Der frische Wind aus dem Petersdom

Das Zweite Vatikanische Konzil ist das bedeutendste Ereignis der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Vor 50 Jahren öffnete man im Vatikan das Fenster zur Welt. Heute ist der Reformen-Ruf dennoch lauter denn je. Von einem dritten Konzil raten Experten aber ab.

Wien/Linz - Kaum ein Papst wurde zu Beginn seines Pontifikats so unterschätzt wie er. Doch kaum einer hat in der katholischen Kirche mehr bewegt als er: Angelo Roncalli, Bauernsohn aus Bergamo, hat als Papst Johannes XXIII. mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die einschneidendste Zäsur der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert eingeleitet. Heute, Donnerstag, jährt sich der Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils zum 50. Mal.

Türöffner zur Welt

Am 11. Oktober 1962 zogen rund 2500 Kardinäle und Bischöfe zusammen mit Papst Johannes XXIII. in den Petersdom in Rom ein. Unter dem Begriff vom "Aggiornamento", also der Öffnung der Kirche hin zur Welt, war es der Auftakt für den großen Reformprozess der katholischen Kirche. Dazu zählen Gottesdienste in der Muttersprache, die Anerkennung der staatlichen Religionsfreiheit, ein stärkeres Miteinander der christlichen Konfessionen (Ökumene) und der Dialog mit nichtchristlichen Religionen.

Das Konzil sollte nach den Vorstellungen der planenden Kardinäle drei Monate dauern - es wurden drei Jahre. Vor allem geschah, was zuvor undenkbar war: Vorgelegte Entwürfe und Dokumente wurden nicht, wie vor allem von konservativer Seite erhofft, einfach abgenickt. Auch der Linzer Altbischof Maximilian Aichern, zur Ausrufung des Konzils als Student der Benediktineruniversität San Anselmo in Rom, spürt den "Geist des Konzils" noch heute. "Ich war dabei, wie Papst Johannes XXIII. den Gottesdienst im Jänner 1959 feierte und anschließend die Kardinäle zusammenholte und ihnen das Zweite Vatikanische Konzil angekündigt hat. Der Aufbruch des Konzils war ungeheuerlich und hat so viel Positives gebracht - mit großer Bedeutung für heute", sagt Altbischof Aichern zum STANDARD.

Doch den Feiern stehen Reformwünsche gegenüber. Rufe nach einem dritten Konzil werden laut, Experten bleiben vorsichtig. "Die Kirchengeschichte zeigt, dass die Rezeption eines Konzils fast immer 100 Jahre dauert. Wir ringen gerade darum, wie das Konzil angemessen zu deuten ist", zeigt sich Jan-Heiner Tück, Vorstand des Instituts für Dogmatische Theologie an der Universität Wien, im STANDARD-Gespräch zurückhaltend.

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Ob der heutige Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil nicht nur sentimentale Überhöhung sei? "Es gibt unterschiedliche Wahrnehmungen: Da sind jene, die eine nostalgische Verklärung betreiben, dann die Traditionalisten, die es als Bruch mit der Tradition verwerfen, und schließlich jene, die eine geduldige Lektüre der Dokumente befürworten. Denn alle reden über das Konzil, die wenigsten haben die Dokumente aber wirklich gelesen. Darin gibt es sicher neu zu entdeckende, noch unausgeschöpfte Potenziale", sagt Tück, der gerade ein Buch (Erinnerung an die Zukunft, Herder-Verlag) über das Konzil herausgegeben hat.

Die Frage, ob das Konzil nicht zu spät gekommen sei, könne man " natürlich stellen", sagt Tück: "So hätte die Kirche schon früher den lähmenden Antimodernismus beenden und eine Selbsterneuerung einleiten können." Ohne Konzil, ist sich der Theologe allerdings sicher, "hätte sich die Kirche weiter abgeschottet und dadurch selbst marginalisiert". (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 11.10.2012)

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Frage?

