Schmalz im Haupthaar

  • "Du sollst viel und oft geküsst werden von jemandem, der weiß, wie das geht", sagt Rhett Butler in "Vom Winde verweht". Seine Worte lassen die kratzbürstige Scarlett schmelzen.
    foto: corbis

    "Du sollst viel und oft geküsst werden von jemandem, der weiß, wie das geht", sagt Rhett Butler in "Vom Winde verweht". Seine Worte lassen die kratzbürstige Scarlett schmelzen.

Öl für die Frisur? Jawohl, das geht, ohne dass die Haare dabei fettig wirken müssen, hat Karin Pollack herausgefunden

Clark Gable küsste Vivien Leigh irgendwann im Jahre 1938 am Filmset von Gone with the Wind. Leidenschaft durfte - zumindest vor Kameras - damals nur in Worten ungestüm sein. Die Frisur der beiden sollte keinesfalls verrutschen, und sie tut es in dieser Szene auch nicht. Clark Gables Haupthaar liegt zu sanften Wellen gebändigt am Kopf, und auch die dunklen Locken von Vivien Leigh fallen ihr wunderbar glänzend über die Schulter. Sieht ganz danach aus, dass die Friseure der beiden Hollywood-Superstars hinter den Kulissen mit Haaröl gearbeitet haben. In den 40er-Jahren waren sie als Pflegeprodukte überaus beliebt, jetzt erleben sie gerade eine Renaissance.

"Haaröle sind sehr vielseitig einsetzbar, es kommt immer darauf an, wie und wo sie verwendet werden", erklärt Hannes Trummer, Gründer der österreichischen Biohaarpflegeserie Less ist More. Er teilt das Einsatzgebiet von Haaröl in vier Zonen: Kopfhaut, Haaransatz, Mittellängen und Spitzen - mit jeweils ganz unterschiedlichen Anwendungskonzepten.

Öl reinigt Öl

Zum einen kann Haaröl eine Kur für die Kopfhaut sein. "Öl reinigt Öl", bringt es Laura Slizkova vom Wiener Haarsalon Nude auf den Punkt. Das hilft gegen fettige oder schuppige Kopfhaut. Das Öl wird nach dem Einwirken mit Shampoo wieder ausgewaschen. Wer eine Stufe weitergehen will, ölt sich Kopfhaut und Haare ein und geht in die Sauna (da wirkt das Öl wie eine Packung) oder ins Bett (damit es länger einziehen kann).

Doch Haaröl muss keineswegs immer ausgespült werden. "Wir sehen oft trockene Haarspitzen und Mittellängen, mit ein paar Tropfen Öl bekommen sie ihren Glanz zurück", sagt Trummer. Davon profitiert auch durch allfällige Farbe, Dauerwelle oder Sonne geschädigtes Haar, weil sich die aufgeraute Schuppenschicht wieder schließt. Christian Edinger, Inhaber des Linzer Friseursalons h.Schnitt, sagt dazu: "Das Haargefühl nach einer Ölbehandlung ist extrem gut", denn struppig gewordenes Haar lässt sich wieder gut durchfrisieren, bekommt seine Elastizität zurück und fällt schön. "Zudem gibt Haaröl gefärbten Haaren zusätzlichen Schutz", sagt Friseurin Laura Slizkova von Nude, die so wie Edinger mit Haarölen von Shu Uemura arbeitet. "Es schützt feines Haar sogar beim Föhnen", ergänzt Trummer, dessen Grundregel lautet: Je dünner das Haar, umso weniger Öl sollte in die Mittellängen und Spitzen eingeknetet werden, wenn möglich ins nasse Haar.

Wilde Locken bändigen

Für alle, denen morgens beim Aufstehen die Haare wild vom Kopf stehen, gilt das sparsame Dosieren ganz und gar nicht. Sie können mit viel Haaröl die wilden Locken bändigen, ohne dass die Frisur dadurch schmalzig aussehen würde - außer man will das. Als Stylingprodukt ist es, so Trummer, allerdings weniger geeignet, weil es erstens zu schnell ins Haar einzieht und es zweitens für den richtig geschleckten Look wesentlich geeignetere Haarprodukte wie Haargel oder Haarwachs gibt.

Was auf alle Haaröle zutrifft: Je hochwertiger die Inhaltsstoffe, umso höher der Preis. Je feiner die Öle, umso leichter verteilen sie sich, beschweren nicht und duften mitunter fantastisch. Das ist wichtig, denn normales Öl würde am Ende eines (heißen) Tages wohl ranzig riechen. Und so soll das nicht sein.

Übrigens: Je verzweifelter die Liebe von Rhett Butler und Scarlett O'Hara im Film wird, umso wilder werden ihre Frisuren. Es fehlt gegen Ende das Schmalz - das scheint auch für die Haare der Hollywood-Granden zu gelten. (Karin Pollack, Rondo, DER STANDARD, 12.10.2012)

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