Ich bin wieder Studentin!

Blog | Tanja Paar
11. Oktober 2012, 10:19
  • Der neue Studentenausweis ist erstellt, es kann losgehen.
    foto: derstandard.at

    Der neue Studentenausweis ist erstellt, es kann losgehen.

  • Warteschlange beim Inskribieren.
    foto: apa/neubauer

    Warteschlange beim Inskribieren.

Journalistin Tanja Paar geht mehr als zehn Jahre nach ihrem Abschluss wieder an die Uni und studiert Informatik

"Arbeitest du eigentlich überhaupt noch irgendwas?", fragt mein elfjähriger Sohn. Die Antwort ist Ja. Ich surfe zum Beispiel aufgeregt auf der Homepage der Universität Wien. Welche der angeführten Bestimmungen bezüglich der verpflichtenden Online-Inskription trifft auf mich zu? Keine, wie sich herausstellt. Ich bin der seltene Fall, der hier bereits erfolgreich ein Studium abgeschlossen hat und mit 41 Jahren im Rahmen einer Bildungskarenz an die Uni zurückkehrt.

Nach einem Anruf bei der Infostelle der ÖH ist klar: Ich brauche keine Online-Inskription, sondern nur persönlich zur Zulassungsstelle gehen, mitzubringen sind das Studienbuch und der Studentenausweis. Leichter gesagt als getan - wer zum Teufel erinnert sich nach einem Dezennium noch, wo das verflixte Studienbuch geblieben ist? Nimmt die Zettelwirtschaft denn nie ein Ende? Sollten derartige Informationen nicht längst digitalisiert sein?

Sie sind es, wie sich später herausstellt. Wer noch nicht derart dement ist, dass er seine Matrikelnummer nicht mehr weiß, ist im Uni-System auffindbar. Nächstes Problem: Der Studentenausweis ist ein Dokument. Ja, ihr Menschen da draußen, die ihr das noch nicht wisst und leichtfertig damit umgeht - ihr werdet es bereuen. Spätestens wenn ihr wie ich eine Verlust- oder Diebstahlsanzeige herbeischaffen müsst. Kein Ausweis, keine Inskription. 

Wirklich blöd, dass ich glaube, meinen Ausweis damals zerschnitten zu haben, um das Geld für neue Passbilder zu sparen - aber ich kann mich auch irren, es ist so lange her. "Herr Inspektor, Herr Inspektor, mir haben's meinen Studentenausweis gestohlen." Unwürdig, und das in meinem Alter. Der diensthabende Beamte zuckt freundlicherweise nicht mit der Wimper und nimmt meine Diebstahlsanzeige gelassen entgegen. 

Bei der Zulassungsstelle vor dem Audimax lungern die jungen und auch ein paar ältere Menschen herum wie eh und je. Ich ziehe die Wartenummer 33, liege also gut im Rennen, das frühe Aufstehen um 6 Uhr hat sich ausgezahlt. Der große Andrang an Menschen wird durch das Audimax gelotst, wo man nicht auf dem Boden sitzen muss, dann wird in 20er-Blöcken abgefertigt. Die Infos sind auch auf Englisch angeschrieben, das hat es vor 20 Jahren hier noch nicht gegeben. 

Eine freundliche junge Frau nimmt meine Daten auf, den ÖH-Beitrag von 17,50 Euro muss man mit Bankomatkarte bezahlen. Ich kann gar nicht fassen, wie billig mein Studium der Informatik ist: Kennzahl 033521 Bachelor, Studiendauer sechs Semester. Jetzt habe ich es schriftlich: Ich bin wieder Studentin. (Tanja Paar, derStandard.at, 11.10.2012)

Tanja Paar, geb. 1970, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Graz, Wien und Lausanne. Nach journalistischen Aufenthalten bei "Falter", "Trend" und "Profil" ist sie seit zehn Jahren Redakteurin des STANDARD. Nun kehrt sie an die Uni zurück und studiert Informatik an der Universität Wien.

