Grazer Bürgermeister Nagl will "anders denken"

Stadtchef stellt Wahlprogramm vor und umwirbt KPÖ

Graz - Auf den ersten Blick ist weder auf Plakaten noch auf seinem am Mittwoch präsentierten 51-seitigen Wahlprogramm zu erkennen, dass Siegfried Nagl am 25. November für die ÖVP antritt. Wie schon bei den Grazer Gemeinderatswahlen 2003 und 2008 geht er - diesmal im rosa Design - nicht nur optisch auf Distanz zur Mutterpartei.

Nagl fordert erneut mehr Bürgerbeteiligung und präsentiert "bewusst keine großen" Projekte, sondern "eine Handlungsanleitung für mehr Eigenverantwortung" in allen Bereichen und die Stärkung des Ehrenamtes. Wichtige Themen für die Stadt wie Feinstaub und die Zukunft die Reininghaus-Gründe wurden nicht angesprochen. Nagl kritisierte "alle Parteien" im Bund, die über ihn "drübergefahren" seien, als er einen Anlauf nahm, den Proporz auch in der Stadt abzuschaffen.

Mit wem er nach Aufkündigung seiner Koalition mit den Grünen regieren wolle? Er sei für alles offen, habe jedoch "nur mit den Grünen eine Koalition aufgelöst, während die KPÖ nach wie vor ein guter Partner" sei, meinte der Stadtchef, der in jüngsten Umfragen leichte Verluste erleiden musste.

Die KPÖ-Wohnungsstadträtin Elke Kahr, die am Mittwoch ihre Kandidaten präsentierte, liegt in Umfragen derzeit mit 13 Prozent knapp vor den Grünen. Wie in Zeiten von Ernest Kaltenegger suchen auch andere Parteien derzeit keine direkte Konfrontation mit ihr. BZÖ-Kandidat Gerald Grosz nannte sie jüngst sogar ein Vorbild. Kahr zum schwarzen Werben: "Obwohl unsere Inhalte immer die gleichen sind, behandelt man uns manchmal wie Aussätzige, manchmal umarmt man uns. Jetzt umarmt man uns wieder." (cms, DER STANDARD, 11.10.2012)

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