Wenn es das Göttliche, also eine höhere Intelligenz gibt, dann kann diese doch nur EINE sein. Ein und dieselbe für das gesamte Universum. Wenn sich nun Menschen unterschiedliche Geschichten ausgedenken und behaupten SIE hätten das wahre, das richtige Gottesbild, ergo auch die richtige Weltanschauung, behaupten sie gleichzeitig, die anderen hätten falsche Götter. Lässt das den Rückschluss zu, die Mitglieder der diversen Religionsgemeinschaften glauben an die Existenz unterschiedlicher Götter? Oder ist es wie mit der unterschiedlichen Weltanschauung, wo sich Extremisten aller Art um einen Platz an der Sonne streiten? Es wär schon spannend wenn dieses Forum ein echtes, intelligentes Diskussionsforum würde.

Wow. Vor nicht einmal ganz 50 Jahren entschloss man sich, Messen in der Landessprache zu lesen, statt auf Latein.

Was für eine Leistung.

Vielleicht wird man es in weiteren 50 Jahren geschafft haben den Buchdruck zu akzeptieren, oder gar...Kondome!

Oder wär das zu progressiv?

Schickt diesen erbärmlichen Haufen in die Wüste!

Dieser frische Wind riecht allerdings nach geistiger Verwesung!

Der frische Wind aus dem Petersdom

den kann ich nicht verspüren. Eher ein abgestandener Darmwind der ewigen Verzopftheit

Ich habe eher den Eindruck, dass da zur Zeit maximal Darmwind daherkommt.

PS: Papstschaa* im Glaserl - neue Reliquienlücke - für ebay

Papstschaa* im Glaserl - neue Reliquienlücke

Gute Idee:
In einigen Jahrzehnten wird es aber zehntausende dieser Glaserln in allen Devotionalienshops der Erde zu kaufen geben. Das Gesamtvolumen der Glaserln wird hunderte Gasballons füllen können. So wie bei den verschiedenen Fingerknöchelchen Heiliger, von denen es so viele gab, als wären die Heiligen Tausendfüßler gewesen...:)

kein Problem... ein bissl mit Milchzucker verrühren, dann wird die Wirkung noch poteniert (frei nach Samuel Hahnemann)

" Wir ringen gerade darum, wie das Konzil angemessen zu deuten ist "

mag sein, dass bei der derzeitigen fürhungsmannschaft die forderung nach einem neuen konzil fast wie eine drohung klingt.

aber es ist längst wieder ein sprung vorwärts nötig.
die erde dreht sich schneller als im mittelalter und die mittelalterliche führungsclique im vaitkan glaubt

100 jahre- um angemessen zu deuten - das spielts heutzutage nimmer!

Falsch: Die Erde dreht sich langsamer als damals.

Leuten wie diesen religiösen Schwaflern, die sich die Existenz eines Gottes einreden lassen, wird so was aber nicht auffallen.

Wollte man gehässig sein, benennte man es als Größenwahn, wenn jemand ob der Unermesslichkeit des Kosmos sich zur Behauptung versteigt, es sei vermessen, die Existenz eines höheren Wesens, als der Mensch es ist, in Erwägung zu ziehen.

Genauso größenwahnsinnig ist es sich als die Krone der Schöpfung eines solchen imaginären Gotts zu sehen.

Wer stellt für Sie die Krone der Schöpfung dar?

Wozu muß es überhaupt eine Krone der Schöpfung geben?

Wir sind sehr wohl die Krone der Schöpfung!

Oder glauben Sie, der liebe Gott liest keine Zeitung?

Die Krone vielleicht nicht, aber "ganz sicher" [;-)] ein Steinchen darin.

;)

Klar, nur sind gerade die judeochristlichislamischen Religionen in der Regel der Meinung dass die Menschen (oder auch nur eine bestimmte "auserwählte" Menschengruppe) die "Erwählten" sind, um die sich ein höheres Wesen des Cosmos, Gott genannt, ganz persönlich kümmert.

Dass es möglicherweise irgendwelche Wesen im Cosmos gibt deren Existenzebene eine gänzlich andere, eventuell "höhere" (wie man auch immer "höher" definiert) ist, ist natürlich nicht auszuschließen. Aber bis diese nachgewiesen sind, bringt es nichts kompletten Humbug und Unfug bezüglich der "Befried(ig)ung" solcher Wesen zu verbreiten.

