Wenn die "Farmville"-Blase platzt

  • Was ist Free2Play?

Videospiele, die nach dem Free2Play-Modell 
(F2P) vertrieben werden, stehen Spielern kostenlos zur Verfügung. 
Einnahmen werden durch Verkäufe von zusätzlichen Spielgegenständen wie 
Ausrüstungen und Waffen generiert. Nach Smartphone- und Web-Games 
stützen sich auch zunehmend größere PC- und Konsolen-Produktionen auf 
das neue Geschäftsmodell. Bei Spielern ist F2P umstritten. Befürchtet 
wird, dass dies den Wettbewerb verfälscht, da nicht mehr zwangsläufig 
der beste, sondern vielleicht der am meisten zahlende Spieler gewinnt. 
Hersteller suchen deshalb Wege, um Bezahlinhalte gleichermaßen 
attraktiv, aber nicht spielentscheidend zu gestalten.
    foto: reuters/stephen lam

    Was ist Free2Play?

    Videospiele, die nach dem Free2Play-Modell (F2P) vertrieben werden, stehen Spielern kostenlos zur Verfügung. Einnahmen werden durch Verkäufe von zusätzlichen Spielgegenständen wie Ausrüstungen und Waffen generiert. Nach Smartphone- und Web-Games stützen sich auch zunehmend größere PC- und Konsolen-Produktionen auf das neue Geschäftsmodell. Bei Spielern ist F2P umstritten. Befürchtet wird, dass dies den Wettbewerb verfälscht, da nicht mehr zwangsläufig der beste, sondern vielleicht der am meisten zahlende Spieler gewinnt. Hersteller suchen deshalb Wege, um Bezahlinhalte gleichermaßen attraktiv, aber nicht spielentscheidend zu gestalten.

Zyngas Börsen-Poker ist nicht aufgegangen. Nur ein Jahr nach dem Höhenflug steckt das Studio in der Krise.

Mit der Social-Gaming-Welle brach eine regelrechte Goldgräberstimmung an der Börse aus. Anleger rieben sich die Hände, als plötzlich Millionen Menschen der Sucht verfallen waren, Karotten zu ernten und Schweine zu füttern. "Farmville" stand an der Spitze des Facebook-Spieletrends und galt als Vorzeige-Cashcow des immer immer häufiger eingesetzten Free2Play-Geschäftsmodells. Zum Börsenstart Ende 2011 wurde die Aktie von Zynga mit 10 Dollar bewertet, wonach der Unternehmenswert auf rund eine Milliarde US-Dollar stieg. Nicht einmal 12 Monate später steht die Aktie nun bei 2,35 Dollar. Der Börsenwert des Unternehmens ist damit unter den Wert der gesammelten Vermögensreserven Zyngas gefallen, berichtet die L.A. Times. Die Blase ist sprichwörtlich geplatzt.

Kein rosiger Ausblick

Zygas Aktie ist damit in der Praxis nichts mehr wert. Laut der Zeitung würden die Barreserven und materiellen Sicherheiten einem Wert von 2,46 Dollar pro Aktie entsprechen.

Und der Geschäftsausblick auf die kommenden Monate liefert auch keinerlei Anreize, das Papier zu kaufen. Der Umsatz ging in den drei Quartalen nach dem Börsenstart konsequent zurück. Für das gerade beendete dritte Quartal wird ein Verlust von 90 bis 105 Mio. Dollar (81,1 Mio. Euro) erwartet. Auslöser für den hohen Verlust ist vor allem eine Abschreibung auf die im Frühjahr gekaufte Spielefirma OMGPOP in Höhe von 85 bis 95 Mio. Dollar. Zynga hatte sich den Entwickler des Spiels "Draw Something", bei dem man Bilder erraten muss, im März auf dem Höhepunkt dessen Erfolgs geschnappt. Entsprechend hoch war der Preis mit 180 Mio. Dollar. Ein fataler Fehler: Schon bis Ende des zweiten Quartals brach die Nutzerzahl von mehr als 14 auf 3,5 Mio. ein.

Elan lässt nach

Hinzukommt, dass der Elan bei den Spielern der klassischen Online-Games von Zynga wie "Farmville" oder "Cityville" nachlässt. Die Nachfolgespiele wie "Mafia Wars 2" oder "Farmville 2" sorgen nicht im erwarteten Maße für eine Revitalisierung des Geschäfts. Spieler halten sich beim Kaufen virtueller Güter wie Traktoren, Häuser oder Möbel zurück - und das ist bisher die wichtigste Einnahmequelle von Zynga. Gründer und Chef Mark Pincus forciert deswegen den Einstieg ins Online-Glücksspiel etwa mit Poker-Games.

Gleichzeitig gibt es mittlerweile ein Überangebot an ähnlichen kostenlosen Spielen für Web und Mobile-Plattformen. Und Zynga fehlt es an innovativen Ideen, um neue Spieler für sich zu gewinnen. Zahlreiche Spiele orientieren sich an bestehenden Werken. Herausgeber Electronic Arts wirft Zynga vor, Ideen kopiert zu haben. Sollte EA den Rechtsstreit gewinnen, drohen Einbußen in Millionenhöhe.

"Strategischen Prioritäten"

In einem Blogeintrag kündigte Pincus an, dass es "gezielte Kostensenkungen" geben wird und die Entwicklung neuer Spiele an die "strategischen Prioritäten" angepasst werden. Zugleich betonte er, dass Zynga mit 311 Mio. Spielern immer noch eine riesige Nutzergemeinde habe. Nicht einmal ein Jahr nach seinem gigantischen Höhenflug muss sich Zynga bereits seinen Weg aus der Krise bahnen. (zw/Reuters, derStandard.at, 11.10.2012)

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