Ökonomen: Griechenland braucht Schuldenschnitt

11. Oktober 2012, 13:35
8 Postings

Deutsche Forscher vermuten, dass Athen nicht zu retten ist. Die Reformbemühungen wären vergebens, erneut müsse man Forderungen abschreiben

Berlin/Athen - Griechenland wird nach Einschätzung der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute seine Staatsfinanzen nicht ohne einen neuen Forderungsverzicht seiner Gläubiger sanieren können. Der Kieler Ökonom Joachim Scheide (IfW) sagte am Donnerstag bei der Vorstellung des Herbstgutachtens der Institute in Berlin: "Wir vermuten, dass Griechenland nicht zu retten ist." Das Land brauche eine Restrukturierung seiner Schulden.

Es werde sehr schwer sein für Griechenland, den Reformprozess fortzusetzen, sagte Scheide. Im Frühjahr hatten die privaten Gläubiger dem Land bereits einmal Forderungen von 100 Milliarden Euro erlassen.

Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen sagte, Griechenland habe bei der Haushaltssanierung viel erreicht. "Gleichzeitig sehen wir aber, dass die Fortschritte in der griechischen Wirtschaft längst nicht so groß sind, wie es auf den ersten Blick scheinen mag." Die Anpassungsbemühungen des Landes seien enorm, sie reichten aber nicht aus, um die Schuldentragfähigkeit schnell wiederherzustellen. Deshalb sagten die Institute: "Liquiditätshilfen nein, Restrukturierung der Schulden, ja."

Mehr als 25 Prozent Arbeitslosigkeit

Erstmals seit dem Abgleiten Griechenlands in die Wirtschaftskrise und Rezession hat die Arbeitslosigkeit die 25-Prozent-Marke übersprungen. Die Quote lag im Juli 2012 bei 25,1 Prozent, wie die griechische Statistikbehörde am Donnerstag mitteilte. Im Juli 2011 hatte die Arbeitslosenquote 17,8 Prozent betragen.

Griechenland steht vor dem sechsten Rezessionsjahr in Folge. Es braucht nach Angaben der Regierung dringend die nächste internationale Hilfstranche in Höhe von 31 Milliarden Euro, andernfalls droht die Staatspleite. (APA, 11.10.2012)

Share if you care.