Falls es ein solches höchstes Wesen gibt - warum sollte es mit einer kleinen Lokalgottheit identisch sein, die die Israeliten auf ihrem Weg von Ägypten nach Kanaan von einem Nomadenvolk auf der Sinai-Halbinsel "übernommen" haben?

Siehe dazu:
Sigmund Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion.

Genau das finde ich ist ja die Absurdität.

Klar kann man ein "Gottwesen" nicht ausschließen - aber ich meine man kann (und hat!) schon so viel aus der judeochristlichen Tradition bzw. der abrahamitischen Gottvorstellung (das inkludiert Judentum, Christentum und Islam) widerlegt, dass man davon ausgehen kann dass ein möglicherweise existentes "Gottwesen" sicher nicht diese Form annimmt wie sie diese Religionen (aber auch andere) annehmen.

dass man davon ausgehen kann dass ein möglicherweise existentes "Gottwesen" sicher nicht diese Form annimmt wie sie diese Religionen (aber auch andere) annehmen.

Wahrscheinlich.
Aber genau so wenig wahrscheinlich ist es, dass Sie das Nichtwesen und die Nichtgestalt so eines Gottwesens treffend beschrieben haben.

Der Unterschied ist, dass im Gegensatz zu religiösen Leuten die sich so absolut sicher sind das Wesen und die Art Gottes zu kennen, man als jemand der erkenntnistheoretisch gebildet ist, halt nur eines weiß: dass man es nicht wissen kann. Finde ich jedenfalls weniger arrogant als ohne Beweise alles gleich zu "wissen" (zu glauben).

Ich denke, Sie haben meine Auffassung von geistigem Allwesen nicht verstanden:

Ich sehe mich nicht gegenüber diesem ("göttlichen") Wesen, sondern als Teil dessen.

Daher tue ich alles, was ich ihm zu Ehren und zu Dank tue, auch für mich selbst.

Ich verstehe allerdings nicht wieso Gläubige glauben dass Gott Anwesenheiten bei Gottesdiensten überprüft oder sonstigen "humanisierten" Schwachsinn.

Ich denke, selbst wenn es eine Art Cosmoswesen gibt, dann ist der/die/das mit Garantie nicht im Geringsten so wie es die judeochristlichislamischen Religionen glauben - die hatten nur damals naivere Vorstellungen und haben ihr Gottesbild eben danach geformt, genau wie es Urvölker tun.

Inwiefern ein Cosmoswesen ein menschliches Konzept wie "Ehre" und "Dank" überhaupt kennt, ist mir ebenfalls ein Rätsel.

Meine Mutter hat mir einmal erzählt, dass ihr ihr Vater erzählt habe, dass dessen Großvater ihm erzählt habe, dass - somit wohl irgendwann im frühen 19. Jhd. - sich in ihrem Dorf folgendes zugetragen habe

Des nächtens trieb der Teufel auf den Dächern sein Unwesen und machte Lärm und unwirkliche Laute, dass einem angst und bange wurde.

Der Pfarrer baute seine pädagogische Predigt am Sonntag auf dieser Begebenheit auf und mahnte die Leute zur Andächtigkeit.

Da schwang sich ein stattlicher Bauernsohn aus dem Ort zu besonderem Mut auf, und lauerte dem Teufel auf und schoß ihn kurzerhand mit der Flinte vom Dach.

Man erschrak nicht wenig, als man sah, dass es der Dorfpfarrer mit einem schwarzen Umhang war.

So viel zu den Missbräuchen der RKK, die ihre Wurzel immer im Tun und Lassen Einzelner haben.

Mit ihrem letzten Satz könnten Sie Recht haben, doch immerhin sind wir Menschen mit diesen unseren menschlichen Werten Teil dessen!

Wir wissen natürlich nicht, was es im Kosmos sonst noch so gibt. Allerdings, den lieben Gott den sich die religiösen Deppen einreden und uns allen einreden wollen obwohl er sie noch nie blicken hat lassen, der ist ganz sicher eine menschliche Erfindung.

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