Boni: Extrarunde für die Wall Street

12. Oktober 2012, 09:12
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Banker sein in New York zahlt sich immer noch aus, auch wenn die Boni an der Wall Street wieder schrumpfen dürften

Für die Luxusläden in Manhattan war es wie Weihnachten, wenn an der Wall Street Zahltag war. Gehalts- oder Bonusscheck eingelöst, ging es schnurstracks zum nächsten Ferrari-Händler oder zum Juwelier. Man gönnt sich ja sonst nichts. Heuer dürfte das Extrageld bei den Bankern aber nicht so locker sitzen. Die Boni werden voraussichtlich das zweite Jahr in Folge schrumpfen, berichten US-Medien.

Seit das Zündfeuer für die noch immer andauernde Krise direkt aus dem Zentrum der finanziellen Hochburg aufflammte und damit das Kartenhaus der Finanzbranche abfackelte, hat sich die Welt der Banker etwas verändert. Die Zeit berechnet man seit 2008 nur noch mit vor oder nach Lehman Brothers. Der Zusammenbruch des Investmenthauses war auch der Anfang vom Ende der goldenen Ära an der Wall Street. Wenigstens ein bisschen.

Bröckelnde Fassaden

Die Fassaden der großen Häuser, der Zentralen der Finanzmacht, glänzen zwar immer noch, doch drinnen beginnt es zu bröckeln. Im Zuge der Krise fielen an die 20.000 Jobs in New York weg. Gehälter wurden gekürzt, Boni ebenfalls.

Besonders leidtun müssen einem die Banker aber dennoch nicht, denn die Kürzungen bei Gehalt und Boni sind allenfalls kurze Leuchtfeuer des Kasteiens. Ein Wall-Street-Banker nahm 2011 durchschnittlich 121.150 Dollar (93.630 Euro) mit nach Hause. Nur als Bonus. Das durchschnittliche Gehalt (inklusive Bonus) lag bei 362.950 Dollar, was einer Steigerung von 16,6 Prozent gegenüber 2009 und 2010 entspricht und außerdem über dem Durchschnittsgehalt vor 2007, also vor Ausbruch der Finanzkrise, liegt.

Weniger im Bonus-Pool

Laut den jüngsten Zahlen des Rechnungsprüfers des US-Bundesstaates New York, Thomas DiNapoli, wird sich der sogenannte Bonus-Pool der Wall-Street-Banken für heuer verkleinern. Wie eine Analystin unlängst in einem Interview mit Bloomberg TV meinte, würden die Wall-Street-Banken nämlich lieber die Boni kürzen als weiter Stellen streichen.

Für 2012 geht der New Yorker Rechnungsprüfer von einem Gesamtgewinn der Branche von 15 Milliarden Dollar aus. Allerdings sind das nur Prognosen, die weiteren Entwicklungen in der Eurokrise oder der Weltwirtschaft könnten dem vorausgesagten Gewinn noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Sparen

Große Wall-Street-Banken wie Goldman Sachs oder Bank of America mussten schon massiv sparen. Skandale an mehreren Ecken und Enden helfen dem Image der Banker auch nicht auf die Sprünge. Verzockte Milliarden bei JPMorgan, eine verlustträchtige Computerpanne beim US-Aktienhändler Knight Capital Group oder der Libor-Zinsskandal lassen exorbitante Boni in ein noch schieferes Licht rücken.

Auch in der Branche weiß man um das miese Image der Banker Bescheid. So meinte der Morgan-Stanley-Chef James Gorman gegenüber der Financial Times, die Bezahlung sei zu hoch. Und es gäbe immer noch zu viele Investmentbanker. Weitere Stellenstreichungen schließt Gorman nicht aus.

Bonus-Zahltag ist jedenfalls üblicherweise im Jänner. Dann werden die Luxusläden New Yorks sehen, ob für sie nach Weihnachten noch einmal Weihnachten ist. (Daniela Rom, derStandard.at, 12.10.2012)

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    Happy Hour an der Wall Street: Bonuszahlungen für Banker gehören zum Verdienst dazu, für 2012 dürften die Extrazahlungen etwas geringer ausfallen.

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