Stromnetze vertragen mehr Elektroautos

9. Oktober 2012, 17:19
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Analyse von acht Niederspannungsnetzen sieht Potenziale angepasste Ladesteuerung

Steigt die Anzahl an Elektroautos, müssen auch die Stromnetze mithalten. Wie viel die Netze schon jetzt vertragen, haben Wissenschafter der TU Wien in Kooperation mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) und der Stromnetzbetreiber "Salzburg Netz" untersucht.

Die Analyse acht typischer Niederspannungsnetze ergab: "Der Anteil der Elektroautos kann in den nächsten Jahren steigen, die Netze sind prinzipiell dafür gerüstet", sagt Rusbeh Rezania von der Energy Economics Group der TU. Es gebe allerdings Ausnahmen. Wird in einem Netz nämlich eine kleine Verbrauchergruppe mitversorgt, die sich fernab vom Rest der Nutzer befindet, könnten bereits einzelne Elektroautos zu Problemen mit unzulässig hohen Spannungsschwankungen führen. Solche Probleme ließen sich durch Ausbau solcher Netze lösen - das sei jedoch teuer.

Die Forscher sehen auch weitere Potenziale: Aufgrund der Tatsache, dass Strom aus Solarzellen oder aus Windkraft nicht immer kontinuierlich bereitgestellt werden kann, ergeben sich zeitweise Engpässe oder Überschüsse. Elektroautos könnten hier eine wichtige Funktion als Energie-Speicher einnehmen. "Durch die Kommunikation mit der Aufladebox, die in der Garage installiert wird, kann das Auto genau dann aufgeladen werden, wenn gerade mehr elektrische Energie zur Verfügung steht, als nachgefragt wird", sagt Rezania. Die bessere Einspeisung von erneuerbaren Energien würde einen substanziellen Beitrag zur Treibhausgas-Reduktion leisten.

Die meisten bestehenden Niederspannungsnetze kommen laut der Studie fürs Erste mit der steigenden Anzahl von Elektroautos gut zurecht, später würden allerdings intelligentere Steuerungsmöglichkeiten benötigt. "Wir werden nicht unbedingt neue Stromleitungen brauchen, sondern wir müssen unsere Netze zu Smart Grids machen. Damit kann der Netzzustand zu jedem Zeitpunkt ermittelt und bei Bedarf die Ladesteuerung angepasst werden", sagt der Forscher. (APA, red, DER STANDARD, 10.10.2012)

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