Felix Baumgartner, der erste Bullonaut

Leserkommentar |

Laut Medienberichten geht Felix Baumgartner mit dem Sprung ein großes Risiko ein, aber für was oder für wen?

Kaum ein österreichisches Medium, das in den letzten Stunden und Tagen nicht vom Red Bull Startos Projekt berichtet hat. Ein Projekt, das mit Superlativen nicht geizt. Man bekommt das Gefühl, Felix Baumgartner und Red Bull erledigen die österreichische Version der Mondlandung.

Werbeaktion im Interesse der Menschheit?

Laut Medienberichten geht Felix Baumgartner mit dem Sprung ein großes Risiko ein, aber für was oder für wen? Ein paar Rekorde würde Felix Baumgartner brechen. Der höchste bemannte Ballonflug, der höchste Absprung mit Fallschirm, den längsten freien Fall und auch den schnellsten freien Fall.

Ist es das große Anliegen des Didi Mateschitz, ohne den das Ganze nicht laufen würde, diesen Sprung absolvieren zu lassen, egal was es koste? Angeblich 20 Millionen Euro für ein paar Rekorde und einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Oder 20 Millionen Euro für eine riesige Red-Bull-Werbeaktion, weil die Rekorde bis jetzt auch noch keinen Menschen in Österreich gejuckt haben.

Rekordsprung mit Mission

Servus TV und ORF1 berichten live und sämtliche österreichische Zeitungen haben Liveticker auf ihren Onlineplattformen. Seit Tagen werden wir für die Mission mit allen nötigen Wetterberichten und Informationen zum Anzug versorgt. Livebilder aus der Mission Control erinnern mich sehr an diverse NASA-Bilder.

In Deutschlands Zeitungen findet man eigentlich sehr wenig zu dem "Rekordsprung". Können die Deutschen den großen Wert für die Menschheit nicht erkennen oder sind sie sogar beleidigt, weil es kein deutscher Getränkehersteller ist, der diese außergewöhnliche Mission finanziert?

Es ist die beste Werbekampagne von Red Bull. Ein Mann im Red-Bull-Weltalloutfit, und das Ganze verpackt in eine Weltraummission. Wir müssen uns auch schon einen Namen für österreichische Weltraumfahrer überlegen. Mit großer Dankbarkeit für Didi Mateschitz bin ich für Bullonaut.

Bulle und Spiele

Red Bull, eine nicht mehr wegzudenkender österreichischer Vorzeigebetrieb. Ganz Österreich schreit, wenn eine UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) gegen den Ausbau des Red Bull Rings ist und verstehen Didi, wenn er dann nicht mehr bauen will. Einen Zustand, den wahrscheinlich auch Frank Stronach gerne hätte. Die millionenschweren Engagements in Formel 1 und Fußball lassen die Herzen der sportbegeisterten Österreicher höher schlagen. Ob Basejumpen, Motocrossfahren, Skispringen, usw., es ist überall ein roter Bulle dabei. Über das Privatleben von Didi Mateschitz ist wenig bekannt und somit auch von seinen sportlichen Vorlieben. Ich bezweifle aber, dass Didi leidenschaftlicher Basejumper, Skispringer oder Motocrossfahrer ist, ohne auf sein Alter anspielen zu wollen.

Es sind Sportarten zum Zweck. Zum Zweck, der Marke Red Bull seinen "Glanz" zu verleihen. Wenn es dabei Tote wie Ueli Gegenschatz und Eli Thompson im Rahmen von Marketingaktionen gibt, bleibt das große Medienecho aus oder verstummt nach kurzer Zeit.

Zu stolz sind wir Österreicher auf Red Bull, ein koffeinhaltiges Zuckerwasser, das Flügel verleihen soll. (Christoph Staufer, Leserkommentar, derStandard.at, 11.10.2012)

Christoph Staufer (geb. 1982) ist nach Lehre, Berufsreife und Weltreise auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld. Blog: dereinsteiger.com

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