Dicke Kleinkinder: Frühkindliche Ernährung legt Grundstein

11. Oktober 2012, 09:56
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Groß angelegtes EU-Forschungsprojekt sucht Wege der optimalen frühkindlichen Ernährung - Schwangere im Fokus

Graz - Übergewicht bei Kleinkindern kann vielerlei Ursachen haben - Essgewohnheiten, soziale Lage, genetische Veranlagung oder auch die Ernährungsweise der Mutter vor der Geburt. Wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für eine optimale Ernährung sowohl in der Schwangerschaft als auch der frühen Kindheit werden auf europäischer Ebene im Rahmen des Projektes "EarlyNutrition" entwickelt. An dem von der EU-Kommission mit neun Millionen Euro geförderten Projekt sind auch Wissenschaftler der Medizinischen Universität Graz beteiligt.

Laut Schätzung der WHO aus dem Jahr 2010 sind weltweit rund 43 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig. In Österreich leidet ungefähr jedes vierte Kind an Übergewicht, wobei besonders Buben betroffen sind - und es werden zunehmend mehr, so Gernot Desoye von der Uniklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Med-Uni Graz im APA-Gespräch. Die "globale Epidemie Übergewicht" verursache ernsthafte gesundheitliche Belastungen schon bei Kindern und sei ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung vieler chronischer Erkrankungen wie beispielsweise Typ-II-Diabetes, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Das aktuelle Projekt erforscht den Einfluss der frühkindlichen Ernährung bis hin zur schwangeren Mutter auf das spätere Gewicht der Kinder.

Entwurf von Empfehlungen

Im Rahmen des EU-Projektes konzentrieren sich die Forscher unter der Leitung von Berthold Koletzko vom Haunerschen Kinderspital der Universität München auf vier zentrale Zielgruppen, um das Problem Übergewicht bei Kindern besser in den Griff zu bekommen: Frauen vor und während der Schwangerschaft, Säuglinge sowie Kleinkinder. Insbesondere soll in den nächsten fünf Jahren erfasst werden, welche Nahrung vor und nach der Geburt das Risiko späteres Übergewichts eindämmen kann. Basierend auf diesen Ergebnissen sollen Empfehlungen für die Zeit ab der Schwangerschaft entworfen werden, schilderte Desoye.

Bereits im Vorläuferprojekt "EARNEST" - ebenfalls unter Koletzkos Leitung - hätten sich Zusammenhänge zwischen frühkindlicher Ernährung und Lebensführung auf die spätere Gesundheit und das Krankheitsrisiko der Kinder abgezeichnet, so Desoye. An der Med-Uni Graz, an der seit rund 30 Jahren an dem komplexen Thema Schwangerschaftsdiabetes geforscht wird, wird im aktuellen Projekt die Rolle der mütterlichen Plazenta bei der Entstehung des Übergewichts schon bei Föten untersucht. "Aus unserer Sicht steht bereits fest, dass sich der Mutterkuchen nicht vor den erhöhten Glukosewerte der Mutter schützen kann. Nun beschäftigen wir uns auch mit den Mechanismen des Fetttransportes durch die Plazenta, die noch ungeklärt sind", so der Grazer Mediziner. In einem weiteren - von der Med-Uni Graz koordinierten - EU-Projekt versucht man gleichzeitig, das Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes durch Veränderungen des Lebensstils der Schwangeren und durch Gabe von Vitamin D zu verhindern. (APA, 11.10.2012)

 

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