Vom Rande des Alls: Die Technik hinter "Stratos"

  • Felix Baumgartner vor einem Testsprung.
    foto: red bull

    Felix Baumgartner vor einem Testsprung.

Red Bull-Projekt plant weiteren Anlauf für kommenden Sonntag

Gebannt verfolgte vergangenen Dienstag ein internationales TV-Publikum die letzten Startvorbereitungen des "Red Bull Stratos"-Projektes. Aus dem seit fünf Jahren in Arbeit befindlichen Unterfangen wurde jedoch vorläufig nichts, da zu starke Bodenwinde einen Start des Ballons zu riskant machten. Während Felix Baumgartners Sprung aus 36 Kilometern Höhe nun am Sonntag stattfinden könnte, hat die Technology Review die Technik hinter "Stratos" erforscht.

Anzughersteller mit Erfahrung

Der Anzug, der den erfahrenen Basejumper vor den tödlichen Bedingungen in der Stratosphäre und den Folgen eines Durchbruchs der Schallmauer schützt, wird von der David Clark Company gebaut. Das Unternehmen hat Erfahrung und liefert bereits seit 1941 Schutzbekleidung für Luft- und Raumfahrt.

Bei Baumgartners Anzug handelt es sich um die Adaption jener Bekleidung, wie sie Air Force-Piloten bei Missionen in sehr großen Höhen tragen. Der Österreicher verfügt jedoch über mehr Bewegungsfreiheit und - dank klug positionierter Spiegel auch über ein größeres Sichtfeld. Beides ist wichtig, denn Baumgartner muss seinen Körper während des Falls in einer stabilen Position halten. Kommt er ins Trudeln, besteht durch die ohnehin belastenden Umstände und die schnelle Rotation die Gefahr der Bewusstlosigkeit.

Vierschicht-System

Dan Barry von der Herstellerfirma sieht in dem Sprung die Chance, aktuelles Equipment in seiner Funktion zu validieren. Interesse hat man dort am wissenschaftlichen Fortschritt der Materialforschung und weniger an den Rekorden, die Baumgartner brechen könnte.

Insgesamt besteht der Anzug aus vier Schichten. An den Körper des Springers schmiegt sich Futter, darüber liegt eine "Blase", die der menschlichen Form nachempfunden ist und von einem Gitter stabil gehalten wird. Darüber liegt eine feuerfeste Außenschicht. Die Konstruktion schützt effektiv vor Temperaturen zwischen -68 und 38 Grad Celsius und steht unter einem Druck von rund 250 Gramm pro Quadratzentimeter.

Helm und Handschuhe sind über eine Art Gewinde befestigt. Der Visor ist beheizt und verfügt über einen Sonnenschutz. Innerhalb des Helmes wird die Sauerstoffzirkulation automatisch reguliert. Baumgartner kann über einen eigenen Trinkanschluss Flüssigkeit zu sich nehmen.

Hauchdünner Riesenballon

Der Ballon für den Aufstieg in die Stratosphäre besteht aus einem 0,02 Millimeter dünnen Polyethylen-Film. Das gesamte Oberflächenmaterial wiegt circa 1,8 Tonnen und würde ausgebreitet rund 162.000 Quadratmeter an Fläche bedecken. Platz ist für rund 850.000 Kubikmeter Luft auf einer Höhe von etwa 55 Stockwerken.

Sturzfeste Kapsel

Die silberne Weltraumkapsel besteht aus vier Hauptkomponenten. Die Druckkapsel besteht aus Glasfaser und Epoxyharz und feuerfester Beschichtung. Sie steht unter einem Druck von 560 Gramm pro Quadratzentimeter. Sie ist umgeben von einem Käfig aus Chrom-Molybdän-Röhren, wie sie in Flugzeugen verbaut werden. Darüber liegt eine schaumisolierte Hülle, die gemeinsam mit der Basis die Kapsel bei einem Einschlag vor Kräften von bis zu 8G schützen soll.

Informationen über weitere Komponenten hat Red Bull auf die offizielle Webseite des Projektes gestellt. Sollte auch am Sonntag kein Sprung möglich sein, hat das Team noch bis Mitte November Zeit, einen Termin zu finden. Ansonsten muss der Abschluss der Mission auf 2013 vertagt werden. (red, derStandard.at, 11.10.2012)

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