Neumieter in Wiener Gemeindebauten zahlen zehn Prozent mehr

  • Laufend werden Wiener Gemeindebauten saniert, derzeit 95 Wohnanlagen mit rund 19.500 Wohnungen.
    foto: derstandard.at/putschögl

    Laufend werden Wiener Gemeindebauten saniert, derzeit 95 Wohnanlagen mit rund 19.500 Wohnungen.

Voller Richtwert statt nur 90 Prozent für neue Gemeindebaubewohner - Bei den Kategorieanhebungen wird auf die Bremse gestiegen

Wer in einem Wiener Gemeindebau wohnte, zahlte bisher nur 90 Prozent des Wiener Richtwerts. Damit ist nun Schluss: Bei Neuvermietungen wird künftig der volle Richtwert zu bezahlen sein, das kündigte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) am Donnerstag an. Damit werden die Mieten im Gemeindebau empfindlich steigen - auch wenn die Stadt betont, weiterhin keinerlei Zuschläge auf den Richtwert einzuheben, wie dies im Bereich privater Vermieter gang und gäbe ist.

Weniger Kategorieanhebungen

Eigentliches Thema der Pressekonferenz von Ludwig und dem Leiter des städtischen Wohnungsverwaltungsunternehmens "Wiener Wohnen", Josef Neumayer, war aber etwas anderes: Die Stadt steigt bei den Kategorieanhebungen auf die Bremse.

Leerstehende Wiener Gemeindebauwohnungen werden nämlich schon seit Jahren sukzessive in der Ausstattungskategorie angehoben. Strategie von  "Wiener Wohnen" war es, frei werdende Wohnungen fast durchwegs auf Kategorie A aufzukategorisieren, wenn diese der Kategorie B oder C entsprochen haben. Deshalb fallen heute bereits rund 60 Prozent der 220.000 Wiener Gemeindebauwohnungen in die höchste Ausstattungskategorie (Details dazu siehe unten).

Die Hälfte entfällt

Mit der Kategorieanhebung geht allerdings auch eine Erhöhung des Mietzinses einher. Und weil die Stadt derzeit vor allem günstige Wohnungen braucht, wird nun die Strategie adaptiert: Wie Ludwig und Neumayer am Donnerstag bekanntgaben, sollen künftig nur noch halb so viele Wohnungen "selektiv" aufkategorisiert werden - im Schnitt statt rund 3.000 nur noch etwa 1.500 pro Jahr. Der Rest soll zwar "qualitativ hochwertig brauchbar" gemacht, aber nicht mehr in der Kategorie angehoben werden.

Das ersparte Geld soll in Sanierungen fließen. 95 städtische Wohnhausanlagen mit 19.500 Wohnungen werden derzeit umfassend revitalisiert.

Ersparnis

Begrüßt wird die Maßnahme von der Mietervereinigung (MVÖ). "Der Unterschied zwischen Kategorie A (5,16 Euro/m²) und Kategorie B (3,87 Euro/m²) bedeutet für eine 70-m²-Wohnung immerhin eine Ersparnis von 1.191,96 Euro pro Jahr, inklusive USt. Bei einer Kategorie-C-Wohnung (2,58 Euro/m²) beträgt die Ersparnis sogar 2.383,92 Euro", rechnet sie in einer Aussendung vor.

Mit dem breiteren Angebot an Wohnungen der Kategorien B und C will die Stadt speziell jungen Menschen, aber auch Personen, die beispielsweise von einer Scheidung betroffen sind, möglichst kostengünstigen Wohnraum zur Verfügung stellen. Betont wird dabei, dass viele der Kategorie-B- und -C-Wohnungen ohnehin schon de facto der Kategorie A entsprechen würden. In der Mehrzahl der Kategorie-C-Wohnungen gebe es beispielsweise schon jetzt einen eigenen Baderaum, der aber nur durch eine Falttüre abgetrennt ist und über keine direkte Belüftung verfügt. Für Kategorie A wäre eine herkömmliche Tür und direkte Belüftung erforderlich. (map, derStandard.at, 11.10.2012)

Wissen: Ausstattungskategorien

  • Kategorie A: Nutzfläche: mindestens 30 Quadratmeter; Zimmer, Küche (Kochnische), Vorraum, WC, zeitgemäßer Baderaum oder Badenische; Gemeinsame Wärmeversorgungsanlage oder Etagenheizung oder gleichwertige stationäre Heizung; Warmwasseraufbereitung
  • Kategorie B: Zimmer, Küche (Kochnische), Vorraum, WC, zeitgemäßer Baderaum oder Badenische
  • Kategorie C: Wasserentnahmestelle und WC im Inneren
  • Kategorie D: Keine Wasserentnahmestelle oder kein WC im Inneren beziehungsweise eine dieser beiden Einrichtungen ist unbrauchbar (fristgerechte Instandsetzung nicht möglich).

(Quelle: Website der Stadt Wien)

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HI HI

in den ganzen Debatten um das Parkpickerl heißt es immer wieder - die Pendler sollen doch nach Wien ziehen - tja und kommt die Motivation dazu !

wird zeit, dass mit meinen steuergeldern auch die altmieter nicht weiter subventioniert werden.

