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Von mehr als 38.000 Lehranfängern im Jahr 2011 waren 7.000 Personen 18 oder älter.
Wer an den Lehrberuf denkt, hat automatisch Jugendliche vor Augen, die sich in Berufsausbildung befinden. Längst sind es aber nicht mehr nur unter 18-Jährige, die sich nach der Pflichtschule für eine Lehre entscheiden. Es gibt mittlerweile immer mehr Menschen, die erst nach Erreichen der Volljährigkeit oder nach der Matura eine Lehre beginnen.
Einer davon ist Selcuk Özcifci aus Wien. Er hat mit 18 Jahren eine Doppellehre zum Maurer und Schalungsbauer begonnen. Mittlerweile ist er 22 und hat vor kurzem die Lehrabschlussprüfung im Schalungsbau mit Auszeichnung und die zum Maurer mit gutem Erfolg abgeschlossen. In der Fachschule für Hoch- und Tiefbau hat es mit den Noten damals nicht so gut geklappt. "Ich habe mir gedacht, ich schaffe die Schule nicht", sagt Özcifci. Als er am Jahresende mit zwei Nicht genügend nicht in die nächste Klasse aufsteigen konnte, brach er die Schule ab, weil er die Klasse nicht wiederholen wollte.
In der Berufsschule ging es zwar etwas lockerer zu als in der Fachschule, dafür war der Einstieg in das Arbeitsleben auf der Baustelle anstrengender. "Natürlich ist es schwieriger, auf einer Baustelle zu arbeiten, als in der Schule zu sitzen", sagt Özcifci. "Aber man lernt viel schneller. Früher in der Schule habe ich Absätze auswendig lernen müssen, auf der Baustelle wird alles in wenigen Sätzen schnell erklärt."
Nach dem Schulabbruch bewarb er sich eifrig um eine Lehrstelle, schließlich nahm ihn der Baukonzern Strabag auf. Bei einer großen Firma zu arbeiten empfindet Özcifci als Vorteil: "Es kommt immer darauf an, wer dich ausbildet und dass man als Lehrling nicht nur Putz- oder Hilfsarbeiten macht. Ich hatte das Glück, dass mir meine Ausbildner und Vorarbeiter jede Kleinigkeit gut erklärt und gezeigt haben." Andere Kollegen in der Berufsschule hätten da mit der Firma und den Ausbildnern nicht so viel Glück gehabt.
Obwohl Özcifci vor drei Jahren bei einem Arbeitsunfall seinen linken Zeigefinger verlor, hat er die Lehre nicht abgebrochen. "Ich wollte nicht aufgeben und weitermachen. Ein Job in der Baubranche ist ein Zukunftsjob, das Bauwesen stirbt nie aus", ist er sich sicher. Seinen Beruf übt er gerne aus, seit kurzem besucht der Facharbeiter auch die Werkmeisterschule zum Baumeister.
Einer Karriere vom Facharbeiter zum Vorarbeiter und dann zum Polier steht also auch bei einem späten Einstieg in den Lehrberuf nichts im Wege. Ganz im Gegenteil, wer erst mit 18 Jahren oder mehr in den Lehrberuf einsteigt, hat einige Vorteile gegenüber nichtvolljährigen Jugendlichen. So kann die Lehrzeit für Maturanten, Absolventen einer berufsbildenden mittleren Schule oder Personen, die bereits eine Lehre abgeschlossen haben, auf ein Jahr verkürzt werden. "Auch wenn jemand nach der zweiten Klasse HTL abbricht, wird das an die Lehrzeit angerechnet und verkürzt", berichtet Wolfgang Simoner, Personalentwickler und Lehrlingsausbildner bei Strabag in der Firmenniederlassung in Spittal an der Drau.
Ein weiterer Vorteil ist die höhere Lehrlingsentschädigung bei Lehranfang mit 18 Jahren. Wer mit 18 in den Lehrberuf einsteigt, bekommt mehr Geld. Özcifci wurde bei Lehreinstieg als Hilfsarbeiter eingestuft und erhielt somit ein Hilfsarbeitergehalt, das mit rund 1.200 Euro brutto im Monat wesentlich höher ist als die übliche Lehrlingsentschädigung von knapp 850 im ersten Lehrjahr bei Lehrbauberufen.
