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Brigitte Hoffmann ist Fachärztin für Chirurgie im Wiener Hartmannspital. Seit 2006 widmet sie sich dort dem Aufbau der Schwerpunktabteilung Brustchirurgie. Davor war sie 13 Jahre lang in der zweiten Chirurgie im Wilhelminenspital tätig, ebenfalls mit Schwerpunkt Brustchirurgie.

Mit Kunststoffimplantaten oder körpereigenem Gewebe kann die Brust rekonstruiert werden.
"Die Patientinnen haben oft große Angst. Vor der Operation, vor möglichen Schmerzen, vor dem Verlust der Attraktivität für ihren Partner, vor Arbeitsplatzverlust, um die Zukunft ihrer Kinder. Sie fragen sich: Was kommt auf mich zu?", sagt Brigitte Hoffmann, die meist die erste Ansprechpartnerin für Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs im Wiener Hartmannspital ist. Dort widmet sie sich seit 2006 dem Aufbau der Schwerpunktabteilung Brustchirurgie.
Hoffmann verheimlicht nichts. Die Patientinnen erfahren, wie es um sie steht und worauf sie sich einlassen. Mit ihrer rund 20-jährigen Erfahrung als Brustchirurgin kann sie einen gemeinsamen Nenner bei den betroffenen Frauen ausmachen: Selbstlosigkeit. "Die Patientinnen haben oft lange nicht auf sich selbst geschaut, sie kennen ihre eigenen Bedürfnisse nicht oder haben sie verschüttet", versucht die Chirurgin sie auf den Weg zu bringen, herauszufinden, was ihnen gut tut und was nicht.
Jedes Jahr erkranken rund 4.800 Frauen in Österreich an Brustkrebs. Für etwa 20 Prozent verläuft die Erkrankung tödlich. Der amerikanische Chirurg William Stewart Halsted propagierte Ende des 18. Jahrhunderts die Radikal-Operation: die Entfernung der Brustdrüse unter Mitnahme großer Hautareale, die komplette Entfernung der großen und kleinen Brustmuskeln sowie der axillären Lymphknoten. Verstümmelnde OP-Resultate waren die Folge.
Erst große Studien in den 1970er Jahren haben gezeigt, dass radikale OP-Methoden keine Verbesserung bezüglich der Lebenszeit für die Patientinnen bringen. Konkret bedeutet das: Die brusterhaltende Therapie weist im Vergleich zur kompletten Amputation der Brust keinen signifikanten Unterschied bezüglich Rückfallrate und Gesamtüberlebenszeit auf. "Vorausgesetzt, dass eine R0-Resektion, das heißt die Entfernung des Tumors im Gesunden, erfolgt und alle Patientinnen sich einer postoperativen Bestrahlung unterziehen", ergänzt Brigitte Hoffmann. Die brusterhaltende Therapie ist somit für die Mehrheit der Patientinnen heute Standard und liegt in Österreich bei über 70 Prozent.
Die Operation bleibt trotzdem keiner Patientin erspart. Hoffmann bezeichnet sie als "unverzichtbaren Bestandteil der Gesamttherapie bei Brustkrebs." Bei kleinen Tumoren sei eine rasche Entfernung indiziert, bei großen Tumoren wird präoperativ eine neoadjuvante Chemotherapie verabreicht, um das Tumorvolumen zu reduzieren und dadurch eine brusterhaltende Therapie zu ermöglichen.
Die Begriffe "Mastektomie" oder "Ablatio simplex" stehen für die komplette Entfernung der Brustdrüse mit Teilen der darüber liegenden Haut. Sie ist dann indiziert, wenn das Karzinom nicht im Gesunden entfernt werden kann. Das ist unter anderem bei multizentrischen Karzinomen der Fall, wenn sich mehrere Herde in einer Brust befinden. Auch die Patientin selbst kann natürlich den ausdrücklichen Wunsch nach einer Mastektomie äußern. Lehnt die Betroffene eine Bestrahlung ab, dann ist die Ablatio ebenfalls in Betracht zu ziehen.
In den letzten zwei Jahren haben sich neue Mastektomie-Techniken etabliert, die zu einem besseren kosmetischen Ergebnis führen.
Eine Sofortrekonstruktion der Brust ist im Zuge der operativen Entfernung als sogenannte einzeitige Operation möglich, was für die Betroffenen eine große psychische Erleichterung sein kann.
Erfolgt die Rekonstruktion später, dann ist von einer zweizeitigen Operation die Rede. Der Vorteil, dass die Chemo- oder Strahlentherapie zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen sind, kann auch zum Nachteil werden: "Die Rekonstruktion in einem vernarbten bestrahlten Gewebe kann komplikationsreicher sein, und der Patientin steht ein neuerlicher Krankenhausaufenthalt bevor", so Hoffmann.
Frauen mit eher kleinen Brüsten und älteren Patientinnen empfiehlt Hoffmann den Einbau von Implantaten, da der operative Eingriff rasch von statten geht.
Eine Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe, etwa aus dem Rücken, Bauchdecke oder Gesäß, dauert zwar länger, die natürliche Beschaffenheit der Brust bleibt jedoch eher erhalten. Mit Hilfe neuer plastisch-rekonstruktiver Methoden im Bereich der onkoplastischen Chirurgie, kann das ästhetische Ergebnis noch optimiert werden.
Die Angst, dass mit einer brusterhaltenden Operation dem Krebs kein Einhalt geboten wird, ist bei vielen Frauen präsent. "Bei der Entfernung eines Tumors ist ein Mindestabstand zwischen Tumor und gesundem Gewebe von einem Millimeter laut Empfehlung ausreichend, wobei vor allem bei jungen Patienten und aggressiven Tumoren ein größerer Sicherheitsabstand notwendig ist", weiß die Expertin.
Mit der Behandlung ist der Krebs leider noch nicht ausgestanden. "Die Patientinnen müssen wissen, dass die Gefahr eines Wiederauftretens von Brustkrebs beziehungsweise von Fernmetastasen auch nach fünf oder zehn Jahren nicht vorüber ist", klärt Hoffmann auf. Letztere treten bei 20 Prozent der betroffenen Frauen auf.
Aufklärung und Zeit sind die wesentlichen Dinge, die die Patientinnen auf dem Weg ihrer Erkrankung brauchen. "Ich bin nicht die, die nur operiert, ich gehe ein Stück ihres Weges mit ihnen", betont Hoffmann und will mit Ihrer Tätigkeit den betroffenen Frauen ein bisschen Angst nehmen. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 16.10.2012)
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