"Geplante Obsoleszenz": Warum Gadgets so schnell sterben

10. Oktober 2012, 13:06

Produkte mit vorhersehbarem Verfallsdatum - Konsumentenschützer kritisieren absichtlichen "Murks"

Kaum ist die Garantie abgelaufen, werden Computer, Waschmaschine oder Outdoorjacke kaputt: Immer mehr Konsumenten glauben nicht an bösen Zufall: Zunehmend wächst die Überzeugung, dass Produkte von vornherein für eine überschaubare Nutzungsdauer entworfen wurden. Der Fachbegriff dafür ist "geplante Obsoleszenz". Gegenstrategien? Beim Händler nach Langlebigkeit und Qualität fragen, rät das Magazin "Öko-Test". Im Internet vermehren sich unterdessen Seiten mit Tipps für Reparaturen. 

Anregung zum Neukauf

Das Wort Obsoleszenz kommt aus dem Lateinischen (von obsolescere' sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen). Als einer, der die geplante Obsoleszenz praktisch erfunden hat, gilt Alfred P. Sloan. Der General Motors-Präsident ließ in den 1920er-Jahren an den Automobilen seiner Firma jährlich Stiländerungen vornehmen. Das Baujahr war am Design abzulesen, das Vorjahresmodell wirkte aus der Mode gekommen, "obsolet", die Kunden wurden zu einem vorzeitigen Neukauf angeregt und GM Marktführer. 

Plastik plus Metall

Der Grund für "geplanten Murks" sei naheliegend, meint Öko-Test: Unternehmen wollen neue Waren absetzen. Ein Beispiel: Beim Handmixer greifen Plastikzahnräder und Bauteile aus Metall ineinander. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Erstere die Zähne verlieren", kritisieren die Konsumentenschützer in der Oktober-Ausgabe. 

Minderwertige Werkstoffe

Der Einwand, die Verwendung minderwertiger Werkstoffe habe ihren Ursprung in der Geiz-Mentalität vieler Kunden, finden die Tester fadenscheinig: "Hochwertige Komponenten kosten nur wenige Cents mehr, damit würde sich fast jedes elektronische Produkt höchstens um einen Euro verteuern, aber fünf bis zehn Jahre länger halten." 

Beispiel iPhone

Es sind aber nicht immer billige Kleinteile, die für geplante Obsoleszenz sorgen. Öko-Test nennt als weiteres Beispiel das Kultobjekt iPhone: An diesem Handy suche man vergebens die Klappe, hinter der sich der Akku verbirgt. "Er ist fest eingebaut. Damit bestimmt die Lebensdauer des Akkus die Lebensdauer des gesamten Geräts. In der Regel überstehe ein Akku 500 Ladezyklen; er hält bei einem Smartphone, das alle ein bis zwei Tage ans Netz muss, also rund zwei Jahre - so lange wie der Vertrag zum Handy." Ist man technisch nicht versiert genug, ist dann der Gang zum Fachmann angesagt, der zwischen 30 und 40 Euro für den Umtausch verlangt. Besonders bei den älteren Modellen iPhone 3G und 3GS ist der Einbau relativ aufwendig - hier kosten die Akkus allein rund zehn Euro, erfuhr die APA auf Nachfrage bei Wiener Smartphone-Reparaturgeschäften. 

Selber reparieren

Viele elektrische Geräte sind inzwischen so klein und kompakt geworden, dass der Tausch ganzer Komponenten nicht vorgesehen ist. Außerdem kämen immer häufiger für einzelne Hersteller typische Bauteile zum Einsatz, die im Handel nicht erhältlich sind. Selber reparieren wird fast unmöglich. 

Mutation zu Wegwerfartikeln

Digitalkameras, Staubsauger und Bücherregale, alles mutiere zu Wegwerfartikeln, in Fernost billig hergestellt, zu Niedrigstpreisen auf den Markt geworfen, nach dem absehbaren Defekt nicht mehr reparierbar. "Dabei werden bewusst Rohstoffe und Ressourcen verschwendet", so die Konsumentenschützer. 

Öko-Zölle

Die Politik könnte Abgaben auf den Verbrauch von Ressourcen einführen und Öko-Zölle, die nicht nachhaltig produzierte Waren verteuern würden. Anderer Ansätze wären eine Verlängerung der Gewährleistungsfrist oder eine "Pflicht zur Reparatur". Ob diese rechtlich durchzusetzen wäre, sei allerdings unklar. 

