Rechtsextreme wollen mit "Hardbass" Jugendliche rekrutieren

11. Oktober 2012, 05:30
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Aus Russland stammende Musikrichtung ist auch bei tschechischen Neonazis populär

Von den Medien weitgehend unbeachtet versuchen europäische Rechtextremisten, die Aktionsform des Flashmobs (über soziale Netzwerke organisierte "spontane" Massenaufläufe) für ihre Zwecke zu verwenden. Als Soundtrack dient ein russischer Techno-Song mit einschlägigem Refrain.

Beim Betrachten eines Youtube-Videos der Aktion fällt der monotone Rhythmus auf, zu dem Angehörige einer rechten Floridsdorfer Jugendgruppe tanzten, als sie eine "Tanz für Toleranz"-Veranstaltung der Caritas am Schlingermarkt störten (derStandard.at berichtete).

Russischer Text

Die vermummten Jugendlichen, die beim Tanzen vor der Al-Azhar Vienna International Islamic School ein "Reconquista"-Schild in die Höhe hielten, orientieren sich an russischen Vorbildern: Der bei sogenannten "Hardbass-Flashmobs" populärste Song ist "Мы хард басс в ваш дом приносим 1488" - "Wir bringen Hardbass zu dir nach Hause - 1488".

Der Zahlencode 14 bezieht sich auf zwei Slogans des US-Neonazis David Eden Lane, die aus jeweils 14 Wörtern bestehen, die Doppel-Acht bezieht sich auf Lanes "88 Gebote", steht aber auch für zweimal "H", den achten Buchstaben des Alphabets, und soll den Hitlergruß darstellen.

"Hardbass" in Ostrava

Mittlerweile gibt es auf Youtube Dutzende Videos, in denen junge Männer zu "Hardbass"-Klängen durch die Innenstädte osteuropäischer Metropolen tanzen. Neben Russland ist die Bewegung auch in Tschechien aktiv, besonders in Prag und der Industriestadt Ostrava. Auch in Deutschland, Frankreich und Spanien wurden bereits "Hardbass-Flashmobs" veranstaltet.

Dass es den "Hardbass"-Anhängern entgegen ihren Beteuerungen nicht nur um drogenfreies Tanzvergnügen geht, ist an den Schildern abzulesen, die sie auf ihren Kundgebungen in die allgegenwärtige Kamera halten: So hüpfen die "Nationalen Sozialisten Rostock" mit "Demokratie = Volkstod"-Tafeln durch die Fußgängerzone, die katalonischen "Identitären" des "Casal Tramuntana" demonstrieren in Kuh- und Superman-Anzügen gegen "Hass und Intoleranz der Linksextremen", und bei osteuropäischen "Hardbass-Flashmobs" wird auch gern der Hitlergruß gezeigt.

Ältere Rechtsextremisten sind von "Hardbass" nicht gerade begeistert: In einschlägigen Foren wird erbittert gestritten, ob es sich bei elektronischer Tanzmusik um ein geeignetes Mittel zur Rekrutierung Jugendlicher oder doch um "Negermusik, die der weißen Rasse nicht würdig ist", handelt. (red, derStandard.at, 11.10.2012)

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