Sprung für Sprung ein Stück höher hinaus

Porträt9. Oktober 2012, 20:25
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Mit einer windbedingten Verzögerung von mehreren Stunden begann Felix Baumgartner am Dienstag in New Mexico das Unternehmen Stratosphärensprung. Ehe der Salzburger ein Extremsportler wurde, war er ein kleines Kind, das gerne auf Bäume kletterte

Roswell/Wien - "Ich war immer so. Keine Ahnung, warum. Bei meinem Bruder hat alles funktioniert, der ist Koch geworden. Ich hatte immer diesen Freiheitsdrang und wollte die Welt immer von oben sehen. Ich bin schon als kleines Kind auf Bäume geklettert. Das Fallschirmspringen, dann das Basespringen waren genau mein Sport. Ich habe immer versucht, zu perfektionieren und neue Grenzen zu definieren. Und ich habe zwanzig Jahre überlebt in diesem Sport." Felix Baumgartner sagte das in einem Interview mit dem Standard im Juli. Dienstagnachmittag startete der 43-jährige Salzburger endgültig zu seinem riskantesten Abenteuer, zum Stratosphärensprung aus mehr als 36.000 Metern Höhe.

Abgesehen davon, dass er schon als Jugendlicher seine Leidenschaft auslebte, absolviert Baumgartner eine Lehre als Maschinenschlosser und arbeitet dann als Kfz-Mechaniker. Seinen ersten sogenannten Skydive - einen verzögerungslos ausgeführten Freifall mit Relativ- und Stilsprüngen vor Öffnen des Fallschirms - absolviert er mit 16 Jahren. Im Alter von 18 verpflichtet er sich beim Bundesheer, wird als Panzerfahrer und später zum Fallschirmspringer ausgebildet. Danach schlägt er sich mit dem Reparieren von Motorrädern durch, bevor er professionell dem Sport frönt.

In den 90ern des vergangenen Jahrhunderts sattelt Baumgartner mehr und mehr auf Base-Jumping um, seit 1997 wird er vor allem von Red Bull finanziert.

Mit seinem Sprung aus dem 88. Stockwerk des Petronas Towers in Kuala Lumpur stellt Baumgartner 1999 einen Weltrekord für den höchsten Basejump von einem Gebäude auf. Im gleichen Jahr absolviert er von der Christusstatue in Rio de Janeiro den niedrigsten Basejump der Geschichte. Weitere Rekorde sammelt Baumgartner mit Sprüngen von der Millau-Brücke in Frankreich (Rekord für die höchste Brücke) und vom den Petronas Tower überragenden Taipei 101 Tower in Taiwan.

Am 31. Juli 2003 überquert Baumgartner als erster Mensch im freiem Fall mithilfe eines Karbon-Flügels den Ärmelkanal. Der Absprung erfolgt in 9800 Metern Höhe über Dover, Baumgartner beschleunigt auf 354 Kilometer pro Stunde und absolviert den 35 Kilometer langen freien Fall nach Calais innert sechs Minuten.

Im Jänner 2010 gibt Baumgartner in New York bekannt, dass er mit dem Stratosphärensprung als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen und weitere drei Rekorde aufstellen will: die höchste bemannte Ballonfahrt, den längsten freien Fall und den höchsten Absprung.

Baumgartner wirbt nicht nur sondern ist auch Botschafter von Wings for Life, einer Non-Profit-Organisation, die Rückenmarkforschung betreibt. Der lizenzierte Gasballon-Pilot ist Inhaber der privaten Hubschrauberlizenz für Österreich und die USA sowie der europäischen Lizenz für kommerzielle Zwecke. (red, DER STANDARD, 9.10.2012)

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