Kinderehen "wie Sklaverei" ächten

11. Oktober 2012, 07:00
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UNO und NGOs beklagen Teufelskreis: "Kinder werden aus der Schule genommen und bekommen selbst Kinder, die sie oftmals kaum ernähren können"

Genf - Die Zwangsverheiratung von Kindern müsse "wie Sklaverei geächtet werden". Das fordern MenschenrechtsexpertInnen anlässlich des ersten Internationalen Tages des Mädchens am Donnerstag, den 11. Oktober. Jedes Jahr werden laut Angaben der Vereinten Nationen zehn Millionen Mädchen verheiratet, bevor sie 18 sind. In den schlimmsten Fällen werden Achtjährige an Männer verheiratet, die drei- oder viermal so alt sind wie sie selbst. Der internationale Mädchentag steht dieses Jahr unter dem Thema Kinderheirat.

Besonders viele Kinderehen in Südasien

Kinderehen kommen laut UNO in vielen Gebieten der Erde vor. In Südasien sind 46 Prozent der unter 18-Jährigen verheiratet, in der Region südlich der Sahara sind es 38 Prozent, in Lateinamerika und der Karibik 29 Prozent, im Mittleren Osten und Nordafrika 18 Prozent. Auch in manchen Regionen Europas und Nordamerikas gibt es Kinderheiraten.

Täglich 25.000 Kinderheiraten

In vielen armen Ländern sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen vor seinem 18. Lebensjahr verheiratet wird, weit höher als seine Chance auf einen Sekundärschulabschluss, unterstrich auch die Hilfsorganisation Care. Täglich werden an die 25.000 Mädchen verheiratet, oftmals zwangsweise und mit erheblich älteren Männern.

Mindestalter für Eheschließung auf 18 erhöhen

Eine Gruppe von UNO-MenschenrechtsexpertInnen forderte alle Staaten dazu auf, "ohne Ausnahme das Mindestalter für eine Eheschließung auf 18 Jahre" für Mädchen und Burschen festzulegen. Kinderzwangsehen könnten "weder durch traditionelle, religiöse oder kulturelle, noch durch wirtschaftliche Gründe gerechtfertigt werden". Eine Kriminalisierung allein sei aber nicht Erfolg versprechend. Deshalb sollten Kampagnen auf das Leid aufmerksam machen, das Kinderehen verursachen.

NGO beklagt "Teufelskreislauf"

Die Ursachen für die Verheiratung von Kindern sind vielfältig, berichtete Care. Viele Eltern sehen sich aus Armut dazu gezwungen. In manchen Gemeinschaften gehören Kinderhochzeiten aber auch einfach zur "Tradition", die nicht hinterfragt wird. "Es ist ein Teufelskreis", bedauerte Care Österreich-Geschäftsführerin Andrea Wagner-Hager. "Kinder werden aus der Schule genommen und bekommen selbst Kinder, die sie oftmals kaum ernähren können und darum früh verheiraten."

Diskriminierung muss ein Ende finden

Auch österreichische PolitikerInnen melden sich zum ersten Internationalen Mädchentag zu Wort. Die Diskriminierung von Mädchen und die Verletzung von deren Rechte müssen weltweit ein Ende finden. Das forderte Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP). Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wies darauf hin, dass es kein Tag zum Feiern sei.

"Besonders erschütternd ist es, wenn Mädchen der Zugang zur Bildung sowie zu anderen Menschenrechten gewaltsam verwehrt wird. Der am 9. Oktober verübte Anschlag der Taliban auf die 14-jährige Friedensaktivistin Malala Yousafzai in Pakistan, ist zutiefst erschütternd und auf das Schärfste zu verurteilen", erklärte Spindelegger in einer Aussendung.

Auftrag an alle von Heinisch-Hosek

"Mädchen und Frauen erfahren häufig Gewalt, dessen Ausmaß unvorstellbar ist. Man denke etwa an Massenvergewaltigungen, an Genitalverstümmelung, Menschenhandel oder Ehrenmorde", erklärte Heinisch-Hosek. Gemeinsam gegen diese Verbrechen anzukämpfen sei der Auftrag an alle. (APA, red, 11.10.2012)

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    Die heute 16-jährige Sapna Meena erreichte vergangenes Jahr im indischen Bundesstaat Rajasthan Berühmtheit, als sie sich weigerte, die Heiratspläne ihrer Eltern zu akzeptieren. Mit Unterstützung der lokalen Autoritäten konnte sie ihre Eltern überzeugen und wurde ein Vorbild für andere Mädchen im Dorf Badakakhera.

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