das völlig überalterte, mit Schweröl befeuerte, Fernheizwerk in der Innenstadt hat nur noch bis 2015 eine Betriebsgenehmigung. Gibt es bis dahin nicht die erhoffte Energielösung für die Stadt mit knapp mehr als 90.000 Einwohner, bleiben die an Fernwärme angeschlossenen Wohnungen in der Kärntner Landeshauptstadt kalt.

Scheider betonte , das der Deal "keine Auswirkungen auf die Tarife in der Stadt Klagenfurt haben wird". Scheiders Ziel ist es, Ende 2012 mit dem Vergabeverfahren für kleine Biomasse-Kraftwerke zu beginnen (ausgeschrieben wurde schon). Diese sollen den Energie-Hauptanteil liefern. Zur Spitzenabdeckung soll das derzeitige Schweröl-Heizwerk in der Innenstadt einen Gaskessel erhalten, so Scheider.

Die Stadtwerke erzielten laut Firmencompass 2011 ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 0,96 Millionen Euro, einen Umsatz von 29,56 Millionen Euro.

Verbund will primär Wasserkraft

Der Verbund will sich hingegen auf Mehrheitsbeteiligungen mit Schwerpunkt Wasserkraft konzentrieren. Anno 2005 war der Verbund mit 130 Millionen Euro bei der EKG eingestiegen. Der Anteilstransfer soll noch im Jahr 2012 abgeschlossen werden und wird das Verbund-Konzernergebnis leicht positiv beeinflussen, hieß es. (APA, 11.10.2012)

Share if you care.