Martinz sieht sich als Bauernopfer der ÖVP

10. Oktober 2012, 13:30

Ehemaliger Kärntner Parteichef vergleicht Verfahren mit Hexenprozessen

Wien - Der in der Causa Birnbacher nicht rechtskräftig verurteilte ehemalige Kärntner ÖVP-Obmann Josef Martinz sieht sich als "Bauernopfer" seiner Partei. "Plötzlich war da wer, auf den man all die Aufmerksamkeit schieben konnte", sagt er im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "News" und geht dabei hart ins Gericht mit seinen ehemaligen Parteifreunden. Auch dass sich die ÖVP in kurzer Zeit entschuldet habe, macht ihn skeptisch.

"Ich kann mir beim Rasieren jeden Tag in die Augen schauen und mit dem kommunizieren, der mir da aus dem Spiegel entgegenblickt", so Martinz, der am 1. Oktober im Landesgericht Klagenfurt in erster Instanz wegen Untreue zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Sein Anwalt legte umgehend Berufung und Nichtigkeit ein. "Überdrüssig war und bin ich nicht. Aber ich muss jetzt kämpfen, weil ich nicht für immer als Prügelknabe der Nation dastehen will", meint Martinz nun.

Martinz kritisiert Richter Herrnhofer

Auch den Ablauf des Strafprozesses kritisiert Martinz. Richter Manfred Herrnhofer habe versucht, dem Beschuldigten immer wieder strafmildernde Geständnisse einzureden, die aber nicht der Wahrheit entsprochen hätten. "Bei den Hexenprozessen ist die sogenannte Hexe ja immer gefragt worden: 'Sagst du dich los, bekennst du deine Schuld?'", fühlt er sich an dunkle Zeiten erinnert.

Martinz, der nach dem belastenden Geständnis des Steuerberaters Dietrich Birnbacher aus der ÖVP ausgetreten war, kritisiert auch seine ehemalige Partei. Dort sei man der Meinung gewesen, "man wäre durch meine Ausgrenzung ein Problem los". Und weiter: "Ich sollte das Bauernopfer der ÖVP sein."

Zum Thema Parteispenden meint Martinz: "Vor der Wahl sind Sie über jede finanzielle Zuwendung froh. Wenn ich höre, dass sich die Bundesparteien über Nacht entschuldet haben, frage ich mich schon, wie das geht." (APA, 10.10.2012)

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Bauernopfer der övp

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Was soll er tun? Würde er tatsächlich auspacken und seine korrupten Brüder damit in die Pfanne hauen, riskiert er zwanzig und mehr Jahre Haft, so wählt er das kleinere Übel und bekommt wahrscheinlich auch noch eine kleine Prämie dafür.

Auch dass sich die ÖVP in kurzer Zeit entschuldet habe, macht ihn skeptisch.

Das ist ihm vorher nicht aufgefallen?

Wofür hat er dann die 60.000,-- kassiert?

SSKM

Herr Martinz:
1. Sie hätten die Deal nicht eingehen müssen
2. Sie hätten das Geld nicht nehmen müssen
3. Sie hätten Ihr Wissen zum System Haider auspacken können
4. Sie hätten nicht lügen müssen
5. Sie hätten gestehen können
All das haben Sie nicht getan. Also heulen Sie jetzt nicht rum.

Vorbild Strasser: was bedeutet das?

martinz hat ja ua. ausgesagt, ernst Strassers vorgangsweise in niederösterreich sei ihm vorbild gewesen, er habe sich bei seinem finanzmodel etc. daher gar nicht so viel gedacht, so ungefähr. meine bitte: ich bin berufsjournalist und suche, was das genauer bedeutet. wenn hier jemand mitliest, der näheres weiß, bitte ich um kontaktaufnahme über mein leserprofil hier (tel.+mail). anonymität zugesichert, jedes gespräch völlig unter dem schutz der journalismusgesetze.

Dieser weinerliche "politische Pausenhugo" ...

hat bis zum letzten Moment im Prozess die Chance auf Milderungsgründe durch ein umfassendes Geständnis gehabt. Wenn er fälschlicherweise andere Malverssationen und Personen deckt, dann ist ihm nicht zu helfen, bzw. wird er wohl wissen, wo dier "Wert" seines Handeln ist.

Wenn er jetzt glaubt, die ÖVP müßte ihn schützen, so sollte er eine alte Indianerregel bedenken: "Wenn Du merkst, dass Dein Pferd tot ist, hat es keinen Sinn es weiter zu füttern!" Ob der Martinz das sinnergrefend verstehen würde? Da habe ich meine Zweifel.

Das ist das erste, was ich diesem Menschen glaube.

Er ist das Bauernopfer der ÖVP.

