Bittersensor löst Abwehrreaktion auf Bakterien aus

Genetische Unterschiede bei Menschen könnten unterschiedliche Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen erklären

Washington - Ein einfacher Geschmackstest könnte zukünftig verraten, wie anfällig jemand gegenüber Schnupfen und Erkältungen ist. Denn unser Körper erkennt Krankheitserreger in den Atemwegen über einen Sensor für den bitteren Geschmack, haben US-Forscher herausgefunden. In Nase und Rachen eingedrungene Bakterien geben demnach spezifische, von diesen Sensoren registrierte Chemikalien ab. Diese lösen die Abwehrreaktion der Schleimhäute aus: Schleim und antibakterielle Substanzen werden abgesondert und die feinen Härchen der Atemwege transportieren die darin eingehüllten Bakterien ab.

Über die Atemluft gelangen ständig Fremdkörper und auch Krankheitserreger in unsere Atemwege - in den meisten Fällen reiche die erste Abwehrreaktion der Schleimhäute bereits aus, um solche Eindringlinge zu beseitigen, erklären Robert Lee von der University of Pennsylvania und seine Kollegen.

Abgeschwächte oder ausbleibende Reaktion

Funktioniert dieser Bittersensor nicht richtig, wie es bei einigen Menschen der Fall ist, dann bleibt diese Reaktion aus oder ist abgeschwächt. Diese auf Genvarianten beruhenden Unterschiede könnten erklären, warum manche Menschen anfälliger für Erkältungen sind als andere, berichten die Forscher im Fachmagazin "Journal of Clinical Investigation".

Nach Ansicht der Forscher könnten die neuen Erkenntnisse einen ganz praktischen medizinischen Nutzen haben: Man könne sehr einfach durch einen Geschmackstest herausfinden, ob ein Mensch voll funktionsfähige Bittersensoren besitze oder nicht. "Das Ergebnis dieses Tests könnte dann anzeigen, ob dieser Patient besonders anfällig für bakterielle Atemwegsinfektionen ist und daher eine stärkere Therapie benötigt als andere", schreiben die Wissenschafter. (APA, 14.10.2012)

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