Baumgartners Stratosphärensprung verblasen

  • Felix Baumgartner nach dem Abbruch sichtlich geknickt.
    foto: apa/ red bull/jörg mitter

    Felix Baumgartner nach dem Abbruch sichtlich geknickt.

  • Zu viel Wind verhinderte den Flug zu der Absprunghöhe in der Stratosphäre.
    foto: apa/ red bull/jörg mitter

    Zu viel Wind verhinderte den Flug zu der Absprunghöhe in der Stratosphäre.

Das Projekt Red Bull Stratos ist vorerst gescheitert. Zu starker Wind in Roswell, New Mexico, verhinderte den Start des Heliumballons, der die Kapsel mit Felix Baumgartner in die Absprunghöhe bringen sollte. Nächster Versuch nicht vor Donnerstag - Baumgartner "total enttäuscht"

Roswell/Wien - Der mehrfache Rekordversuch des Extremsportlers Felix Baumgartner wurde am Dienstag wegen zu starken Windes im letzten Moment abgebrochen. Zunächst war der für 6 Uhr Ortszeit geplante Start mehrfach verschoben worden. Dann nahm Baumgartner doch in seiner Kapsel Platz. Um 11.35 Uhr (19.35 Uhr MESZ) wurde das Vorhaben jedoch aufgrund zu starker Böen am Boden endgültig abgebrochen. Der bereits aufgeblasene Ballon wurde bis auf den Boden niedergedrückt, Schäden an der Hülle konnten nicht ausgeschlossen werden. Ein neuer Versuch ist nicht vor Donnerstag geplant.

Kein Start am Mittwoch

Laut dem technischen Leiter von "Red Bull Stratos", Art Thompson, konnte bei einer Windgeschwindigkeit von 22 Knoten (rund 40 km/h) ein sicherer Start nicht garantiert werden. Ein nächster Versuch könnte schon am Donnerstag erfolgen, man müsste jedoch noch die nächsten Wetter-Updates abwarten. Der Mittwoch als Starttag sei wegen des prognostizierten Schlechtwetters und des zu erwartenden Windes definitiv aus dem Rennen, so Thompson.

Laut Wetterchef Don Day ist der "Donnerstag ein Tag mit Potenzial. Aber es ist schwierig zu sagen." Das Zeitfenster sei sehr klein, weil Regen zu erwarten ist. Aber sehr zeitig in der Früh könnte ein Launch möglich sein.

Baumgartner: "Keep your fingers crossed"

"Ich will die Schallmauer durchbrechen, egal was es kostet", sagte Baumgartner in einem Interview nach dem Abbruch. "Das Glück war heute nicht auf unserer Seite", resümierte der 43-Jährige auf seiner Facebook-Seite. Sicher sei, dass es einen neuen Versuch geben würde. "Keep your fingers crossed", schrieb der Salzburger und hoffte damit auf weitere Unterstützung seiner zahlreichen Fans. Im Interview erläuterte er: "Ich war ehrlich gesagt total enttäuscht, aber solange wir noch Ersatzballons und Möglichkeiten für weitere Versuche haben, bin ich zufrieden." Und: "Ich bin bereit, morgen, Montag kommende Woche, es ist mir egal!"

Der verwendete Ballon könne für einen erneuten Versuch nicht mehr verwendet werden. Das wäre wegen etwaiger Beschädigungen zu gefährlich. Ein Ersatzballon sei an Ort und Stelle, ein weiterer Ballon könnte ebenfalls nach Roswell gebracht werden.

Mehrere Rekorde sollen fallen

Baumgartner wollte die Rekorde für die höchste bemannte Ballonfahrt, den höchsten Absprung mit dem Fallschirm sowie den längsten freien Fall verbessern. Zudem sollte er der erste Mensch werden, der ohne technische Hilfsmittel im freien Fall die Schallmauer durchbricht.

Der 43-jährige Salzburger hatte sich schon in der Vergangenheit durch spektakuläre Aktionen einen Namen gemacht. "Ich war immer so. Keine Ahnung, warum", sagte er im Juli in einem Interview mit dem STANDARD. "Ich hatte immer diesen Freiheitsdrang und wollte die Welt immer von oben sehen. Ich bin schon als kleines Kind auf Bäume geklettert. Das Fallschirmspringen, dann das Basespringen waren genau mein Sport. Ich habe immer versucht, zu perfektionieren und neue Grenzen zu definieren."

Der Kfz-Mechaniker als Skydiver

Abgesehen davon, dass er schon als Jugendlicher seine Leidenschaft auslebte, absolviert Baumgartner eine Lehre als Maschinenschlosser und arbeitet dann als Kfz-Mechaniker. Seinen ersten sogenannten Skydive - einen verzögerungslos ausgeführten Freifall mit Relativ- und Stilsprüngen vor Öffnen des Fallschirms - absolviert er mit 16 Jahren. Beim Bundesheer wird er zum Fallschirmspringer ausgebildet. In den 1990ern sattelt Baumgartner auf Base-Jumping um, seit 1997 wird er vor allem von Red Bull finanziert.

Mit seinem Sprung aus dem 88. Stockwerk des Petronas Towers in Kuala Lumpur stellt Baumgartner 1999 einen Weltrekord für den höchsten Basejump von einem Gebäude auf. Im gleichen Jahr absolviert er von der Christusstatue in Rio de Janeiro den niedrigsten Basejump der Geschichte. Weitere Rekorde sammelt Baumgartner mit Sprüngen von der Millau-Brücke in Frankreich (Rekord für die höchste Brücke) und vom Taipei 101 Tower in Taiwan.

Am 31. Juli 2003 überquert Baumgartner als erster Mensch im freien Fall mithilfe eines Karbon-Flügels den Ärmelkanal. Der Absprung erfolgt in 9800 Metern Höhe über Dover, Baumgartner absolviert den 35 Kilometer langen freien Fall nach Calais innert sechs Minuten. Im Jänner 2010 gibt der Extremsportler in New York bekannt, dass er mit dem Stratosphärensprung als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen will. (red, DER STANDARD, 10.10.2012)

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