Uni-Situation: Die Katze beißt sich in den Schwanz

Gastkommentar | Jürgen Janger
12. Oktober 2012, 09:19

Besser geht's nur, wenn die Bedingungen auf den Universitäten wirklich verbessert werden

Das diesjährige Abschneiden der Österreichischen Universitäten im Times Higher Education Ranking kommt nicht überraschend, da sich an den grundlegenden Faktoren, die Österreichs Hochschulen im internationalen Vergleich zurückhalten, in den letzten Jahren wenig verändert hat.

Bei aller Kritik an den Rankings weisen Vergleiche des österreichischen universitären Systems mit anderen immer wieder auf Komponenten hin, die das Potenzial der österreichischen Wissenschaft signifikant behindern.

Allheilmittel Finanzierungsvolumen?

Die Finanzierung der Hochschulen ist relativ zur Zahl der Studierenden im Vergleich mit Europas führenden kleinen Ländern wie der Schweiz, der Niederlande oder Schweden unterdurchschnittlich. Die Erreichung eines Anteils von zwei Prozent am BIP im Jahr 2020, wie von der Bundesregierung angestrebt, wäre sicher positiv, ist aber angesichts der zu erwartenden Steigerung der Zahl der Studierenden und angesichts der teils signifikanten Budgetsteigerungen anderer Länder jedenfalls kein Allheilmittel.

Mehr wettbewerbliche Finanzierung

Deshalb sind Reformen der Vergabemechanismen der öffentlichen Gelder ein weiterer Baustein für eine erhöhte Qualität im Hochschulsystem. Im Bereich der Forschungsfinanzierung setzen viele Länder auf eine erhöhte Bedeutung wettbewerblicher Finanzierung, etwa durch Forschungsprojektförderung nach Muster des FWF in Österreich oder des ERC auf europäischer Ebene. Der Ausbau der wettbewerblichen Finanzierung findet sich sogar in der Forschung-, Technologie- und Innovationsstrategie 2020 der Bundesregierung, bisher wurden diesbezüglich jedoch nur wenige Umsetzungsschritte gesetzt. Dabei sollten sich - wie z.B. in den USA - üblich insbesondere WissenschaftlerInnen mit Festanstellung um Projektmittel bemühen, während jüngere verstärkten Zugang zu universitätsinternen Forschungsgeldern erhalten sollten.

Über Zugangsmanagement offen reden

Im Bereich der Lehre wird derzeit intensiv an einem Studienplatzfinanzierungssystem gearbeitet. Prinzipiell ist hier ein Mechanismus vonnöten, der die Betreuungskapazitäten der Hochschulen mit der Zahl der Studierenden in Einklang bringt, bei gleichzeitiger Erhöhung der Absolventenquote. Universitäten sollten wie Fachhochschulen das Recht haben, sich ihre Studierenden auszusuchen, bei besonderem Augenmerk auf die erfolgreiche Beteiligung von Studierenden aus bildungsfernen Schichten, etwa durch spezifische Unterstützung während des Studiums (Coaching, Mentoring etc.). Ein universitäres Zugangsmanagement sollte zumindest im Bereich der Masterstudien eingeführt werden, um sich auf europäischer Ebene im Reputationswettbewerb zwischen den Hochschulen behaupten zu können, der seinerseits starke Anreize für eine Verbesserung der Hochschullehre setzt.

Beide Elemente zusammen, die erhöht wettbewerbliche Finanzierung und die Finanzierung der Lehre über eine Studienplatzfinanzierung, würden die Bedeutung der Leistungsvereinbarungen als Steuerungsinstrument reduzieren.

Modernere Doktoratsmodelle

Neben Finanzierungsvolumen und -struktur spielen im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe Karriere- und Organisationsstrukturen eine wesentliche Rolle. Das traditionelle Doktoratsstudium sollte weitestgehend durch strukturierte, moderne Doktoratsprogramme ersetzt werden, nach Art der Doktoratskollegs des FWF.

Um die besten jungen ForscherInnen für Österreichs Hochschulen zu rekrutieren, braucht es die Perspektive auf frühe Selbständigkeit in der Forschung und auf eine durchgängige Laufbahn bis zum ordentlichen Professor, bei positiver Evaluierung der Forschungsleistung. Derzeit können die Hochschulen jungen Leuten keine durchgängige Perspektive vom Assistenzprofessor bis zum ordentlichen Professor anbieten, denn das österreichische Laufbahnmodell endet beim außerordentlichen Professor, aufgrund einer Bestimmung im Universitätsgesetz.

Die frühe Selbständigkeit kommt zudem mancherorts mit dem klassischen Instituts- bzw. Lehrstuhlmodell in Konflikt, das zugunsten eines flacheren Departmentmodells völlig aufgegeben werden sollte. Wenn die Universitäten mit der öffentlichen, ständig unter den Top 20 platzierten US-amerikanischen Forschungsuniversität University of California at Berkeley konkurrieren wollen, müssen sie bessere, nicht schlechtere Arbeitsbedingungen anbieten können. (Jürgen Jange, derStandard.at, 12.10.2012)

Jürgen Janger ist Wirtschaftsforscher in Wien und hat kürzlich eine umfangreiche Studie zur Situation der Hochschulen in Österreich erstellt.

