Geplatzte Luftfahrtfusion: Sieg der Eifersucht

Kommentar10. Oktober 2012, 18:12
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Beim Waffen- und Flugzeugbau ist die Wirtschaftlichkeit nur ein Entscheidungsfaktor

Sie wollten ein europäisches Gegenstück zum Boeing-Konzern schaffen und hatten viele gute Argumente auf ihrer Seite. In jeder anderen Branche wäre die Fusion von EADS und BAE Systems wohl durchgegangen. Denn betriebswirtschaftlich haben die beiden Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne wirklich gut zueinander gepasst.

Aber beim Waffen- und Flugzeugbau ist die Wirtschaftlichkeit nur ein Entscheidungsfaktor - und meist nicht der wichtigste. Hier geht es vor allem um Politik. Und da stand die geplante Fusion von Anfang an unter einem schlechten Stern.

Franzosen und Deutsche begrüßen den Staat als Kernaktionär, die Briten nicht. Dazu kam die Sorge, dass die USA einem Rüstungskonzern mit starken Staatsanteilen keine bedeutenden Aufträge mehr zukommen lassen würden. Das hätte einen wichtigen Teil des BAE-Geschäftes getroffen.

Das größte Hindernis aber waren die Eifersüchteleien zwischen Paris und Berlin. Deutschland fürchtete, dass eine französisch-britische Allianz die Macht übernimmt und wichtige Unternehmensteile aus München abzieht. Doch gerade der Zwang zur nationalen Parität, auf den die Deutschen stets pochen, hat EADS und seine Tochter Airbus schon bisher gelähmt.

Es ist nicht überraschend, dass ein so komplexer Deal im heutigen Klima in der EU scheitert. Ein gutes Zeichen für Europas Handlungsfähigkeit ist es sicherlich nicht. (Eric Frey, DER STANDARD, 11.10.2012)

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