Die Aggregatzustände des Jazz

Beim Salzburger Gratis-Festival Jazz & The City bieten 100 Konzerte an 50 verschiedenen Orten einen Stilmix von traditionellem Jazz über Weltmusikspielarten bis zu elektronischer Clubmusik

Den Auftakt macht am Mittwoch das französische Quintett Bratsch mit der Präsentation des aktuellen Albums Urban Bratsch: Zum 40-jährigen Bestehen der Balkan-Klezmer-Blues-Combo gibt es etwa eine Neuinterpretation des Brecht/Weill-Klassikers Seeräuber-Jenny.

Danach gibt Lakecia Benjamin ihr Österreich-Debüt: Die junge US-Saxofonistin spielte etwa mit James "Blood" Ulmer, Talib Kweli oder Santigold. In Salzburg wird sie von der Soul Squad begleitet. Spätabends loten die heimischen Sofa Surfers Grenzbereiche zwischen düsterem Rock und Elek tronik aus. Auf ihrem aktuellen Album Superluminal hört man auch ruhigere Ambient-Soul-Töne.

Am Freitag sorgt das JD Allen Trio für Reminiszenzen an den klassischen Hardbop der 1950er- und 1960er-Jahre. In den Sixties war auch Jack DeJohnette bereits aktiv. Er trommelte viele Jahre für den elektrischen Miles Davis sowie in Formationen mit Keith Jarrett oder Sonny Rollins. Zum 70. Geburtstag gönnt der Schlagzeuger seinen Fans Kostproben alter Stücke und rhythmisch vielschichtige Neukompositionen. Im Anschluss zelebriert der norwegische Trompeter Nils Petter Molvaer seine Verschmelzung von Jazz mit Elektronik.

Am Samstag stellt das jazzfunkige Powerrocktrio Stone Raiders sein neues Album Truth To Power vor. Das Trio vereint politisch-spirituelle Black-Power-Aufklärung mit Tanz bodentauglichkeit. Neben der Italien Connection aus der Jazzakademie Siena, wo Paolo Fresu einst bei Trompeter Enrico Rava studierte, gastieren viele heimische Szenegrößen wie Falb Fiction, Wolfgang Muthspiel, Willi Landl, Joyce Muniz oder Rodney Hunter an der Salzach. (dog, DER STANDARD, 10.10.2012)

10. bis 14. 10., Salzburg

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