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Auch die BBC und diesmal sogar der STANDARD können irren. Eine Richtigstellung zu den verzerrten Betrachtungen im derStandard.at-Artikel "Studierende lenken die Arbeitslosenrate".
Obwohl es die unterschiedlichsten Definitionen und Methoden zur Ermittlung von Arbeitslosenquoten (ALQ) gibt - so liegt zum Beispiel die Eurostat-ALQ für Österreich aktuell bei 4,5 Prozent, die national berechnete ALQ hingegen bei 6,1 Prozent -, werden gemeinhin und richtigerweise Arbeitslosenquoten als Anteil von Menschen, die Arbeit suchen, an der Gesamtzahl von Erwerbstätigen und Arbeitslosen definiert. Mit solchen Quoten werden die Schwierigkeiten einer Gruppe am Arbeitsmarkt relativ gesehen am besten beschrieben.
Eine Gegenüberstellung von arbeitslosen Personen mit allen Altersgenossen einer Bevölkerung - wie in oben genannten Artikel und zuvor auch von Hannah Barnes/BBC News für Jugendliche unternommen - macht dagegen keinen Sinn, verwirrt sogar und verzerrt das Ergebnis. Dies zeigt sich nicht nur bei Jugendlichen sondern noch deutlicher etwa am Beispiel von älteren, arbeitslosen Personen an der Grenze zur Pension: Die Arbeitslosenquote von Personen zwischen 60 und 65 Jahren oder - noch extremer - von 65 Jährigen wäre bei einer solchen Berechnungsmethode bloß minimal, da in diesem Alter - jedenfalls in Österreich - der Großteil der Bevölkerung bereits in Pension ist. Die realen Schwierigkeiten der in diesem Alter noch Arbeitssuchenden würden damit völlig unterschätzt. Es mag zwar rechnerisch richtig sein, dass in Spanien nur 19 Prozent aller jungen Spanier/innen zwischen 15 und 24 Jahren - egal ob in Ausbildung oder nicht - aktuell arbeitslos sind, nur bringt eine solche Berechnung - wie Sussitz ohnedies schreibt - nicht nur kaum Trost, sondern verdeckt auch das tatsächliche Problem, dass in Spanien aktuell mehr als jeder zweite Jugendliche, der arbeiten möchte, keine Arbeit hat.
In dem Artikel heißt es weiter: "So steht und fällt die Jugendarbeitslosenrate vor allem mit der Anzahl an Jungen, die sich zu 100 Prozent auf ihre Ausbildung konzentrieren. Stellen wir uns vor, die österreichische Regierung weitet die Stipendienvergabe auf alle Studierenden aus. Noten und soziale Herkunft spielten keine Rolle. Viele, die bisher neben dem Studium arbeiten, würden sich dann aufs Lernen konzentrieren und das Kellnern, Flyer-Verteilen oder Karten-Abreißen sein lassen. Passiert das, dann werden sie - im statistischen Sinne - als wirtschaftlich inaktiv angesehen und nicht berücksichtigt. Und das treibt die Arbeitslosenrate nach oben. Denn: Da die Zahl der Jugendarbeitslosen gleich bleibt, die Jungen, die Arbeit haben oder suchen, aber wegen den inaktiven Vollzeitstudierenden weniger werden, steigt die Arbeitslosenrate." Weiter unten: "Die österreichischen Studierenden sind demnach sehr fleißig, weit über 100.000 jobben nebenbei."
Eine Bemerkung vorweg: Um Einfluss auf die für die Berechnung der Arbeitslosenquote relevanten Beschäftigungszahl zu haben, muss eine Person mehr als die Geringfügigkeitsgrenze verdienen. Laut Studierenden-Sozialerhebung 2011, Bd. 2, Seite 157 verdienen 54 Prozent der Studierenden weniger als 400 Euro und damit wohl zum überwiegenden Teil weniger als die Geringfügigkeitsgrenze. Diese Personen sind für die Berechnung der ALQ also nicht relevant.
Jene hingegen, die monatlich mehr als die Geringfügigkeitsgrenze verdienen, werden dies in vielen Fällen wohl nicht mit klassischen Gelegenheitsjobs wie "Flyer-Verteilen oder Karten-Abreißen", sondern zum Beispiel mit dem genannten "Kellnern" tun. Stellen wir uns nun vor - wie im Artikel verlangt -, "die österreichische Regierung weitet die Stipendienvergabe auf alle Studierenden aus". Der Autor geht dann davon aus, dass viele der Studentinnen und Studenten sich in diesem Fall aufs Studium konzentrieren und nicht mehr arbeiten würden, weshalb die Anzahl der Beschäftigten sinken, "die Zahl der Jugendarbeitslosen gleich bleibt" und damit die Arbeitslosenquote steigen würde.
