"3" und "T-Mobile" setzen auf ZTE und Huawei

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T-Mobile: "Keine konkreten Hinweise auf Sicherheitslücken" - Huawei seit Jahren in den Kritik

Die beiden heimischen Mobilfunker "3" und "T-Mobile" setzen Technik der chinesischen Firmen ZTE und Huawei ein. Beide sind Hersteller von Netzwerk-Komponenten, die für den Betrieb von Mobilfunknetzen notwendig sind. 

"Gefahr"

Aus Furcht vor Spionage warnt der Geheimdienstausschuss des US-Kongresses nun vor den beiden Unternehmen: ZTE und Huawei seien "eine Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Systeme". Zusammenschlüsse mit US-Firmen sollten verhindert werden, wurde empfohlen - der WebStandard berichtete.

"Die Sicherheit und Integrität unserer Produkte ist weltweit bewiesen"

Echte Beweise für seine Beschuldigungen konnte der Ausschuss allerdings nicht auf den Tisch legen. Huawei hat amerikanische Vorwürfe zurückgewiesen, wonach das Unternehmen als potenzielle Gefahr für die USA gesehen wird. "Die Sicherheit und Integrität unserer Produkte ist weltweit bewiesen", hieß es in einer Erklärung.

Die Deutsche Telekom, die Mutterfirma von T-Mobile, hat in einer Stellungnahme auf die Vorwürfe reagiert. Diese wurde auch im Blog von T-Mobile Austria veröffentlicht. Darin betont das Unternehmen, dass man Warnungen des US-Kongresses "grundsätzlich ernst nehme", aber keine "konkreten Hinweise auf Sicherheitslücken in einzelnen Produkten vorliegen". "3" betont, dass man seitens ZTE "keinerlei Anzeichen für irgendwelche nachrichtendienstlichen Tätigkeiten feststellen konnte und man keinen Anlass habe, an der Integrität unseres Lieferanten zu zweifeln."

Huawei ist das erste multinationale Unternehmen aus China, das westliche Technologiekonzerne auf ihren Heimatmärkten schlägt

Seit Jahren wird Huawei besonders mit Misstrauen begegnet. "China ist kein Verbündeter eines der entwickelten Länder, sondern ein potenzieller Rivale", sagt David Wolf, Autor eines Buches über Chinas Telekommunikationsmarkt und Gründer des Beratungsunternehmens Wolf Group Asia (WGA). "Damit fühlen sich die Leute nicht wohl - und es öffnet Wettbewerbern und opportunistischen Politikern die Tür, Angst, Ungewissheit und Zweifel zu streuen." Huawei ist das erste multinationale Unternehmen aus China, das westliche Technologiekonzerne auf ihren Heimatmärkten schlägt. 

"Totschlagargument"

In den USA, in Australien, Frankreich und in Deutschland wurde Huawei bereits wegen nicht näher erläuterter "Sicherheitsbedenken" mehrmals von Geschäften ausgeschlossen. Unternehmenskreise sehen ein "Totschlagargument". So hatte das Deutsche Forschungsnetz (DFN) den Auftrag für den Ausbau seines bisher mit Huawei betriebenen Wissenschaftsnetzes doch lieber an ein israelisches Unternehmen vergeben. Huawei wurde aus formellen Gründen gar nicht erst zur Ausschreibung zugelassen, doch inoffiziell beschieden, "die Sicherheitsanforderungen nicht zu erfüllen", wie es hieß.

Erfolg


Weltweit operiert Huawei mit 146.000 Mitarbeitern in mehr als 150 Ländern. Der Umsatz des größten chinesischen Privatunternehmens stieg 2011 um 11,7 Prozent auf 203 Mrd. Yuan (26,1 Mrd. Euro) - zwei Drittel davon im Ausland. Huawei expandiert in Smartphones und Tabletcomputer, will dieses Jahr 15 bis 20 Prozent wachsen. 45 der 50 größten Telekom-Netzwerke der Welt arbeiten heute mit Ausrüstung von Huawei.

Globale Lieferketten

Die Verdächtigungen erscheinen unabhängigen Experten angesichts globaler Lieferketten auch nicht mehr zeitgemäß. Alle großen Telekom- und Informationstechnologiefirmen - selbst die Konkurrenten Ericsson, Cisco und Alcatel-Lucent - lassen heute in China fertigen, ohne dass jemand Sicherheitsprobleme befürchtet, wie die US-Denkfabrik American Enterprise Institute (AEI) in einer Studie zu Huawei hervorhebt. In Zeiten weltumspannender Informationsnetze, wo Hackerangriffe genau wie Industriespionage keine Grenzen kennen, sind "Freund" und "Feind" ohnehin nicht mehr so auseinanderzuhalten wie noch im Kalten Krieg.
Huawei wird gerne unterstellt, Beziehungen zum chinesischen Militär zu unterhalten. Dafür wird allein auf den Gründer Ren Zhengfei verwiesen, der einst als leitender Ingenieur in der Volksbefreiungsarmee tätig war und 1982 als Delegierter in den Volkskongress aufgenommen wurde. Er verlies 1983 die Armee, als sein Ingenieurcorps aufgelöst wurde, arbeitete erst für eine Ölfirma und machte sich dann 1987 selbstständig und gründete Huawei.

"In meinen Recherchen habe ich nicht ein einziges Mal direkte Verbindung zum Militär gefunden."

In den 90er Jahren war das Unternehmen mit robuster Ausrüstung auf dem Lande erfolgreich, während westliche Telekom-Riesen in Chinas Städten den Markt kontrollierten. Gerade die Distanz zur Regierung gilt als sein Erfolgsrezept. Huawei ist auch nicht an der Börse, sondern gehört zu 98,5 Prozent seinen Mitarbeitern, die Anteile halten. "Niemand hat jemals einen Beweis geliefert, dass Huawei irgendwie in Militärtechnologie verwickelt ist", so ein Huawei-Sprecher. Auch Experte Wolf stellt fest: "In meinen Recherchen habe ich nicht ein einziges Mal direkte Verbindung zum Militär gefunden." (sum/APA, 10.10. 2012)

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