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der beste beweis dass studiengebühren notwendig sind

""Herr Inspektor, Herr Inspektor, mir haben's meinen Studentenausweis gestohlen." Unwürdig..."

Warum dann nicht einfach eine Verlustanzeige anstatt die Polizei anzulügen?

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube die Verlustanzeige kostet mehr. ;)

Fortschritt

Es würde mich brennend Interessieren wie es Ihnen bei dem "neuen" Studium geht - nicht zuletzt weil ich selber Informatik studiere :) Vergleich technisches studium vs. geisteswissenschaftliches, vergleich Uni heute vs. Uni früher.

:)

alles gute zum geburtstag

Ja solange niemand darunter leiden muss. Meine Geschichte ist - eine Frau mit 2 Kindern und sie denkt ich gehe Studieren (ca. 700 Euro von WAFF erhällt sie 10x im Jahr). Ich als Mann sage ja dazu, solange das Finanzielle passt. Und das hat es nicht, aber nicht nur das Finanzielle, sondern auch die Liebe und das sie sich nicht um die Kinder gekümmert hatte. Ich bin vollzeit arbeiten gegangen. Sie sperrte sich ins Schlafzimmer ein, weil sie ja lernen muss, somit hatte ich die Kids und die Wohnen zusätzlich erhalten. Gerade mal einmal Sex in 2 Wochen war ihre Belohnung an mich. Nun sind wir schon 2 Jahre geschieden und sie? sie macht ihren Master. Bravo!

Also wenn man Ihre Postings liest, kann man rsasch erkennen, wo das Probelm an Ihrer Beziehung war.

Solange Ihre Frau also ausreichend Geld heimbringt, und Ihnen ausreichend für Sex zur Verfügung steht, und den Haushalt + Kinder schupft - dann darf sie dann in ihrer übrigen Zeit vielleicht machen was sie will? Kein wunder, dass die auf Sie gerne verzichtet hat.

hat mich interessiert, was sie sonst so schreiben.

"Also wenn man Ihre Postings liest, kann man rsasch erkennen, wo das Probelm an Ihrer Beziehung war."

weil nicht sein kann, was nicht sein darf. wenn man ihre postings so liest...

Naja...unabhängig seiner Bedürfnisse oder der Vorstellung von Ehe:

wenn man heiratet und zwei Kinder bastelt muss man sich im Klaren sein, dass der weitere berufliche wie persönliche Weg auf min 2 Jahrzehnte bestimmt und eingeengt ist.

Minderwertigkeitskomplexe, Karriereplanung und Lebensplanung sollte man halbwegs durchdacht hben, bevor man eine Familie gründet.

Das Leben ist dynamisch, viel verändert sich.

Sie können also auf 20 Jahre vorhersagen, welchen Job Sie haben werden? Und WIe Ihr Einkommen sein wird?

Das ist doch gelogen, oder eine grobe Selbsttäuschung.

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Kinder sind ja kein Klotz am Bein der verhindert dass man sein Leben weiter lebt. Man kann weiter arbeiten, weiter studieren, weiter reisen, ... Sein Problem war ja die Beziehung, nicht das Studium per se. Andere schaffen's auch.

Und wie um Himmels willen hätte er seine durch das zukünftige Studium der Frau entstehenden Minderwertigkeitskomplexe vorhersehen sollen? So clever in Beziehungsangelegenheiten scheint er ja auch nicht zu sein, sonst würd er nicht sowas posten.

Btw, aus eigener Erfahrung:

habe diesen Spagat (Job, Studium) auch versucht (keine Kinder) und es hat mich die Frau gekostet, weil einfach nie für irgendwas Zeit war.

Wenn Kinder da sind, muss man gut überlegen was man tut, denn es geht hier nicht um einen 3-Monatskurs beim WIFI.

