Conny Habbel und Austrofred: "Herzbrechhotel"

  • "Herzbrechhotel"Von Conny Habbel und Franz Adrian Wenzl. Mit einem Nachwort von Robert Pfaller. 128 Seiten / Euro 16,50, Orange Press, Freiburg, 2012
    foto: orange press

    "Herzbrechhotel"
    Von Conny Habbel und Franz Adrian Wenzl.
    Mit einem Nachwort von Robert Pfaller.
    128 Seiten / Euro 16,50, Orange Press, Freiburg, 2012

Fotografin Conny Habbel und Franz "Austrofred" Wenzl haben ihre merkwürdigen Reisen im Fotobuch "Herzbrechhotel" festgehalten

Dies ist ein mutiges Buch. Immerhin verbringt der Reisende nur ungern Nächte in Herbergen, die namentlich darauf hinweisen, dass man sich in ihnen nicht die besten Tage seines Lebens erwarten soll. Medienkünstler Franz Adrian Wenzl, bekannt als Sänger der Wiener Band Kreisky sowie als Kunstfigur Austrofred, hat gemeinsam mit Fotografin Conny Habbel all seinen Mut zusammengenommen. Er ist für den Bildband Herzbrechhotel in Hotels und Pensionen mit bedeutungsschweren Namen gereist. Sie tragen Namen wie Zweifel, Angst, Kummer, Hunger oder Blues. Unter schweren Zeichen scheinen sich schwere Nächte abzuzeichnen.

Wie die von Wenzl vor Ort verfassten Kurztexte (siehe unten) und Habbels kühl an der Oberfläche des Grauens kratzende Fotos beweisen, kann man den Schrecken aber bannen. Schiach is' gwesn, nix is' gscheh'n. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 12.10.2012)

England

Wir werden vom Personal per Handschlag begrüßt und ungläubig gemustert - so weitgereiste Gäste gibt es hier selten. Überhaupt Gäste.

Das Zimmer ist nur durch ein hochkomplexes Labyrinth zu erreichen - Stiege rauf, Stiege runter, den Gang lang, links, rechts, links - und überraschenderweise japanisch eingerichtet, mit Matten am Boden, obwohl Japan ziemlich weit weg ist von hier. Aber von hier aus kommt einem alles ziemlich weit weg vor.

Das sogenannte Zentrum, eine Dreiviertelstunde entfernt, unterscheidet sich in nichts vom Stadtrand. Es gibt kein Rathaus, keinen Dom, kein Reiterdenkmal, nicht einmal ein Restaurant. Nur Pizzaecken. Bei Nebel und mit ein bisschen gutem Willen kann man sich vorstellen, man ist in England und versteht nicht, was die Leute sagen. (Franz Adrian Wenzl)

Safari

Wie ich aufs Zimmer komme, sitzt da mein Schwager auf dem Bett. Wobei: Schwager ist ein bisschen übertrieben, ich kenne seine Schwester seit zwei Monaten. "Was machst du denn da?", frage ich überrascht. "Ich bewundere deinen Bettvorleger", sagt er, und meint den fast noch lebendigen Leoparden. Ich habe das "Safarizimmer" bekommen. Immerhin ist es nicht die "Star Wars"-Suite, auch wenn ich auf den geschmalzenen "Erlebnis"-Aufschlag für Speere, Masken und Baströckchen gut verzichten hätte können.

"Ich habe mir gedacht", sagt mein Schwager, "wenn du schon einmal in der Stadt bist, dann sollte ich dir ein paar Lokale zeigen. Wir haben da ein paar erstklassige Cocktailbars, und gleich ums Eck gibt's eine super Tequila-Bar, zum Vorglühen." Klingt nach einem weiteren "Erlebnis", auf das ich verzichten könnte.

"Mach dir nichts draus", sagt der Leopard, "irgendwann erwischt es einen jeden." (Franz Adrian Wenzl)

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