80% leben in Wien in Gemeindebau oder geförderten Wohnbau. Wenn sie persönlich nicht ganz unfähig sind dann leben sie auch in einen geförderten Bau. Dort gehen ihre Steuergelder hin.

Immer noch besser als überhöhte Mieten ans Großkapital zu überweisen. Wohnen im freien Markt.

"..auch wenn die Stadt betont, weiterhin keinerlei Zuschläge auf den Richtwert einzuheben, wie dies im Bereich privater Vermieter gang und gäbe ist."

mein vermieter ist ein privater.
doch ich zahle den richtwert.
es gibt also auch 'andere'. (und er geht deshalb nicht pleite!)

unbefristeter Mietvertrag?

Ohne Zuschläge,

auch keine Zuschlags-Berechnung.

Neuwahlen stehen vor der Tür

Wahlen stehen vor der Tür
Da muss etwas geschehen! Etwas positives. Da werden die alten Häuser nicht mehr renviert? Es geht nicht darum ob diese Häuser renoviert weren müssen oder sollen, es geht darum, dass ih nachgerechnet habe und ich bin auf einen Amortisationszeitraum von 250 Jahre gekommen! Wiener Wohnen hat die Mieter ganz eing´fach über den Tisch gezogen. Und im übrigen Wiener Wohnen verlangt nun 100 statt bisher 90 Prozent des Richtwerts.
http://wiener-wohnen.de.nr

€ 5,16/qm für kategorie A ist ohnehin ein witz !!

das sind ohnehin sozialwohnungen und extrem gestützte preise, die sich nie und nimmer rechnen für den wohnungserhalter. also freut euch, wenn ihr um diesen preis wohnen dürft auf kosten der allgemeinheit und regt euch bitte nicht auf !

?

- sie haben wohl noch nie in einem gemeindebau (mit all seinen "begleiterscheinungen"), in einer durchschnittlichen gemeindewohnung, "Kategorie A", gewohnt?
Und: Wieso eigentlich können die betriebskosten für mieter in privathäusern deutlich niedriger sein als im gemeindebau?

Sie wissen aber schon, dass dies der Preis ohne BK ist

60 m2 Gemeindewohnung kommen auf cirka 450€;
dh Genossenschaftswohnungspreise

und der "Allgemeinheit" kostet das genau nix, Sie können ja gerne mal in ein paar Betriebskostenabrechnungen schmökern

Natürlich wird Wiener Wohnen sehr generös subventioniert.

Und kann nicht billiger als unsubventionierte Vermieter anbieten? Das ist eine farce.

was haben die betriebskosten mit dem erhalt der substanz zu tun?

- was hat die gemeinde mit tatsächlich sozialen mieten zu tun?

kostendeckend sollen die mieten sein und nicht unsozial - sprich der steuerzahler darf dazupecken.

guter Punkt, und ich sag' es Ihnen direkt:

diese Frage stelle ich jedes Jahr den Vermietern bzw deren Vertretung vor Gericht, weil über die auf die Mieter abgewälzten Betriebskosten Erhaltungsmaßnahmen finanziert wurden, das reicht bis hin zur ganzen Heizungsanlagen...

Einer der interessantesten und häufigsten Streitpunkte in Mietrechtssachen (neben dem Mietzins natürlich).

ok, das stimmt natürlich. wenn missbrauch betrieben wird, ist das ziemlich übel.

richtig, und diese kleinstwohnungen kommen auf 350,-, derzeit noch, teilweise in gegenden wo niemand gerne freiwillig hinzieht der mehr geld hat.

da bekommen sie 20m² mehr und ersparen sich noch zwischen 50 und 150 euro gegenüber dem privatmarkt ^^

versuchen sie doch einfach die immobiliensuche hier im standard ;)

Also lassts doch bitte die Kirche im Dorf! Langjährige MieterInnen von Gemeindewohnungen haben noch einen Baukostenbeitrag bezahlt! Weil dieser im Großeil der Wohnungen getilgt ist, haben hier neue MieterInnen keine Verpflichtungen mehr, also ist eine höhere Miete gerechtfertigt, da ja auch die Wohnungen in einen Topzustand gebracht werden!

Ehrlich: wenn wiener wohnen samt den Subventionen nur Richtwertmieten und nicht darunter zusammenbringt,

Wie bitte glaubt irgendwer sollen private Vermieter OHNE Subventionen dasselbe schaffen?

langjährige Mieter, die noch dazu die Wohnung von der Oma "geerbt" haben

und Peter Pilz heißen zahlen für 60m² ca € 150,-- inkl. Bk ....
Dort sollte man sich die Pinke holen - er verdient mehr als € 8.000 pro Monat

So schlecht

ist das aber auch wieder nicht, wenn ein Spitzenpolitiker auf 60 m² im Gemeindebau wohnt. Auf alle Fälle ist das wesentlich besser als die zahlreichen rechten und rechts-rechten Politiker, die gegen 100 Euro Pauschale auf 150 - 300 Luxus-m² bei einem "Netzwerk"-Freund logieren und dafür dessen Interessen im Parlament vertreten.

Pilz würde ja gerne mehr zahlen.

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