"HTL-Maturanten beginnen bei Strabag meist als technische Angestellte und bekommen einen höheren Lohn, das ist gesetzlich im Kollektivvertrag geregelt. Jemand der über 18 ist, verdient bei Strabag automatisch so viel wie Lehrlinge im dritten Lehrjahr", so Lehrlingsausbildner Simoner. Die höhere Entlohnung sieht er als zusätzlichen Anreiz vom Gesetzgeber und hält sie auch für gerechtfertigt, da Volljährige höhere Lebenserhaltungskosten haben als Jugendliche, die meist noch im Elternhaus wohnen.
Viele der Lehrlinge, die erst mit 18 Jahren oder mehr bei Strabag eine Lehre machen, haben die HTL nach der ersten oder zweiten Klasse abgebrochen. Meistens brechen sie die Schule ab, weil ihnen der Lernstoff zu viel wurde oder sie die falsche Fachrichtung eingeschlagen hatten.
"Ein Wechsel auf die Berufsausbildung wirkt sich bei der Lehre mit 18 meist positiv auf die Schulnoten aus", weiß Simoner aus der Praxis zu berichten. Er hat die Erfahrung gemacht, dass ältere Kandidaten sicherer in ihrer Berufswahl sind: "Die sind von der persönlichen Entwicklung her schon etwas reifer und selbstbewusster. Sie wissen schon, was sie interessiert und wo sie Talente haben. Das ist bei 15-Jährigen eher weniger der Fall."
Wer nach oder während der Schulzeit in einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule eine praktische Berufsausbildung absolvieren will, dem rät Simoner bei Interesse und handwerklichem Geschick dazu, sich für einen Baulehrberuf mit 18 zu entscheiden. Auch für diejenigen, die bereits einen Beruf erlernt haben, aber in eine andere Branche umsteigen wollen, könnte eine Lehre nach dem 18. Lebensjahr interessant sein.
Gesetzlich gibt es keine Altersgrenze für Lehranfänger. "Ab einem gewissen Alter ist es vernünftiger, die Lehrabschlussprüfung im zweiten Bildungsweg nachzuholen, als von vorne eine Lehre anzufangen", gibt Simoner jedoch zu bedenken. Die Mehrzahl der Lehrlinge bei Strabag ist unter 18 Jahren, 85 der rund 360 Lehrlinge im Baukonzern sind 19 Jahre und älter und nur 16 Kandidaten bei Lehrbeginn älter als 21 Jahre.
Laut der Wirtschaftskammer Wien waren im Jahr 2011 rund 7.000 der österreichweit 38.457 Lehranfänger 18 Jahre oder älter. Knapp 80 Lehranfänger haben im letzten Jahr die Berufsausbildung mit beziehungsweise nach dem 30. Lebensjahr begonnen, und nur 13 waren bei Lehrbeginn 40 Jahre oder älter. Der älteste Lehranfänger war im letzten Jahr übrigens 51 Jahre alt. Auch für eine Lehre ist es also nie zu spät. (Güler Alkan, derStandard.at, 15.10.2012)
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Müsste man definieren was "bringt mehr" bedeutet. Kommt mMn sehr (auch wenns natürlich nicht fair ist) auf die Unterstützung und den Status der Eltern/Verwandtschaft usw. an. Viele werden ja schon sehr früh aufs Studium vorbereitet (weils einfach so üblich ist, von den Eltern gewünscht usw.) und da ist ne AHS schon ok (wobei ich ne HTL für sinnvoller halte, wenn nicht gerade der Weg zum Jus oder Medizinstudium vorgezeichnet ist). Lehre in vielen Bereichen ist natürlich auch toll, nur ist die Qualität der Ausbildung da überhaupt halbwegs kalkulierbar? Die meisten die ich kannte haben bei im weiteren Bekannt-Verwandtschaftsbereich der Familie gelernt und waren zufrieden. HAb aber auch schon viel negatives gehört..