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10 Postings
Die österr. Unis

haben das Problem, dass sie keine Regionalligaspiele akzeptieren. In den Leistungsvereinbarungen, Jobausschreibungen und Drittmittelvorgaben ist stets von Weltspitze die Rede.

Dass Gratkorn oder Ried ganz passable Fußballmannschaften haben ist in Ordnung, aber man würde die doch nicht mit Real Madrid oder Chelsea etc. messen. Genau das machen aber die Uni-Leitungen, das Ministerium, und all jene Leistungsvereinbarer. Jeder Mini-Prädoc-Ass-Posten wird international ausgeschrieben, AmerikanerInnen machen in Ö Karenzvertretungen, und so weiter, und Gratkorn zieht nun aus, die Champions League zu gewinnen. Hahaha.

Allheilmittel Drittmittel...

Dieser Text ist nett geschrieben, hat aber neben ein paar Fehlern ("das österreichische Laufbahnmodell endet beim außerordentlichen Professor" - es gibt keine a.o. Prof.s mehr) auch ein paar grobe Fehlschlüsse.

Für das Einwerben und Administrieren von Drittmitteln geht m.E. oft mehr Zeit und Energie drauf (nur ca. jeder 4. Antrag im Schnitt wird bewilligt, d.h. man muss 4 schreiben um 1 Förderung zu bekommen! Ganz zu schweigen von Zwischen- und Endberichten, Abrechnungen etc.) als sie im Endeffekt einbringen. Ein ERC-Grant oder START-Preis ist zwar was Tolles, aber wenn man sich Mal die Antragsmodalitäten angesehen hat, dann weiß man: das ist nur etwas für eine bestimmte Klasse von Personen, die eben solche Antragsmonster mögen...

Für Drittmittel wie ERC-Grants oder Start-Preise muss bereits eine eigene Infrastruktur und ausreichende Finanzierung derselben vorhanden sein. Dann gibt es diese Preise eventuell als Zugabe.
Ohne ausreichende Basisfinanzierung gibt es auch keine ERC-Grants oder Start-Preise.

exakt!

es wird bereits finanziertes noch stärker finanziert! auch nicht schlecht, aber nicht in jeder hinsicht förderlich.

Um den Schmarrn hervorzuheben, zwei Zitate aus dem "Artikel":

"eine erhöhte Bedeutung wettbewerblicher Finanzierung"

Anstatt den Unis mehr Geld zu geben, sollen sie also das Geld, das sie nicht haben, verwenden um miteinander zu konkurrieren...das ist wie Brot zwischen Verhungernde werfen...zum Spass der Reichen.

"Zugangsmanagement sollte zumindest im Bereich der Masterstudien eingeführt werden"

Lassen wir 1600 Leute im Bachelor anfangen, und dann, wenn sie 3 Jahre ihres Lebens vergeudet haben, lassen wir sie nicht ins Masterstudium. Hähähä!

Zugangskontrollen, zb. über Interviews...ja. Aber entweder ganz am Anfang, oder gar nicht! Wer bereits den Bachelor hat MUSS sich sein Masterstudium, im Bereich, aussuchen können! Alles andere wäre kompletter Schwachsinn!

Si tacuisses Janger, si tacuisses.

Er hat durch die Wirtschaftsbrille betrachtet geschrieben. Selbstverständlich fehlen dann etliche Aspekte, die seine Vorschläge ad absurdum führen würden.

Und die Drittmittel wachsen auf Bäumen.

"Er hat durch die Wirtschaftsbrille betrachtet geschrieben."

Nette Umschreibung für: Er hat keine Ahnung von was er spricht, und sollte Schweigen.

Hier mal was interessantes:

http://www.wifo.ac.at/wwa/downl... GER_EN.PDF

Der Lebenslauf des Typen.

Geboren 1974...mit anderen Worten, hat zu einer Zeit studiert, als es all das, was er und seinesgleichen den Unis weggenommen haben, noch selbstverständlich war.

Selbst im gemachten Nest der Universitätslandschaft Ö. studieren (mit einer Frisur bei der John Lennon sich im Grabe umdrehen würde) und den heutigen Studierenden sagen, sie sollen sich Drittmittel suchen gehn.

Der Typ erinnert mit seinen Aussagen irgendwie an Marie Antoniette: "Sie haben kein Brot? Dann sollen sie doch Kuchen essen!"

bin ich froh, keine katze zu sein

gerne mehr kompetitive förderungen. nur: grad da, wo das geld fehlt, in massenfächern, braucht man grad alle kräfte in der lehre. fürs antragschreiben bleibt keine zeit.
das ist so, als dürfte man mit seinem auto ja eh beim formel-1 rennen antreten wos ein fettes preisgeld gibt, nur leider muss man mit demselben auto auch jeden tag seine 5 kinder in den kindergarten fahren.

Endlich jemand, der das wirklich auf den Punkt bringt.

So ist es. Danke für den Beitrag.

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