Keine Sorgen will ich haben

Zukunftsvorsorge, Fondspläne, Lebensversicherung, Sparbücher, Bausparer oder Aktien? Auf welche Vorsorgeprodukte soll man heute setzen?

Früher setzte man fortgeschrittenes Alter mit Desinteresse für Vorsorge gleich. Doch seitdem wir älter werden und dabei lange Zeit agil bleiben, hat sich auch am Vorsorgemarkt einiges geändert. Die "Golden Ager" (Generation 50+) verlangen nach kreativen und flexiblen Möglichkeiten, den Lebensabend zu genießen - und zwar im gleichen, meist gehobenen Standard, den sie in jüngeren Jahren gewohnt waren.

63 Euro - so viel legen Herr und Frau Österreicher im Durchschnitt für "später" zurück. Vier von zehn wollen das Geld, das sie ansparen, sofort zur Verfügung haben und sich nicht lange binden. Die Zielgruppe 50+ besitzt Vermögen, aber die bislang angebotenen Lösungen sind für die "jungen Alten" wenig attraktiv.

Die gute alte Lebensversicherung

Die meisten Älteren halten neben dem klassischen Bausparen eine Lebensversicherung für das beste Vorsorgeprodukt. Jeder Dritte spart mit dem Sparbuch. Experten raten jedoch eher zu Fonds, wenn man in jüngeren Jahren bereits regelmäßig kleine Beiträge zur Seite legen will. Eine Lebensversicherung zahle sich vor allem aus, wenn man einen hohen Betrag über eine längere Laufzeit einzahlt und diesen nicht früher ausbezahlt haben möchte.

Nicht einmal jeder Fünfte setzt auf die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge. Sie hat auch im Zuge des Sparpakets 2012 deutlich leiden müssen: die Höhe der Prämie wurde halbiert und beträgt nun 2,75 Prozent zuzüglich des Zinssatzes für die Bausparförderung. Es fallen allerdings keine zusätzlichen Steuern an, wie etwa die Kapitalertragssteuer bei Fonds. Ein großes Manko der Zukunftsvorsorge für alle, die gerne flexibel über ihr Geld verfügen: Man ist zehn Jahre lang gebunden. Wer sich danach das Geld bar auszahlen lässt, muss die Hälfte der staatlichen Prämie zurückzahlen und die bislang steuerfreien Kapitalerträge mit 25 Prozent nachversteuern. Die Pensionsauszahlung ist jedoch steuerfrei, wenn man sein Geld nach Ende der Laufzeit in Form einer Rente auszahlen lässt.

Mit steigendem Alter Richtung Anleihen

Auf Aktien soll man im höheren Alter jedoch nicht unbedingt setzen, so einer der Vorsorgetipps der Raiffeisen-Versicherung. Die Faustregel: Zieht man von der Zahl 100 das persönliche Lebensalter ab, ergibt dies die optimale Aktienquote. Ein 30-Jähriger solle also laut Versicherung durchaus zu 70 Prozent in Aktien investieren, mit steigendem Alter sollte aber zugunsten von Anleiheprodukten umgeschichtet werden.

Ein großes Thema für Golden Ager ist die Gesundheit und in weiterer Folge die Pflegevorsorge. Auch wenn sich die meisten Österreicherinnen und Österreicher mit dem Thema nicht auseinandersetzen wollen, ist das Angebot groß. Schließlich wird die Wahrscheinlichkeit, später einmal ein Pflegefall zu werden, immer größer, je älter wir werden. Professionelle Pflege kostet viel Geld und die meisten wünschen sich, bis ins hohe Alter zuhause betreut zu werden. Eigenmittel, wie die staatliche und die private Pension oder das gesetzliche Pflegegeld, reichen dafür oft nicht aus. Eine Pflegevorsorge kann, je nach Anbieter, bis zum Alter von 70 Jahren abgeschlossen werden. Das Ziel ist eine monatliche "Pflegerente" auf Lebenszeit. Bei Ableben vor Eintritt der Pflegebedürftigkeit werden die eingezahlten Prämien an die Erben ausgezahlt.

Denken an die Erben

Dieser Aspekt ist für die meisten Golden Ager wichtig: Sie wollen ihr Vermögen auf ihre Hinterbliebenen übertragen und bei unvorhergesehenen Ereignissen flexibel darauf zurückgreifen. Woran sie ungern denken wollen, ist eine Bestattungsvorsorge, die jedoch von fast allen Versicherungen angeboten wird. Inkludiert sind in manchen Angeboten eine Hospizbetreuung während der letzten Tage und eine pietätvolle Abwicklung der Beerdigung. Die Kosten für eine angemessene Beerdigung betragen laut Erste Bank Tausende Euro, nicht zu vergessen die Nebenkosten wie Kirchen- und Friedhofsgebühren, Blumenschmuck, Notariatskosten sowie Trauerkleidung und die Bewirtung der Trauergemeinde.

Schlecht beraten

Der Generation 50+ ist vor allem eine umfassende Beratung wichtig. Erst kürzlich kritisierte die Arbeiterkammer Tirol, dass nicht nur die Angebote in der privaten Pensionsvorsorge mangelhaft sind, sondern auch die Begleitung der Vorsorge-Interessierten nach Abschluss des Vertrags. Viel zu schlecht beraten fühlen sich die meisten, nachdem sie eine Lebensversicherung innerhalb von wenigen Minuten unterschrieben haben. Oft werden die Verträge jahrelang nicht nachjustiert, obwohl sich die Lebensumstände geändert haben. Viele sind nach Ende der Laufzeit unzufrieden mit dem gewählten Produkt. (Karin Jirku, derStandard.at, 16.10.2012)

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