Italien ist Verlustbringer für ÖBB-Gütersparte

10. Oktober 2012, 21:44
6 Postings

Strategisch wichtiges Italien-Geschäft braucht frisches Geld, Wagon-Verkauf bringt 77,6 Millionen Euro

Wien - Italien bleibt ein Sorgenkind der ÖBB-Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA). Nach der Rekapitalisierung im Vorjahr braucht die von Linea auf Rail Cargo Italia (RCI) umgetaufte Güterbahn heuer erneut frisches Geld. In ÖBB-Kreisen wird der neuerliche Kapitalbedarf auf rund zwei Millionen Euro taxiert. Er soll in der außerordentlichen RCA-Aufsichtsratssitzung am 30. Oktober bewilligt werden.

Als Grund nannte eine ÖBB-Sprecherin die schlechte Industriekonjunktur in Italien, die zu massiven Transportrückgängen in den Branchen Holz und Stahl führe. Andererseits habe man sich von einem Großkunden trennen müssen, um Forderungsausfälle hintanzuhalten. Am italienischen Markt will RCA dennoch unbedingt festhalten. Italien gehöre zu den wichtigsten Exportmärkten Österreichs, daher bleibe man jedenfalls präsent. Gerüchte in Oberitalien, Linea könnte zugesperrt werden, tritt RCA vehement entgegen.

Inklusive der nun zu beschließenden Kapitalaufstockung verschlang die 2008 unter der früheren RCA-Führung rund um Friedrich Macher, Günther Riessland und Ferdinand Schmidt um 4,4 Millionen Euro erworbene RCI mittlerweile an die 13,6 Mio. Euro.

Deutlich schwieriger bei der Kapitalbeschaffung hat es die RCI-Mutter, also der RCA-Konzern. Er wird heuer wohl eine schwarze Null einfahren, leidet aber an akuter Eigenmittelnot. Da die Eigentümervertreter in der Regierung kein Geld locker machen, haben RCA-Aufsichtsrat und RCA-Management die Weichen auf kreative Bilanzierung gestellt. Um die mit acht Prozent dünne Eigenkapitaldecke der Österreich-Gesellschaft RCA AG auf 14 Prozent zu erhöhen, verkauft RCA 4025 Güterwagons an die Industriewaggon GmbH (Iwag), eine Tochter des RCA-Konzerns. Sie bekommt dafür 77,6 Millionen Euro, fast das vierfache des Buchwerts in den RCA-Büchern (22 Mio. Euro).

Iwag besitzt nach der Transaktion 14.000 Wagen, denn sie hat bereits 10. 000, weil sie in den 1990er Jahren nur zu dem Zweck gegründet worden war, um Investitionsfreibeträge nützen zu können. Da die Wagon-Nutzungsdauer von 20 auf 30 Jahre erhöht wird, bleiben die Mietkosten, die RCA für die Wagennutzung an Iwag zahlen muss, im wesentlichen gleich. Gelingt die Vermietung überzähliger Wagen am freien Markt, wird das Ganze ein gutes Geschäft. Nicht Teil des Deals sind 11. 000 Wagen der Ungarn-Tochter RCH. (ung, DER STANDARD, 11.10.2012)

 

 

Share if you care.