Auch das sagt das Zweite Vatikanische Konzil ...

Kommentar der anderen10. Oktober 2012, 18:41
305 Postings

Warum die reformorientierte Basis gut beraten wäre, ihre "Aufbruchs"-Euphorie in der Rückschau auf den "Geist" des Zweiten Vatikanums auf ihren Realitätsgehalt zu überprüfen

Wie oft kann man sie vernehmen. Die geradezu nostalgisch anmutenden Erinnerungen von Zeitzeugen des II. Vatikanischen Konzils. Ein ungeheurer "Aufbruch" sei damals in Gang gekommen. Erneuerung lag in der Luft. Die Türen weit aufgemacht. Frischer Wind sollte hereinkommen. Und über allem der sog. "Geist" des Konzils. Heute dagegen würde wieder der römische Zentralismus regieren. Mit einer Überbetonung des Gehorsams und rückwärtsgewandtem Liturgieverständnis.

So in etwa wäre der Befund von der sogenannten "Basis", angeführt von der Pfarrerinitiative Helmut Schüllers. Das Problem mit dem oft zitierten " Geist" des Konzils ist nur, dass dieser niemals schriftlich festgehalten wurde. Ganz im Gegensatz zu den Dokumenten des Konzils. Und was man darin auszugsweise lesen kann, steht so ziemlich im diametralen Gegensatz zu den Forderungen, die die Vertreter von "Wir sind Kirche" und Pfarrerinitiative als Reformansätze für die Kirche einmahnen.

Beispiele gefällig? In Lumen Gentium, 22, lesen wir etwa: "Der Bischof von Rom hat nämlich kraft seines Amtes als Stellvertreter Christi und Hirt der ganzen Kirche volle, höchste und universale Gewalt über die Kirche und kann sie immer frei ausüben." Und weiter: "Die Gläubigen aber müssen mit einem im Namen Christi vorgetragenen Spruch ihres Bischofs in Glaubens- und Sittensachen übereinkommen und ihm mit religiös gegründetem Gehorsam anhangen." (LG, 25).

Aber auch die Aussagen in der pastoralen Konstitution über die Kirche, "Gaudium et spes", im Kapitel über Ehe und Familie passen so gar nicht in das Wunschkonzert von Helmut Schüller und seiner Pfarrerinitiative. Auch hier ein paar Zitate: "Diese Liebe, die auf gegenseitige Treue gegründet und in besonderer Weise durch Christi Sakrament geheiligt ist, bedeutet unlösliche Treue, die in Glück und Unglück Leib und Seele umfasst und darum unvereinbar ist mit jedem Ehebruch und jeder Ehescheidung." (Gaudium et spes, 49). Und zur sog. Familienplanung: "Von diesen Prinzipien her ist es den Kindern der Kirche nicht erlaubt, in der Geburtenregelung Wege zu beschreiten, die das Lehramt in Auslegung des göttlichen Gesetzes verwirft." (Gaudium et spes, 51).

Um nicht missverstanden zu werden: Ich halte mich, weil ich als einfacher Laie an das tradierte Lehramt der katholischen Kirche glaube und mich deshalb als römisch-katholisch bezeichne, nicht für einen " besseren" Menschen, der den vielen (leider heute oftmals orientierungslos gewordenen) Gläubigen ihre Sorgen absprechen möchte. Ich denke nur, dass hin und wieder die Pflicht es gebietet, klar auszusprechen, was Sache ist. Und "Sache" ist, dass die sogenannten "heißen Eisen" aus den ewigen Forderungskatalogen schlicht nicht verhandelbar sind.

Wenn Helmut Schüller oder Hans Peter Hurka von der Plattform "Wir sind Kirche" Frauen am Altar "gleichberechtigt" stehen sehen möchten, so sei ihnen das unbenommen. Nur bitte nicht in der katholischen Kirche. Wenn Basisgruppen allen Ernstes vermeinen, dass der Wortgottesdienst ein adäquater Ersatz für das heilige Messopfer durch einen geweihten Priester sein kann, dann sollen sie sich zusammensetzen und feiern, was auch immer sie möchten. Nur bitte außerhalb der katholischen Kirche. Und wenn schließlich das Gesetz Christi, wonach dem Menschen kein Recht zur Auflösung der Ehe zusteht, plötzlich nicht mehr gelten soll, dann ist das nicht das Problem eines angeblich seit Jahren bestehenden " Reformstaus", sondern einzig und allein das Problem jener "falschen Propheten", die den Menschen nicht mehr die Wahrheit verkündigen.

Die jüngsten Geschehnisse in Österreichs Kirche rund um das (erfreulich klare) Hirtenwort der Bischöfe zum "Jahr des Glaubens" und der umgehend ablehnenden Reaktion von Schüllers und Hurkas haben wieder einmal eindrucksvoll bewiesen: Der Dialog ist am Ende. Und ich denke, das ist gut so. (Michael Etlinger, DER STANDARD, 11.10.2012)

Michael Etlinger ist als Jurist in einer unabhängigen Kontrollinstanz tätig und privat praktizierender Katholik.

Share if you care.