Diese Annahme halte ich für falsch. Die Frage, was wirklich passieren würde, ist viel komplizierter und leider nur schwer zu beantworten. Zum einen gibt es bestimmt nicht nur unter den beschäftigten Studentinnen und Studenten solche, die dann das Arbeiten sein lassen würden, sondern auch arbeitslos gemeldete Studentinnen und Studenten, die dann die Arbeitssuche sein lassen würden.
Zum anderen stellen sich aber viele weitere Fragen: Was passiert etwa mit den freiwerdenden Jobs, konkret etwa dem des oben beschriebenen studierenden Kellners? Würde dieser Arbeitsplatz nicht anderweitig besetzt werden, möglicherweise mit einem anderen Jugendlichen? Vielleicht mit keinem Studenten, sondern einem sonstigen arbeitslosen Jugendlichen? Wie würde ein solches Stipendiensystem den Markt für Studentenjobs verändern? Wie viele derzeit nicht studierende Personen würden bei einem so "tollen" Stipendiensystem ihren aktuellen Job (oder ihre Arbeitsuche) aufgeben und dann zu studieren anfangen? Was passiert mit deren Arbeitsplätzen?
Alles spannende Fragen, die eine simple Darstellung der Effekte - wie sie auch in der interaktiven BBC-Grafik versucht wird - nicht möglich machen.
"Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert...," ist eines der bekanntesten Zitate des früheren Bundeskanzlers Sinowatz. Es wird meist - vermutlich absichtlich - falsch zitiert und mit "Es ist halt alles so kompliziert" verwendet und auch ich muss zugeben versucht gewesen zu sein, denn die Prognose der Arbeitsmarkteffekte von grundlegenden Gesetzesvorhaben zählt zu den schwierigsten Aufgaben für Arbeitsmarktpolitiker/innen überhaupt und ist meist mit vielen Unsicherheiten behaftet. Zuletzt hatte mich etwa die Frage beschäftigt, welche Effekte die Abschaffung der Wehrpflicht auf dem Arbeitsmarkt hätte. (Johannes Kopf, derStandard.at, 11.10.2012)
Johannes Kopf ist Chef des Arbeitsmarktservice Österreich.
Zum Nachlesen
Studierende lenken die Arbeitslosenrate (derStandard.at, 9.10.2012)
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....und dafür mehr mit Konzepten, wie Arbeit auf mehr Köpfe verteilt werden kann zB. durch drastische Einschränkung von Überstunden - aber nicht nur für Männer, wie die Frauenministerin heute im Ö1-Morgenjournal forderte, sondern für beide Geschlechter. "Positive Diskriminierung" hilft nur einzelnen Quotenfrauen weiter, da Ungleichheit im Berufsleben keine Geschlechterfrage ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Unsere soziale Lage hängt leider von Erwerbsarbeit ab, daher muss die Schaffung von bezahlter Erwerbsarbeit oberste Priorität haben und nicht Statistik-Interpretationen. Warum gerade linke Parteien das nicht stärker thematisieren, sondern sich auf Nebenschauplätzen verzetteln, liegt m. E. nach an Feigheit oder Ignoranz.
Anzahl der Arbeitssuchenden (auch die in den Zwangsmassnahmen suchen Arbeit)...
Bis auf die paar "Faulis" sucht wirklich jeder Arbeit, der eine benötigt... würde aber die Dumme Vermittlug des AMS in Frage stellen.
Geht aber nur auf Freiwilligkeit der "Suchenden" sich zu registreiren. Offen bleibt: "die unzufriedenen", die vom Job weg wollen.
Ev. dazu Anzahl der ALG Bezieher, und die in geförderten Stellen, , SÖBs usw (wird auch vom Staatbezahlt) + jene die Bezug ansuchen, aber keine bekommen.
vor allem verwahrungskurse wie im rehabereich, wo AMS und PV oft die leute zuerst 16 wochen in einen BO-kurs setzen, der dann nochmalig um 26 wochen verlängert wird (weil halt die leute noch nicht soweit sind ;-)) und die leute unbezahlte praktika machen müssen. aber halt nicht in der statistik drinnen sind.
Was mich noch interressiert, wenn hier schon ein Arbeitsmarktdatenprofi spricht, ich werde schon seit Wochen aus der Arbeitslosenstatistik nicht schlau, also der Gesamtübersichtstabelle aller Arbeitslosen in Österreich. Da liegt die Arbeitslosen quote bei 100% - das ist wirklich alarmierend und gibt mir zu denken. Weil Herr Kopf Die BBC Untersuchung so toll und professionell erklärt hat denk ich mir, das wär super, wenn er das auch mit seiner eigenen tun würde ;-)
Der hat ohnehin nichts gescheites im Kopf.
