Aluminium-Riese Alcoa taumelt ins Minus

10. Oktober 2012, 08:35
1 Posting

Quartalsverlust von 143 Millionen Dollar, Umsatz ging um neun Prozent zurück. Erlösschwund durch niedrige Preise

New York - Der Aluminium-Riese Alcoa ist wegen diverser Sonderausgaben tief ins Minus gerutscht. Im dritten Quartal lief ein Verlust von 143 Mio. Dollar (110,4 Mio. Euro) auf, wie das Unternehmen nach Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Die Sonderposten schlugen ein Loch von 175 Mio. Dollar in die Bilanz. Dabei geht es um Umweltzahlungen, einen Feuerschaden sowie die Beilegung eines jahrelangen Rechtsstreits mit Aluminium Bahrain.

Im Vorjahresquartal hatte Alcoa noch einen Gewinn von 172 Mio. Dollar verbucht - es hätte also auch ohne die Sonderbelastung einen kräftigen Gewinnrückgang gegeben. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um neun Prozent auf 5,8 Mrd. Dollar.

Erlösschwund durch niedrige Preise

Der Grund für diesen Erlösschwund sei vor allem ein Preisrückgang von fast einem Fünftel gewesen, erklärte Alcoa. Zudem hat das kräftige Marktwachstum der vergangenen Jahre mit der Abkühlung der chinesischen Wirtschaft ein abruptes Ende gefunden. Alcoa kappte die Wachstumsprognose für 2012 jetzt von sieben auf sechs Prozent. Im vergangenen Jahr war der Markt noch um 10 Prozent gewachsen, nach 13 Prozent 2010.

Der aus Deutschland stammende Konzernchef Klaus Kleinfeld sieht dennoch gute Chancen, dass sich die globale Aluminium-Nachfrage von 2010 auf 2020 wie von Alcoa erwartet verdoppelt. "Die Märkte scheinen derzeit mehr von Schlagzeilen denn von fundamentalen Daten getrieben zu sein, aber Alcoa bleibt auf die Dinge fokussiert, die in unserer Hand liegen", sagte er. Derzeit laste die Sorge der Investoren angesichts der Euro-Krise und der chinesischen Konjunkturdelle auf dem Preis. Die Aktie verlor nachbörslich knapp ein Prozent.

Gradmesser für Konjunktur

Aluminium wird in vielen Branchen verwendet - und deshalb gelten die Alcoa-Zahlen immer auch als ein Gradmesser für die Konjunktur, zumal das Unternehmen traditionell den Start jeder Saison von US-Quartalsberichten einläutet. Diesmal schätzt Alcoa die Lage in verschiedenen Industrien sehr unterschiedlich ein. Im Flugzeugbau sei etwa ein sattes Plus von 13 bis 14 Prozent bei der Aluminium-Nachfrage zu erwarten, in der Lkw-Branche hingegen ein Rückgang von 7 bis 9 Prozent. Kleinfeld setzte in diesem Jahr eine deutliche Reduzierung der Kapazitäten in Gang.

Aluminium Bahrain warf Alcoa Bestechung im Kampf um lukrative Verträge vor. Der Rechtsstreit im US-Staat Pennsylvania lief schon seit 2008, wurde aber auf Antrag von US-Behörden für mehrere Jahre ausgesetzt, weil sie eigene Ermittlungen durchführten. Das Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC ermitteln immer noch. Um die Klage von Aluminium Bahrain beizulegen, erklärte sich Alcoa zu einer Zahlung von insgesamt 85 Mio. Dollar bereit. Diese Zahlung habe den Nettogewinn im dritten Quartal mit 15 Mio. Dollar belastet, in Zukunft könnten noch 25 bis 30 Mio. Dollar dazukommen. (APA, 10.10.2012)

  • Artikelbild
    foto: epa/bradshaw adrian
Share if you care.