Britische Konservative: Schwere Zeiten für Cameron

Kommentar10. Oktober 2012, 18:10
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Trotz des eisernen Sparprogramms kommt die Insel nicht auf die Beine

In wirtschaftlich schweren Zeiten ist Regieren nicht leicht. Noch vor Jahresfrist wirkte David Cameron wie gemacht für das Amt des britischen Premierministers. Der Mann mit dem Putto-Gesicht und dem unerschütterlichen Selbstvertrauen, das der Elite in Eton und Oxford eingebläut wird, schien der gebeutelten Nation die Richtung zu weisen. Zur Mitte der Legislaturperiode wirkt der 46-Jährige um Jahre gealtert.

Trotz des eisernen Sparprogramms kommt die Insel nicht auf die Beine. Finanzminister George Osborne musste in den vergangenen fünf Monaten jeweils mehr neue Staatsschulden aufnehmen als vor Jahresfrist, die Industrieproduktion fiel im vergangenen Quartal um 1,9 Prozent, der IWF prognostiziert eine weitere Schrumpfung der Volkswirtschaft. Die eingeleiteten Strukturreformen sollen die Insel wirtschaftlich gesünder machen: Eine Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, bessere Schulbildung und mehr Lehrstellen für junge Leute, eine halbstaatliche Bank für grüne Investitionen - das sind notwendige Schritte in die richtige Richtung.

Wirkung werden sie aber frühestens in zwei Jahren zeigen. Bis dahin wird sich Cameron mehr einfallen lassen müssen als bisher, um seine Landsleute bei Laune zu halten. Stets nur die Probleme der Eurozone als Begründung für die wirtschaftliche Malaise herauszustreichen - damit wird er auf Dauer nicht glaubwürdiger. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 11.10.2012)

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