"Arbeitsmarkteffekte von grundlegenden Gesetzesvorhaben zählt zu den schwierigsten Aufgaben für Arbeitsmarktpolitiker/innen"
Vielleicht ist das auch der Grund warum die am AMS die Arbeitslosen behandeln als seinen nur zu faul und nicht, dass es zu wenig Jobs gibt.
Der ist nicht da um die Löhne zu drücken , sondern um sie zu heben. Aber das hat der wohl nich nicht kapiert. Der hat eben nichts gescheites im Kopf!
Es nützt überhaupt nichts die Opfer zu kontrollieren. Die Täter müssen konrolliert werden.
knappe 3 zeilen. schnell greschrieben. zum glück muss nix belegt werden.
ist die einwohnerstatistik gefakt?
ist die steuerrolle gefakt?
ist beschäftigungsquote gefakt?
sind die pensionistenzahlen gefakt
sind die schülerzahlen gefakt?
etc.. aus all diesen dingen lässt sich die arbeitslosenzahl eben auch ableiten.
3 zeilen schnell geschrieben.
"werden gemeinhin und richtigerweise Arbeitslosenquoten als Anteil von Menschen, die Arbeit suchen, an der Gesamtzahl von Erwerbstätigen und Arbeitslosen definiert. Mit solchen Quoten werden die Schwierigkeiten einer Gruppe am Arbeitsmarkt relativ gesehen am besten beschrieben."
das nennt man profunde statistik ;-)
Inzwischen offenbar in erster Linie, um "Analysten" Argumente zum Raten eines Landes zu liefern.
Für die soziale Lage eines Landes sind Arbeitslosenzahlen nur einer von vielen Indikatoren, falls man an einer Analyse derselben überhaupt interessiert ist.
allerorts horrorzahlen. wie man sieht muss jede statistik interpretiert werden. auch wenn jeder 2. jugendliche spanier arbeitslos ist, der arbeiten will, ist es dennoch erhellend zu wissen, dass dies dennoch nur 20% der jugendlichen sind. schlimm genug, aber nicht hoffnungslos. ohnehin braucht europa mehr optimismus.
ohne etwas beschönigen zu wollen - es gibt viel zu viele arbeitslose jugendliche in spanien - aber tatsächlich ist die quote wrsch noch niedriger, weil alle geringfügigen rausgerechnet werden. und schwarzarbeit ist, no na, auch nicht erfasst, sodass der anteil derer, die wirklich keine arbeit haben, wohl eher noch niedriger ist.
1) Schweiz........55,7%
2) Deutschland..53,6%
3) Tschechien....51,8%
4) USA..............48,9%
5) Griechenland..46,2%
6) Frankreich......45,0%
7) Österreich......44,6%
Hätte Ö die gleiche Struktur wie die CH, dann hätte Ö um gut 900.000 Menschen mehr in Arbeitslosigkeit!
Hätte Ö die gleiche Struktur wie D, dann hätte Ö um gut 700.000 Menschen mehr in Arbeitslosigkeit!
Ö hat also durch die riesigen geschützten Bereiche und dem Frühpensionswahnsinn eine Masse an möglichen Arbeitslosen ausgegliedert und verhindert eine Leistungserbringung für die Gesellschaft.
Bei einer solchen Gesamtbetrachtung wir der Horror für die Gesellschaft deutlich sichtbar, das AMS ist ein Teil davon!
Ist es Ihr Ziel möglichst viel und möglichst lange zu arbeiten?
Ist es das Ziel der Gesellschaft möglichst viel und möglichst lange zu arbeiten?
Man arbeitet um zu leben.
Das Ziel sollte es sein, die Arbeitszeit zu minimieren und die Lebenszeit zu maximieren.
Für viele Menschen ist Arbeit mehr, bei machen bis hin zur Bestätigung der Sinnhaftigkeit des Lebens.
Besonders kreative Menschen und Wissenschaftler können sich ein Leben ohne Arbeit gar nicht vorstellen.
Es ist fast schon ein Privilleg der Eliten, im Alter nicht abgeschoben zu werden sondern sein ganzes Leben lang aktiv sein zu dürfen, denn das derzeitige System verschont kaum jemanden, egal ob er will oder nicht. Ich kenne genug Menschen die gegen ihre Pensionierung gekämpft haben soweit es nur ging.
Ich hoffe Sie haben selbst, zusätzlich zur Maximierung der Lebenszeit, noch Lebensziele.
Arbeit als Geldquelle denn ohne Geld = Tod , oder Arbeiten als Energieumwandlung (Bindungsenergie der Kohlenhydrate und Fett in Wärme).
Auch das Abswaschen oder Rollerskaten ist Arbeit, zahlt aber keiner, ausser Du bist Rollerprofi oder Abwäscher in einer betrieblichen Küche ....
Können sich wohl die wenigsten aussuchen, und wenn, sind da noch so viele chefistische und managistische gehaltistische Faktoren, ...
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