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Eine Welt, die "unendlich groß und reicher an Geschenken und Gefahren" geworden sei, verliere ihre "heimatliche Qualität", konstatierte Georg Lukács 1916 in seiner "Theorie des Romans". Es sei, so Lukács, die aus fehlenden Sinnangeboten resultierende "transzendentale Obdachlosigkeit" des Menschen, mit der sich der Roman auseinanderzusetzten habe. Er allein könne einer brüchigen Welt die "Gesinnung zur Totalität entgegenstellen".
Von Transzendenz in einem anderen Sinne sprach bei der Pressekonferenz auch Buchmessen-Direktor Jürgen Boos, der hier in seiner eloquenten Glattheit seit einigen Jahren den Günther Jauch des Literaturbetriebs gibt. Ein Urknall werde laut Boos die Gutenberggalaxis "ausdehnen". Mittlerweile ist, während man im Frankfurter Ostend gerade eine neue europäische Zentralbank mit einer geplanten Höhe von 185 Metern zusammenzimmert, auch in den Hallen der Buchmesse klar, dass, was den Vertrieb und die Nutzung von "Inhalten" betrifft, in der Verlagsbranche nicht viele Steine aufeinanderbleiben werden.
Während bei der Buchmesse vor der Eröffnung geschäftiges Treiben herrscht, liest man in der "FAZ", Neuromarketingexperten würden behaupten, der Anblick eines Ferrari, iPad oder anderer Fetische löse bei Testpersonen ähnliche Hirnströme aus wie Heiligenbilder. Mit den Fragen, was es mit der Ersatzreligion Konsum auf sich hat, befasst sich auch der hier präsentierte Band "Die Entstehung des transzendenten Kapitalismus" (DVK-Verlag) des Innsbrucker Soziologen Jochen Hirschle. "Alles wird anders", freute sich Jürgen Boos. Hoffen wir's. Erfreuliches Detail: Anna Kim ist die diesjährige österreichische Gewinnerin des EU-Literaturpreises (5000 Euro). (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 10.10.2012)
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Jenseits von Gaucho-Romantik und Tango-Melancholie präsentiert das Buchmesse-Gastland Autoren, die das Gewaltklima der Militärdiktatur literarisch verarbeiten
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