Zuwanderer: Ärztinnen am Putzkübel, Techniker bei der Umzugshilfe

9. Oktober 2012, 16:15
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Für Migranten ist es schwierig, adäquat zu arbeiten - Wie die Hürden fallen können

Die russische Ärztin, die in Österreich ihr Geld mit Wohnungsputzen verdient, oder der indische Diplomingenieur, der für seinen Lebensunterhalt Taxi fährt. Dass Zuwanderer trotz hoher Bildung unter ihren Qualifikationen arbeiten, um in Österreich über die Runden zu kommen, ist nach wie vor verbreitet. Das belegt auch die Auswertung im aktuellen Migrationsbericht des Innenministeriums. Demnach war 2008 mehr als ein Viertel der im Ausland geborenen Beschäftigten überqualifiziert, im Gegensatz dazu fühlen sich nur zehn Prozent der in Österreich Geborenen für ihren Job überqualifiziert. Frauen sind davon stärker betroffen.

Damit diese Potenziale nicht ungenützt bleiben, wurde als erster Schritt die Anerkennung nichteuropäischer Hochschulabschlüsse vereinfacht. Denn derzeit lässt nur jeder dritte Akademiker, der seinen Abschluss außerhalb der EU gemacht hat, seine Ausbildung in Österreich anerkennen. Ungenützte Kompetenzen gibt es aber nicht nur unter den zugewanderten Akademikern, auch bei der Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen gibt es noch Verbesserungsbedarf. Denn Ausländer und Personen mit Migrationshintergrund haben es in der Berufswelt generell schwerer. Das zeigen auch die Arbeitslosenzahlen. In Österreich leben 1,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, davon 900.000 Ausländer. Während die Arbeitslosenrate der Österreicher im ersten Halbjahr 6,5 Prozent betragen habe, seien es bei Ausländern 9,8 Prozent gewesen. Dafür gibt es viele Gründe, neben mangelhaften Sprachkenntnissen gehören aber sicherlich auch die Berufsanerkennung und fehlende Netzwerke dazu.

Einstieg in Arbeitsmarkt erleichtert

Mit dem Projekt "Mentoring für Migranten", das von der Wirtschaftskammer (WKO), dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und dem Arbeitsmarktservice (AMS) gemeinsam durchgeführt wird, soll genau diese Herausforderung angegangen werden. Seit heuer wird das Programm in allen Bundesländern angeboten. Mithilfe erfahrener Personen aus der Wirtschaft soll qualifizierten Zuwanderern der Einstieg in den österreichischen Arbeitsmarkt erleichtert und ein ihren Qualifikationen entsprechender Job gefunden werden. In vielen Fällen klappt das auch. Immerhin würden 40 Prozent der Mentees innerhalb der sechs Monate dauernden Begleitung einen angemessenen Job finden. "Und das bei einem monatlichen Betreuungsaufwand von durchschnittlich fünf Stunden", sagt Margit Kreuzhuber, Beauftragte für Migration und Integration der WKO.

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagen Menschen mit Migrationshintergrund genau so häufig wie Personen ohne Migrationshintergrund. Sie hätten aber andere Hürden zu überwinden, sagt Erich Schwarz, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Leiter der Abteilung für Innovationsmanagement und Unternehmensgründung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, und nennt als Beispiel den schwierigeren Zugang zu Kapital. Dafür könnten Migranten bei der Gründung stärker mit der Unterstützung ihrer Community rechnen.

Und Zuwanderer - auch das zeigen verschiedene Erhebungen - würden sich durch eine hohe Leistungsmotivation und -bereitschaft auszeichnen, seien risikofreudiger und unabhängiger, daher auch gründungsmutiger. "Migranten gründen dort, wo sie Vorteile ihrer Migration sehen. Das sind häufig beschäftigungsintensive Branchen", ergänzt Schwarz. Genaue Zahlen über die Arbeitsplätze, die dadurch geschaffen wurden, gibt es aber keine. Gründer mit Migrationshintergrund würden die Kontakte zu ihrem Heimatland intensiv nutzen. "Für eine exportorientierte Wirtschaft steckt großes Potenzial darin", ist Schwarz überzeugt. (Gudrun Ostermann, KarrierenStandards, 9.10.2012)

  • KarrierenStandards erschien als Supplement des STANDARD. Das neue Magazin wird es künftig jährlich geben.
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    KarrierenStandards erschien als Supplement des STANDARD. Das neue Magazin wird es künftig jährlich geben.

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