Eli Pariser: "Brauchen Wikipedia der Internetsuche"

9. Oktober 2012, 23:03
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"Filter Bubble"-Autor kämpft für mehr Transparenz im Web

Was bringt uns das Internet, wie bestimmt es unser Denken und Handeln? Ist es ein hilfreiches Informationsuniversum oder eine große Manipulationsmaschine?

Als der US-Polit- und Internetaktivist Eli Pariser Ende der 90er-Jahre seine erste Erfahrungen mit dem Internet machte, war es für ihn ein fantastisches Werkzeug, sich weltweit mit anderen Menschen verbinden zu können. Ein Werkzeug der Meinungsfreiheit und Demokratisierung. Heute denkt er anders.

Futuretalk

Die zunehmende Personalisierung, die maßgeschneiderten Angebote, die uns ungefragt bei jedem Klick begleiten, haben einen großen Anteil daran, machte der Keyspeaker des heurigen Futuretalk der Telekom Austria am Dienstagnachmittag bei einer Presseveranstaltung deutlich.

Denn durch diesen Trend entscheiden einige wenige große Unternehmen wie Google oder Facebook mittlerweile, was wir bei unseren Streifzügen durch das Internet sehen können und was nicht, postuliert der 32-Jährige in seinem 2010 erschienen Buch Filter Bubble, das heuer im Frühjahr unter dem Titelzusatz Wie wir im Internet entmündigt werden auch in deutscher Sprache erschienen ist.

Meinungsvielfalt vorspiegelt

Sind wir dieser gefilterten Blase, die uns vermeintliche Meinungsvielfalt vorspiegelt, hilflos ausgeliefert? Das zu sagen, dazu sei es noch zu früh, meint Pariser. Aber letztlich gehe es darum, ob „wir Google oder Facebook benutzen oder sie uns". Pariser spricht in diesem Zusammenhang von einer „Algorithmus-Alphabetisierung". Er meint damit, dass wir verstehen lernen müssen, wo diese die Internetsuche beeinflussenden Mechanismen gut und hilfreich sind und wo überflüssig. Und dann müssten wir wie bei anderen Medien sie danach beurteilen, ob sie in unserem gesellschaftlichen Interesse handeln - und falls nicht, in ihre Schranken weisen.

Große Hoffnung setzt Pariser darauf, dass sich als Gegenbewegung zu den mächtigen Internetkonzernen „eine Art Wikipedia der Internetsuche" entwickelt. Und transparentere Angebote, bei denen der Nutzer weiß, wie selektiert wird. Auch wenn der Weg dorthin noch weit ist.

Dass wir den tonangebenden Internetkonzernen nicht ganz hilflos ausgeliefert sind, meint auch der slowenische Philosoph und Futuretalk-Gast Slavojek. „Was uns zu Menschen macht, ist, dass wir abstrahieren können." (kat, DER STANDARD printausgabe, 09.10. 2012)

 

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