Einer Partei die praktisch nurnoch für Korruptin steht.

pack halt aus, dann verzeiht man dir vielleicht... dazu gehört aber schon auch ein bissl das eingeständnis, daß man zwar vl wie "alle andern" gehandelt hat, aber es dennoch falsch war...

Martinz, hau' die falschen Freunde in die Pfanne, bitte!

solange der spiegel beim rasieren in einer zelle hängt, kann er von sich halten, was er will...

Dieser ehemalige Politiker geht einen Schritt weiter, er gibt eigentlich alles zu, ist aber seiner Meinung nach trotzdem unschuldig ............. Bitte Justizia schau herunter und gib ihm das was ihm zurecht zusteht und auch all den anderen die den Kragen nicht voll kriegen

Muss unangenehm sein, wenn man der einzige in der ÖVP ist, der für etwas eingesperrt wird, was eh jeder von denen macht. Trotzdem kein Mitleid. Vielleicht würd er sich besser fühlen, wenns den Pröll und den Tiroler Gendarmen auch einsperren würden.

Er hat zwar recht...

.... denn die 60.000 die über ihn gelaufen sind, sind sicher nur ein unbedeutender Bruchteil der Beträge, die über Kick-Back Zahlungen bei der ÖVP gelandet sind...

... aber... ihn hat man erwischt... und er war nicht geständig. 5 Jahre sind das mindeste für so jemanden...

Wenn er mithilft bedeutendere Fälle ans Tageslicht zu bringen... und so tätige Reue zeigt... hielte ich eine Strafmilderung für angebracht. Für den Versuch Korruption als Kavaliersdelikt darzustellen sollte er aber noch mal 5 Jahre extra bekommen.

Schöner hätte ich es nicht ausdrücken können.

Ach herrjeh,

ist das eine traurige Figur! Jammerlappen!

Na, wer wird denn da so Wehleidig sein ? Beim nehmen hatts ja auch nicht so weh getahn, oder ?

Wenn man mit dem Feuer spielt, kann man sich verbrennen, wie ein Sprichwort sagt. Hat er wirklich geglaubt, dass gerade er ungeschoren davor kommt. Ich weiß nicht muss man soooo sein um Politiker zu werden. Dann Dankeschön!!!!

Armer Bub.....

Einmal musste ja der Schuss vor den Bug kommen und Martinz war eben gerade im Visier; eine Menge von diesen Typen laufen noch frei herum, Zeit für die Justiz all diese offenen Fälle (ohne Weisung der Ministerin) aufzuarbeiten.
Wenn das geschieht, ist Martinz nicht mehr einsam im Häfen.

Wer wissen möchte, wie es bei den Hexenprozessen

tatsächlich abgelaufen ist, der möge das lesen:
Friedrich v. Spee, Cautio Criminalis

Nach dieser Lektüre wird jedem vernünftigen Menschen klar, wie komplett daneben Herr Martinz ist.

Sittenbild

Diese Einstellung halte ich zugleich für alarmierend und bezeichnend für die Selbsteinschätzung weiter Teile unserer politischen "Klasse":

Einsicht in eigenes Fehlverhalten, Unrechtsbewusstsein - Fehlanzeige. Die Justiz, die endlich beginnt zu arbeiten, ist böse. Der Vergleich mit Hexenprozessen einfach absurd. Ähnlich Wehleidiges hört man ja immer wieder, von Vertretern fast aller Parteien, vor allem aber aus einer bestimmten Ecke.

Ich hoffe sehr dass dieser Prozess den Beginn eines Umdenkprozesses bei diesen Leuten markiert. Fehlverhalten darf nicht unter den Tisch fallen. Allein mir fehlt der Glaube...

Wer selbst kein intaktes Rechtsbewusstsein hat und nicht weiß, wie weit er gehen darf beim Parteigehorsam ist aber sowas von nicht bedauernswert!!!

Und / oder beim Gehorsam gegenüber seinem ehemaligen Koalitionsführer!

So jemand soll sich schon aus spezial- und generalpräventiven Gründen extremst verfolgt fühlen.

Naja, in diesem Verein hat er ja nur die Auswahl zwischen Bauernopfer und Beamtenopfer.
Der arme Tropf wird wohl nach Absitzen seiner Strafe schwer resozialisierbar sein mit diesem Schuldverständnis.
Warum wollt er denn gleich die 60.000 dem Richter auf den Tisch legen?
Alternativ zur Haft könnte man sich ja eine langjährige Therapie überlegen.

10.10.2012, 15:56
eine Beleidigung der vielen unschuldig verbrannten Frauen

Und?

Mag ja sein, aber war da nicht noch so was mit "Untreue" oder so?! Eigenes strafbares Fehlverhalten?

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