Essen auf Facebook posten

  • Was mir Benedikt aber nie zeigen würde, das ist sein Abendessen.
    foto: alexandra h. / pixelio.de

    Was mir Benedikt aber nie zeigen würde, das ist sein Abendessen.

Wenn es zur Sache geht, ist wie beim Sex auch beim Essen Schluss mit lustig oder grundsätzlich gefällt mir alles, was meine neu gewonnenen Freunde so treiben

Pro: Sex in Dosen
Von Christian Schachinger

Andi & Alex, unsere lustigen Fernsehköche aus der ORF-Sitcom "Frisch gekocht" haben die besten Facebook-Fotos. Sie werfen sich gegenseitig Fische oder Palatschinken zu, herzen am Herd Studiogästinnen - und sie zeigen der Welt, dass das pralle Leben glucksend und glückselig aus Topf und Pfanne wiehert.

Leider haben Andi & Alex ein Problem. Seit Ende 2009 haben sie nur 827 Freunde gefunden, von denen wiederum nur zwei auch zu meinen zählen. Das mag damit zu tun haben, dass "frisch kochen" nicht wirklich mit der aktuellen Rolle des Duos als Werbebotschafter eines Dosenfutter- und Formfleischherstellers harmoniert. Wenn es zur Sache geht, ist wie beim Sex auch beim Essen Schluss mit lustig.

Dennoch halte ich die Idee, sein Essen mit anderen zu teilen, für gut. Da alles, was mit Sex zu tun hat, auf Facebook verboten ist, ist Food-Fotografie ein gutes emotionales Entlastungsgerinne. Dieses erspart mir lustige Statusmeldungen von würdelosen nackten Männern neulich nachts beim Deppen-Flashmob.

Kontra: Kein jüngstes Gericht
Von Ronald Pohl

Facebook ist eine herrliche Einrichtung. Man sammelt ohne Unterlass Freunde. Der Autor dieser Zeilen hat inzwischen mehr Freunde als eine Dorfgemeinde Einwohner. Pocht eine Person an meine Facebook-Pforte, wird ihr aufgetan. Wer wäre ich denn, die Anknüpfung des Freundschaftsbandes zurückzuweisen? Man hat inzwischen sogar Freunde, deren Namen man seinen Lebtag nicht gehört hat. Nachhaltiger, das heißt: demokratischer, kann man sein soziales Leben einfach nicht gestalten.

Grundsätzlich gefällt mir alles, was meine neu gewonnenen Freundinnen und Freunde so treiben. Zeigt mir jemand seine Muschi, also seine Perserkatze: "Gefällt mir". Gerne gesehene Facebook-Schaustücke sind: Kanaldeckel; des Faschismus verdächtige Lokalpolitiker; die Verlautbarungen eines meiner besten Facebook-Freunde: Papst Benedikt XVI. Der unterhält sich leider auf Italienisch mit mir. Aber er wird schon recht haben, schließlich ist er unfehlbar ("Gefällt mir"). Was mir Benedikt aber nie zeigen würde, das ist sein Abendessen. Grazie, papa! (Rondo, DER STANDARD, 12.10.2012)

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