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Der "Schwan" von Arne Jacobsen, den er 1958 für die Lobby und Lounge des Royal Hotel in Kopenhagen entwarf.

Arne Jacobsen, ein Architekt, der so gut wie jedes Detail selbst entwarf.

Paul Kjaerholms Falthocker "PK 91", der Hocker "PK 33" und die Lederliege "PK 80".

Paul Kjaerholm, Designer und Professor für Möbel und Raumkunst.
Dicke Kumpels seien die beiden Stars des dänischen Designs nicht gewesen. Sagt man. Der eine, Arne Jacobsen (1902-1971) wollte eigentlich Maler werden, machte dann aber als Architekt und Designer Weltkarriere. Berühmt sind unter anderem sein SAS-Hotel in Kopenhagen oder das St. Catherin's College in Oxford. Seine Objekte - darunter ist auch seine Ikone namens Ameisenstuhl von 1952 zu finden - entwarf er oft speziell für seine Baulichkeiten.
Nicht selten bestechen sie durch technische Meisterleistungen und eine große Leichtigkeit, was sie im Gegensatz zu anderem vor allem für die Massenproduktion tauglich machte. Der andere, Poul Kjaerholm (1929-1980), tritt in seiner Formengebung strenger und schwerer als sein Kollege auf. Seine Stücke sind in vielerlei Hinsicht exklusiver, und auch mit seiner Vorliebe für Stahl stellt der gelernte Tischler eine Ausnahme im dänischen Möbeldesign dar. Die Lederliege PK 80 aus dem Jahre 1957, in der nicht eine Schraube zu finden ist - sie macht mittels versteckten Kautschuk-Ringe als Verbindungselementen gute Figur - würde durchaus auch als Bauhaus-Stück durchgehen. Jacobsen war sozial und politisch sehr engagiert, Kjaerholm galt eher als introviertierter Typ.
Beide Meisterentwerfer stehen im Mittelpunkt der derzeit im Wiener "Wagner:Werk Museum Postsparkasse" gezeigten Ausstellung Dansk Møbel Design - Arne Jacobsen und Poul Kjaerholm für Fritz Hansen, einer Schau, wie es sie bislang in Österreich noch nicht zu sehen gab. Apropos Österreich: Auch wenn so mancher Zeitgenosse mit den beiden Namen nichts anfangen kann, darf davon ausgegangen werden, dass so gut wie jeder schon einmal auf dem stapelbaren Sesselklassiker "Serie 7" von Jacobsen Platz nahm. Die Stücke von Kjaerholm zählen hingegen bis heute eher zum Spezialistenprogramm. Beiden gemeinsam ist, dass als Produzent für die gezeigten geschätzten 50 Möbelobjekte, das Unternehmen Fritz Hansen verantwortlich ist, das 1872 vom gleichnamigen Tischlermeister gegründet wurde, der schon seinerzeit auf Nachhaltigkeit setzte, indem er von Beginn an Wälder pflanzte und nicht nur an kurzfristige Produktionszyklen dachte. Ebenso beiden gemein ist eine beeindruckende Zeitlosigkeit, viele der in der Ausstellung gezeigten Objekte werden noch heute mit Begeisterung eingesetzt. Funktional wirkt dieses Design, aber auch poetisch und lustbetont, mit gewissen angedeuteten Spielereien befreit es sich in den meisten Entwürfen von der Strenge eines Bauhauses und lässt eine Art Swing sichtbar werden.
Verantwortlich für die Schau, die im Rahmen des Schwerpunktprogramms zur Designgeschichte des 20. Jahrhunderts gezeigt wird, sind die künstlerische Leiterin des Museums, Monika Wenzl-Bachmayer, und Wolfgang Förster, der bei der Stadt Wien unter anderem in Sachen Wohnbauforschung in Diensten steht und allein deshalb schon mit großer Leidenschaft der Arbeit Jacobsens frönt, da dieser "sich sehr viel mit Räumen und geeignetem Mobiliar beschäftigte".
Geht man durch die angenehm komprimierte Schau im großartigen Kassensaal der Wagner'schen Postsparkasse, der immer wieder auch völlig leer geräumt einen Besuch wert wäre, kommt man aber nicht nur mit einem großen Stück Weltklassemöbeldesign in Berührung. Die Ausstellung zeigt einen amüsanten Film, dessen Handlung darin besteht, dass sich eine Tänzerin im Egg-Chair waghalsig samt Senkrechtspagat in Pose bringt. Natürlich sitzt man dabei auf verschiedenen Ausführungen von Jacobsens 7er-Sessel. Zu sehen gibt es aber auch großformatige Bilder aus dem Fundus der Gestalter. Gezeigt wird zum Beispiel Jacobsens Architekturikone an der Uferstraße Klampenborgs, die berühmte Texaco-Tankstelle. Der Gestalter entwarf für diesen Auftrag ein kleines kubisches Tankstellenhäuschen, aus dem ein pilzförmiges Betondach wächst. Noch mehr Eindruck hat die Aufnahme beim Besucher geschunden, nachdem dieser das Entstehungsdatum dieses Hinguckers gelesen hat: 1937. Schön groß auf Trennwänden abgebildet, gibt es außerdem Bilder aus der Produktion bei Fritz Hansen zu sehen, zum Beispiel Männer mit gebogenen Sägeblättern, geschwungen und lang wie ein Wal.
Auf die Frage, warum Dänemark im Gegensatz zu Österreich eine derart große Affinität zu Design zu bieten hat - fast könnte man von einer Art Nationalstolz sprechen - antworten die Kuratoren der Schau: "Wir denken, das hängt einerseits mit einer langen Tradition der Familienbetriebe zusammen, andererseits hatte Dänemark während der Zeit des Nationalsozialismus im Bereich der Möbelindustrie nicht das Problem, dass viele Produzenten, Kunden, Gestalter einfach wegbrachen. So konnte auch das Bewusstsein für Design kontinuierlich wachsen." (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 12.10.2012)
"Dansk Møbel Design - Arne Jacobsen und Poul Kjaerholm für Fritz Hansen". Wagner:Werk Museum Postsparkasse, Bawag PSK, Großer Kassensaal, Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien. Bis 17. November. www.ottowagner.com
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