Lymphdrüsenkrebs: Frauen reagieren besser auf Antikörper

10. Oktober 2012, 11:54
posten

Eine Studie der MedUni Wien zeigte, dass Patientinnen mit Lymphdrüsenkrebs auf Rituximab deutlich besser reagieren als männliche Betroffene

Wien - Auf die Behandlung von chronischem Lymphdrüsenkrebs mit einem monoklonalen Antikörper reagieren Frauen signifikant besser als Männer. Das ist das Ergebnis einer multizentrischen, österreichweiten Studie der Arbeitsgemeinschaft medikamentöse Tumortherapie (AGMT) unter Leitung der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien, die kürzlich im Fachjournal "Haematologica" veröffentlicht wurde.

Bekannt war bisher, dass Frauen mit dieser Erkrankung grundsätzlich eine bessere Prognose haben. "Sie schneiden jedoch viel besser ab, seit der Antikörper Rituximab zur Therapie verwendet wird", berichtet Studienleiter Ulrich Jäger.

Das follikuläre Lymphom ist ein chronischer Lymphdrüsenkrebs, der vornehmlich in den Lymphknoten oder im Knochenmark vorkommt. An der Universitätsklinik für Innere Medizin I werden jährlich etwa 40 bis 50 neue Patienten behandelt.

Weitere Studien notwendig

"Männer mit einem großen Tumor oder Knochenmarksbefall reagieren auf die Antikörpertherapie am schlechtesten, Frauen ohne Knochenmarksbefall und kleinem Tumor sprechen am besten an", erklärt Hämatologe Jäger.

Die Studie hat ergeben, dass der Blutspiegel (Serumspiegel) bei Frauen über den Zeitraum der Therapie mit Rituximab um 20 Prozent höher ist als bei Männern. Außerdem erreichen Frauen die Sättigung des Blutspiegels mit dem Antikörper bereits beim vierten Zyklus der Therapie, und damit wesentlich früher als männliche Patienten.

"Der nächste Schritt müsste also sein, Studien durchzuführen, in denen wir Männern bereits zu Beginn der Therapie diesen Antikörper häufiger oder in höherer Dosis geben, um festzustellen, ob sich die Prognose männlicher Lymphompatienten damit verbessern lässt", erläutert Jäger. "Zudem sollte man auch bei anderen Erkrankungen, bei denen Antikörper eingesetzt werden, untersuchen, ob ein ähnliches geschlechtsspezifisches Phänomen zu beobachten ist." Derartige Studien seien in Planung, heißt es von Seiten des Wissenschaftlers. (APA/red, derStandard.at, 10.10.2012)

Share if you care.