Reparatur in Eigenregie

Oft rentiere sich aber einfach der Versuch, Produkte zu reparieren, doch. Auf Internetseiten wie ifixit.com werden im Kollektiv Anleitungen dafür zusammengetragen. (APA, 10.10.2012)

Links:

Öko-Test

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Multifunktionsdrucker Canon

Der Scanner verweigert die Arbeit, wenn die Druckerpatronen leer bzw. eingetrocknet sind...

Kaufen für die Müllhalde?

Piraten gegen geplante Obsoleszenz...
http://piratenparteitirol.blogspot.co.at/2012/12/k... halde.html

ESL-Lampen, die vielleicht 2000 Stunden halten und dann plötzlich tot sind,

Teure Farblaserdrucker, wo ebenfalls das Metall-Zahnrad der Walzenmotoren/Getriebe auf Plastikteile trifft, ein Bravia wo nach 2 1/2 Jahren ohne sichtbaren Grund nur mehr rotes "overcurrent"-Blinken da ist,
Handies bei denen die winzigkleine Ladebuchse nur mehr wackelt und nicht mehr lädt ...
Immerhin gibt es hier noch einen Geschirrspüler, den ich schon mal reparieren konnte (na ein Teil in der Pumpe) und einen Staubsauger, der gute 10 Jahre brav tut und wo ich nur einmal das Kabel auf die Aufrolltrommel neu auflegen mußte. Gelegentlich brauchen wir einfach wieder was zum Reparieren, Basteln, Liebgewinnen ... na fast wie die langjährigen Partner :)

ich hoffe dass 3d drucker hier zu einem neuen bewusstsein verhelfen

Versteh' die Aufregung nicht

Habe ein Notebook aus 2004 läuft noch immer prima, einen PC aus 2006 läuft ebenfalls prima, einen LCD Fernseher aus 2006 alles perfekt. Eine Heimkinoanlage aus 2006 funktioniert perfekt, usw. Ich denke, es ist sehr wichtig wie sorgsam man mit den Geräten umgeht.

Ein Handy um 600-1200 Euro, wie es z.B. bei Aplle und Samsung der Fall ist, sollte ohnedies vom Gesetzgeber mit einer velängerten Gewährleistung versehen werden.
Interessant ist, dass man oft um gute Euro die Verlängerung nachkaufen kann. Wieso dann nicht gleich eine entsprechende Gewährleistung?

Wer sich für ein Smartphone tagelang vor einem Geschäft postiert, beinahe 1000,- Euro in die Hand nimmt, sollte sich doch auch eine zusätzliche Garantieversicherung leisten können. Ansonsten empfehle ich ein simples Handy mit Wertkarte!

Akkus

Nicht wechselbare Akkus gehören sowieso verboten!

Bsp:
Braun Oral B Zahnbürste um über 100€
Nach 2 Jahren ist der Akku komplett hin, also wegschmeissen oder selbst einen Akkutausch vornehmen. Akkukosten ca. 3€, natürlich eine eigenes Format, ein bisschen löten wieder zusammenbauen und die Akkulaufzeit ist besser als im beim Original.

Ich kann zumindest zwei Gegenbeispiele dazu nennen:

1) meine alte Canon 350, die seit Ihrem Kauf noch immer gut funktioniert und

2) meine "neue" 500D, die auch schon - ich glaube vier Jahre alt ist - oft im strömenden Regen verwendet wurde, hin und wieder mit Objektiv auf den Boden fiel und noch immer wie eine eins läuft.

GM = Geplanter Murks?

(C:

Wäre interessant

was passieren würde, wenn man die Hersteller dazu verpflichten würde auch für die Entsorgung (nicht Export nach <insert 3.Welt-Land here> und das Recycling des Gerätes und seiner Komponenten aufzukommen. Importwaren miteingeschlossen.

Kaufen für die Müllhalde

http://www.youtube.com/watch?v=zVFZ4Ocz4VA

Arte HD - kaufen für die Müllhalde. Geschichte der geplanten Obsoleszenz - Glühbirne, Nylonstrümpfe, Maschinen bis zu heutigen Gadgets. Drucker die einfach den Dienst verweigern obwohl nichts fehlt, ... Recht lange aber sehr informativ.