Ich hab mehrere Abschlüsse und einige zeitaufwendige Zusatzqualifikationen - und Frau und Kinder sind noch da.

Und ich kenn auch sehr viele andere die nebenbei studieren oder studiert haben und nicht geschieden sind - und es gibt auch jede Menge Leute die geschieden sind, ganz ohne dass einer der Parnter studiert hat.

Das Studium ist ja nur einer von vielen Faktoren.

Kinder sind kein Problem, sondern eben Teil des Lebens.

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In der Regel sind es jene bei denen es nicht geklappt hat die Schreiben "geht nicht".

Der richtige Schluss wäre: Die Beziehung klappt bei vielen, und bei anderen nicht. Mit und ohne Studium.

"Ich hab mehrere Abschlüsse und einige zeitaufwendige Zusatzqualifikationen - und Frau und Kinder sind noch da."

beati possidentes

Das bringt den Unterschied gut auf den Punkt --> Darin liegt Ihr Gedankenfehler: Familie ist kein Besitz.

Und Weiterbildung ist auch ein Prozess, kein Besitz von Diplomen.

Schau, was du schreibst kann man auch negativ auslegen:

deine Frau + Kinder sind noch da, weil das Interesse an der gemeinsam Zeit nicht vorhanden ist.
Wenn du mehrere Abschlüsse + Zusatzqualis neben dem Berufs- und Familienleben untergebracht hast, bist du entweder ein organisatorisches Genie oder zu Hause selten vermisst.

Nicht, dass ich dir das unterstellen möchte: man kann die Lage eben so oder anders interpretieren, je nach dem, wie man es sehen will.

Klar dass Sie zynisch sind - Bei Ihnen hat's ja nicht geklappt.

Nennen wir es organisatorisches Genie. Zeit mit der Familie hab ich denk ich überdurchschnittlich viel.

Wie?
Neben einen normalen Job (Vollzeit) Studien oder längere Kurse machen + Zeit für Familie und Frau in ausreichender Form?

Irgendwos moch i foisch... ^^

Möglicherweise.

MAn studiert ja nicht ein Leben lang nebenbei.
Und Zusatzausbildungen mach ich in der Arbeitszeit.

Eben über die Jahre verteilt.

Tip: Die Kinder schlafen in der NAcht sowieso. Anstrengend ist es natürlich schon.

Glückwunsch.
Dann hast du das a) sehr gut organisiert und b) eine verständnisvolle Familie.

Stimmt beides.

Wobei b auf Gegenseitigkeit beruht. Wie sowas eben ist.

Na, man kann genau gar nix vorhersagen, das ist schon richtig.

Allerdings:
is man verheiratet und hat Familie, hat man diese Wünsche zurückzustecken oder so anzupassen, dass es für beide Partner erträglich ist.

Die Familie an die Wand zu fahren, nur weil man es versäumtes nachholen will, halte ich für ziemlich egoistisch.

Offensichtlich haben Sie's aber gemacht?

Und meine Familie hat es sehr gut verkraftet und profitiert davon.

Ich sehe das Studium eher als Indikator dafür, wie gut die Beziehung ist oder eben nicht war - wenn Sie's doch so direkt korrelieren wollen.

Die Frage ist ja nicht Studium ja/nein - sondern wie Sie mit den damit verbundenen Veränderungen Umgehen.

Bewusst aber nicht, mir is nur irgendwann aufgefallen, dass die Frau weg war... :-/

Den Indikator kann man so nicht stehen lassen, wenn du mich fragst.
Denn es geht aucdh darum, was der Partner, der "leiden" muss, davon erwartet.
Es kann um Geld gehn, es kann um die Tatsache gehen, dass der andere honehin mehr Zeit für sich will, es kann auch darum gehen, dass man den Hausfreund bumst, während der Mann sich den Ar*** für die Familie aufreisst. :-)

Ich schreib ihr Posting ihrem Frust zu.

Jetz´ sei net so uncharment, herst! ;-)

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