Martinz sieht sich als Bauernopfer der ÖVP

Ehemaliger Kärntner Parteichef vergleicht Verfahren mit Hexenprozessen

Wien - Der in der Causa Birnbacher nicht rechtskräftig verurteilte ehemalige Kärntner ÖVP-Obmann Josef Martinz sieht sich als "Bauernopfer" seiner Partei. "Plötzlich war da wer, auf den man all die Aufmerksamkeit schieben konnte", sagt er im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "News" und geht dabei hart ins Gericht mit seinen ehemaligen Parteifreunden. Auch dass sich die ÖVP in kurzer Zeit entschuldet habe, macht ihn skeptisch.

"Ich kann mir beim Rasieren jeden Tag in die Augen schauen und mit dem kommunizieren, der mir da aus dem Spiegel entgegenblickt", so Martinz, der am 1. Oktober im Landesgericht Klagenfurt in erster Instanz wegen Untreue zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Sein Anwalt legte umgehend Berufung und Nichtigkeit ein. "Überdrüssig war und bin ich nicht. Aber ich muss jetzt kämpfen, weil ich nicht für immer als Prügelknabe der Nation dastehen will", meint Martinz nun.

Martinz kritisiert Richter Herrnhofer

Auch den Ablauf des Strafprozesses kritisiert Martinz. Richter Manfred Herrnhofer habe versucht, dem Beschuldigten immer wieder strafmildernde Geständnisse einzureden, die aber nicht der Wahrheit entsprochen hätten. "Bei den Hexenprozessen ist die sogenannte Hexe ja immer gefragt worden: 'Sagst du dich los, bekennst du deine Schuld?'", fühlt er sich an dunkle Zeiten erinnert.

Martinz, der nach dem belastenden Geständnis des Steuerberaters Dietrich Birnbacher aus der ÖVP ausgetreten war, kritisiert auch seine ehemalige Partei. Dort sei man der Meinung gewesen, "man wäre durch meine Ausgrenzung ein Problem los". Und weiter: "Ich sollte das Bauernopfer der ÖVP sein."

Zum Thema Parteispenden meint Martinz: "Vor der Wahl sind Sie über jede finanzielle Zuwendung froh. Wenn ich höre, dass sich die Bundesparteien über Nacht entschuldet haben, frage ich mich schon, wie das geht." (APA, 10.10.2012)

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