Die Dokumentation wirft einen kritischen Blick auf die Entstehung der heutigen Konsumgesellschaft. Es wird erklärt was "geplante Obsoleszenz" ist und wie dadurch unser enormes (Wirtschafts-)Wachstum erst möglich wurde. Doch unbegrenztes Wachstum ist in einer begrenzten Welt nicht möglich, und so zeigt der Film gegen Ende Alternativen und Lösungswege auf, die uns hoffentlich eines Tages aus diesem Dilemma heraushelfen werden.

Gabs im Standard zum selben Thema

nicht schon vor einem knappen Monat ein ähnlich informatives Interview?

Was die Apple-Akkus betrifft: Diese sind besser als ihr Ruf. Mein geerbtes iPhone 3G lade ich im Basisbetrieb ca 1 Mal pro Woche auf, und beim Laptop im Dauerbetrieb war der Akkuwechsel erst nach 3 Jahren und >1000 Zyklen nötig. Und das auch nur, weil die Betriebszeit auf knapp unter 2h gesunken ist was mich persönlich angezipft hat...

Leider ist halt der technische Aspekt nicht immer der ausschlaggebende: Wie viele Leute besorgen einen Ersatzakku für ein 2 Jahre altes Handy anstatt sich mit Bonuspunkten oder Vertragserneuerung ein neues 0-Euro-Modell zuzulegen?
Regeln alleine helfen da nur bedingt. Umdenken beim Kunden wäre ebenso erforderlich.

hm

das argument, man würde nichts mehr verkaufen, ist zu kurz gegriffen. man will nicht ständig alte geräte haben, die abgegriffen sind. man will immer wieder mal erneuerung, neue features, neues design etc. aber die konzerne sind hier wohl zu gierig. mit leichtigkeit könnte man das aber gesetzlich ausgleichen. wieso tut die politik da nichts? sind ja sonst immer so vernünftig und auch pseudo-ökologisch denkend

Beim grassierenden Retrowahn

insbesondere unter den stil-/designbewussten Menschen, und der Popularität von 2nd Hand Shops wage ich das fast zu bezweifeln.

Auch achten Leute, die sich an abgegriffenen Objekten stören würden, schon zur Zeit der Benutzung auf besagte Objekte, was einen Neukauf zusätzlich verzögert.

einfach die garantiefrist auf 5 jahre verlängern, problem gelöst.

Aufgeschoben, ist nicht aufgehoben.

Bei vielen Produkten kann die geplante Lebensdauer schon mal 10 - 20 Jahre betragen.

Die Garantiefrist kann man gesetzlich nicht verlängern weil die Garantie ein freiwillige Leistung des Herstellers darstellt.

Und wenn du die Gewährleistung meinst, dann hilft dir einer Verlängerung nichts wenn es die Beweislastumkehr gibt.

sehe ich genauso!

Leider ist es politisch nicht gewollt, es wäre heute aber gar kein Problem dies auch technisch und preislich zu verwirklichen..... die meisten Dinge die bei uns kaputt gegangen sind auf defekte Kleinteile zurückzuführen, was mich u.a. von der geplante Obsoleszenz überzeugt hat!

nichtmal

bei einem wirtschaftsstudium erfährt man davon ... am ehesten noch mit produktlebenszyklus schön umschrieben. schöne neue müllhaldenwelt.

Kürzlich hats "etwas" im 15 Jahre alten Backofen zerissen. Ersatzteil wurde schon herausgesucht, kostet im einschlägigen Handel ca. 35 Euro. Der Austausch braucht zwar 2 Leute, aber das ist es wert! Das Teil läuft ansonsten ohne Probleme.

Am schlimmsten sind die HP Billigdrucker. Die sind nach dem auspacken eigentlich schon zum wegwerfen bzw. werden ganz zuverlässig immer vor bzw. nach der Garantie (1 Jahr) kaputt.

Unser Dell Monster im Büro hielt stolze 3 Wochen bei 2-3 Seiten am Tag :)

Mein HP läuft schon fünf Jahre. Bin aber auch überrascht.

www.murks-nein-danke.de

Auf der Webseite kann man Erfahrungsberichte erstellen und suchen.

Falls schon gepostet sorry für Doppelpost

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