Gemeinsame Obsorge: Lob von Kirche, Enttäuschung bei Männerrechtlern

11. Oktober 2012, 14:08
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Bischof Küng: "Lobenswertes Signal" - SoHo: "Stärkung der Rechte von Patchworkfamilien" - Männerpartei und "Vaterverbot" sehen "Mogelpackung" - Frauenhäuser kritisch

Wien - Die Reaktionen zum am Mittwoch präsentierten Familienrechtspaket sind auch am Donnerstag gemischt ausgefallen. Die österreichische Kinder- und Jugendanwaltschaft und der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) haben am Donnerstag in Presseaussendungen auf "Schwachstellen" des neuen Familienrechts hingewiesen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft betonte, dass beim Ausbau der "Besuchsmittler", die Familien in Gerichtsverfahren unterstützen, für eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung zu sorgen sei. Der BÖP forderte eine Schulung der Familienrichter und eine Qualitätssicherung der Gutachten.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft wertete es als positiv, dass die Meinung des Kindes in der Beurteilung des Kindeswohl künftig wesentlich berücksichtigt werde. Um dies zu garantieren, wäre es aber nötig, entsprechende Begleitmaßnahmen, wie etwa einen Kinderbeistand, zu fördern. Diesbezüglich fehle im Entwurf der Fokus, der das Kind zentral in den Mittelpunkt stellt. Der BÖP kündigte an, für die Qualitätssicherung für psychologische Gutachten eine Kommission eingesetzt.

Verbesserungen für Patchwork-Familien

Während sowohl die Kirche als auch die Sozialdemokratische Lesben, Schwule und Transgender Organisation (SoHo) und die Österreichische Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) in Presseaussendungen die Gesetzesänderung begrüßten, sahen die Wiener Frauenhäuser die richterliche Anordnung der gemeinsamen Obsorge im Streitfall kritisch. Der Verein "Vaterverbot" und die Männerpartei finden in den Neuerungen keine Verbesserung für die Lage der Väter.

Alleinerziehende sehen Forderungen erfüllt

Als ein "lobenswertes Signal in die richtige Richtung", bezeichnete Bischof Klaus Küng die Einigung der Regierung auf ein neues Familienrecht. Er betonte, dass Kinder in Krisensituationen oft am meisten leiden "und ein Recht auf Mutter und Vater haben." Für die SoHo bringt die Gesetzesänderung "deutliche Verbesserungen für Patchwork- und Regenbogenfamilien." Die Alleinerziehenden sehen ihre Forderungen zu einer "verantworteten Elternschaft" im Gesetzesentwurf großteils erfüllt.

Männerpartei ist enttäuscht

Von Frauen- und Männer-Vertretern kam Kritik. Die Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem, zweifelt an der im Gesetz vorgesehenen richterliche Anordnung der gemeinsamen Obsorge im Streitfall: "Dort, wo Eltern streiten, glaube ich einfach nach wie vor nicht, dass das mittels gerichtlicher Anordnung besser funktionieren wird", sagte sie im "Ö1-Morgenjournal". Der Verein "Vaterverbot" bezeichnete das Familienrecht in einer Presseaussendung gar als "Verhöhnung aller Väter." Enttäuscht äußerte sich auch die Männerpartei in den "Vorarlberger Nachrichten" (Donnerstag-Ausgabe): Das neue Familienrecht sei "eine Mogelpackung zur Behübschung der fortgesetzten Männerdiskriminierung." (APA, 11.10.2012)

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