Ein Hirtenbrief zum Hirtenbrief

Kommentar der anderen10. Oktober 2012, 18:57
20 Postings

Österreichs Bischöfe geloben "Umkehr" und "Besserung" - Schön wär's

Liebe Katholikinnen und Katholiken! Ihr habt sicher sehr viel für uns gebetet, weil wir nun endlich neue Einsichten und Erkenntnisse gewonnen haben. Das hätten wir aus eigener Kraft wohl nicht geschafft. Wir haben uns im Auftrag und im Sinne der Bibel "bekehrt." Unsere "Umkehr" wollen wir Euch heute dankbaren und demütigen Herzens mitteilen.

Wir bekennen unsere eigene Schuld, unsere bisherigen Fehler, Irrtümer und Versäumnisse in aller Öffentlichkeit, insbesondere in folgenden zehn Punkten:

1. Wir haben gesündigt, indem wir "Herr, Herr" gerufen und uns selber zu Herren statt wirklichen Hirten gemacht haben, Euch wie "Objekte" und " Schafe" behandelt haben;

2. indem wir unsere Macht missbraucht, uns dem Personenkult hingegeben haben, anstatt zu dienen;

3. indem wir die Liebe und die Barmherzigkeit vernachlässigt haben, weil wir "die Treue zur Weisheit Jesu" nicht gewahrt und damit dem Glauben, der Kirche und dem eigenen Auftrag geschadet haben;

4. indem wir Wahrheit in Anspruch genommen haben, wo uns dies nicht zusteht, wo wir keine Kompetenzen haben und wo das der Realität und dem Evangelium widerspricht;

5. indem wir den Heiligen Geist für unsere Aussagen und unsere (Fehl-)Entscheidungen in Anspruch genommen haben, auch was die Laien und den Ausschluss der Frauen aus der Weihe betrifft;

6. indem wir die Religions-, Gewissens- und Meinungsfreiheit sowie die Glaubenserfahrung der Kinder Gottes zu wenig oder gar nicht respektiert haben;

7. indem wir - nicht nur den Kindesmissbrauch betreffend - die eigenen Fehler vertuscht und geleugnet haben;

8. indem wir Gehorsam uns gegenüber verlangt haben, wo und weil er uns nicht zusteht und dem Wort Gottes widerspricht;

9. indem wir die Einheit der Kirche in Gefahr gebracht, die Kirchenreformer nicht verstanden, sondern behindert haben, den Skandal in Sachen Ökumene nicht erkannt und falsche Prioritäten gesetzt haben;

10. indem wir das Konzil in wesentlichen Punkten nicht umgesetzt, den erbetenen Dialog mit allen nicht durchgeführt haben.

Nach diesem öffentlichen Bekenntnis und mit dem festen Willen zur Besserung erbitten wir - analog zur Beichte - Eure Vergebung, Eure Nachsicht und Eure Unterstützung in der Zukunft. Was wir Euch immer empfohlen, ja vorgeschrieben haben, das wollen wir nun vor allem selber tun.

Wir versprechen, uns in Zukunft anders zu verhalten, uns nicht mehr auf unsere Auserwählung, nicht mehr auf den Heiligen Geist zu berufen, wirkliche "Hirten" zu werden. Wir versprechen, in Zukunft - wenn überhaupt - nur noch kurze "Hirtenbriefe" zu schreiben, die dann aber glaubwürdig, überzeugend und hilfreich sein können und sollen. Wir hoffen, auf diese Weise wieder Euer Vertrauen wieder zu gewinnen, vom Schein zum Sein zu kommen, unsere Aufgabe besser erfüllen, Euch im Glauben stärken und so auch selber ins "Buch des Lebens" eingetragen werden zu können.

Unseren abschließenden Wunsch an Euch drücken wir mit folgenden Worten des hl. Apostels Paulus aus: "Die Gnade Jesu, des Herrn, sei mit Euch!" " Brüder, betet für uns!" (Anton Kolb, DER STANDARD, 11.10.2012)

Anton Kolb, Jg. 1931, ist emeritierter Professor für Philosophie und Fundamentaltheologie an der Universität Graz.

Share if you care.