Sie sind schlecht informiert.
Es ist umgekehrt. DIe haben in den ersten zwei Semestern einen kleinen Vorteil, weil sie sich (je nach HTL) ein oder zwei LVs ersparen - und nachdem's die nicht machen müssen sind's am Anfang eine Spur schneller.
Ab dann macht's keinen Unterschied mehr.
Das haben Ihnen ein paar HTL-Absolventen erklärt, die gerade angefangen haben zu studieren?
Unter den Absolventen gibt es meiner Ansicht nach keine besondere Häufung an ehemaligen HTL-Schülern.
"Stahlbezeichnungen etc" - klar, es git einzelne Fächer wo's eben ein bisschen Aufwand ersparen. Soviel ist der HTL-Stoff aber auch nicht, dass das über die ersten zwei Semester hinaus Bedeutung hätte.
Vielleicht unglücklich ausgedrückt. Ich meinte damit, dass man durch einen HTL Abschluss mehr Optionen hat (gleich arbeiten gehen; Studium unterbrechen oder abbrechen usw.) im Vergleich zur AHS. Weiters hat man Vorteile bei vielen Praktika oder/und wenn man Sowi studiert hat und später in einem Industrieunternehmen arbeiten möchte.. Das technische Verständnis schadet auch nicht wenn man am Vertrieb interessiert ist und nicht gerade Lust auf Personalvertrieb (Hays, Sthree, Robert Half usw.) hat *G*
Also auch was Wissen betrifft, kehrt das 21. Jhdt. auf den Stand des Mittelalters zurück.
Damals haben die Handwerksinnungen ihren jeweiligen Standard als Geheimnis vor allen anderen verwahrt. Erst mit dem Gesellenbrief war man berechtigt als Wandergeselle die Geheimnisse der Gilde in Erfahrung zu bringen.
Genauso, wie man die Freiheit der Universitäten und Wissenschaften durch Diskussionen der ideologischen, insbesondere der Neoliberalen (mit der Vorgabe der wirtschaftlichen Nutzbarkeit) und der sozialistischen (durch tagespolitisch orientierte Subvention), medieval in Frage stellt, stellt man Qualifikation immer mehr unter den Zwang schulischer Legitimierung, wobei die Qualität der "Wissens"vermittlung total egal ist (AMSKURSE!)
jeder "wisch" mehr, den man vorzeigen kann erhöht die chancen am arbeitsmarkt erheblich. daher finde ich die idee - auch nach der matura - eine lehre zu machen gar nicht schlecht!? ..vorallem für ahs-absolventen ist eine lehre eine option.
diese theorie-heinis versagen oft auf der baustelle bei problemlösungen...da kommt die praktische erfahrung zum tragen mein lieber...schon 100 x erlebt oder noch öfter...ich hab schon konsolen(supporte) für motoren montieren lassen die das 4x fache des darauf befindlichen motors tragen hätten können...überdimensioniert...angst ist der schlüssel
Klar - aber die Anzahl der anrechenbaren Jahre ist meist limitiert, und mit Studium + Schule haben's sowieso zu viele.
Ansonsten ist jede Qualifikation gut - aber als Akademiker werden's meist wenig aus der Lehre so nutzen können dass es einen zusätzlichen Mehrwert bringt.
gab es noch Arbeitgeber, die erkannten, ob ein Mensch Intelligent ist oder nicht. Da bracuhte man Als High School Drop Out keine Lehre machen um einen handwerklichen oder gewerblichen Beruf auszuüben. Die profitierten davon, dass man das eh schon in zwei drei Monaten drauf hatte.
Wir leben in einer Zeit der Deppen, in der jeder dahergelaufenen Alphamensch sich jemand, der nicht ein Ausbildungsunterdrückungsritual durchstehen möchte, nicht mehr antut.
Was seit ihr doch für geistige Armutschgerl!
www.seit-seid.de
lg, ein "geistiges armutschgerl"
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