Dominanz zum richtigen Zeitpunkt

10. Oktober 2012, 17:24
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Das ÖFB-Team reist nach Astana, um am Freitag dem Zeitunterschied und vor allem Kasachstan in der WM-Quali ein Schnippchen zu schlagen. Christian Fuchs und Emanuel Pogatetz jubilieren

Bad Tatzmannsdorf - Da der Fußball "keine Raketenwissenschaft" ist, sieht Sportwissenschafter Gerhard Zallinger keine großen Probleme. Die österreichische Nationalmannschaft wird den Ausflug nach Astana überstehen, die vierstündige Zeitverschiebung einfach ignorieren und bei Anpfiff am Freitag um 22 Uhr Ortszeit (18 Uhr daheim) "matchfit" sein. Punkte gegen Kasachstan kann Zallinger nicht garantieren, das wäre eine Kompetenzüberschreitung. "Ich bin die Schaltstelle zwischen physischem Training und der Medizin." Folglich kommuniziert er mit Richard Eggenhofer, dem Teamarzt. Der sagt: "Entscheidend ist die Balance zwischen Belastung und Entlastung. Man muss schauen, dass die Bereitschaft für die höchste Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt gegeben ist."

Eggenhofer tangieren die vier Stunden kaum. "Wie leben ganz normal in unserem Rhythmus weiter, stellen nichts um." Hygienemaßnahmen wurden getroffen. Den Fußballern ist untersagt, kasachisches Wasser aus kasachischen Leitungen zu trinken, aber das würden sie eh nicht machen, zumal es streng riecht. Ein Koch fliegt auch mit (er ist schon dort), tote Hühner durfte er nicht importieren, tote Fische schon. Weshalb, weiß Eggenhofer nicht.

Gelenke nicht begeistert

In Astana wird auf Kunstrasen gekickt, in der Vorbereitung wurde das beachtet. Man trainierte in Bad Tatzmannsdorf ausschließlich auf Plastik. Die Gelenke zeigten sich darüber nicht gerade begeistert, die Belastung auf echtem Grün ist nämlich deutlich geringer. Eggenhofer: "Es ist uns gelungen, dass alle fit geblieben sind."

Teamchef Marcel Koller könnte insofern überraschen, als personelle Veränderungen im Vergleich zum 1:2 gegen Deutschland nicht auszuschließen sind. Marc Janko, Florian Klein und Jakob Jantscher standen am Mittwoch beim Trainingsspielchen in der Einsergarnitur, sie hatten also gelbe Leiberln an. Martin Harnik, Marko Arnautovic und György Garics trugen rote und schauten irgendwie traurig drein. Wobei das auch eine optische Täuschung, ein Interpretationsirrtum gewesen sein kann. Janko fand die Aufstellung "nicht uninteressant".

Positive Erscheinung: Andi Ivanschitz

Abgesehen davon fiel speziell Andreas Ivanschitz positiv auf, der Mann ist in Form. Kapitän Christian Fuchs und Innenverteidiger Emanuel Pogatetz gehörten natürlich zu den Gelben, die beiden bestreiten in Astana ihr 50. Länderspiel. Und vier Tage später wohl das 51. In Wien und wieder gegen Kasachstan. Epochale Auswirkungen hat das Jubiläum nicht, schon nach dem 25. Einsatz darf man für den Rest des Lebens Partien der Elite gratis besuchen.

Fuchs warnt vor Kasachstan, zumal man sich in der EM-Quali zweimal geplagt hat. Beim 2:0 in Salzburg fielen die Treffer in der Nachspielzeit, auswärts gab es ein kaum berauschendes 0:0. "Es wird kein Selbstläufer. Wir haben Respekt. Andererseits ist uns bewusst, dass wir die besseren Fußballer sind. Wir wollen dem Spiel unseren Stempel aufdrücken, eine Dominanz ausstrahlen." Da das erklärte Ziel die WM 2014 in Brasilien ist, "brauchen wir gegen Kasachstan sechs Punkte". Pogatetz, der mit Wolfsburg im Tabellenkeller grundelt und unlängst gegen Fuchs samt Schalke 0:3 verloren hat, stimmt zu. "Sollten wir glauben, dass es mit 80 Prozent geht, irren wir gewaltig. Aber das glaubt eh keiner, Koller treibt uns solche Gedanken aus."

Am Donnerstagvormittag wird abgeflogen, fünf Stunden später gelandet. In Astana ist es dann bereits 19 Uhr. Arzt Richard Eggenhofer sagt: " Ignorieren." (Christian Hackl; DER STANDARD; 11.10.2012)

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    Teamchef Marcel Koller könnte gegen Kasachstan mit personellen Änderungen überraschen. Ein Trainingsspielchen in Bad Tatzmannsdorf lieferte Hinweise.

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