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Getrieben von der digitalen Umwälzung blickt der deutsche Buchhandel vor Beginn der Frankfurter Buchmesse in eine ungewisse Zukunft. Von der Politik vermisst die Branche zugleich ein klares Bekenntnis zu den traditionellen Buchläden vor Ort. "Eine Bildungsnation braucht den stationären Buchhandel", forderte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, am Dienstag bei der Eröffnung der weltgrößten Bücherschau , die ab morgen, Mittwoch, bis Sonntag rund 300.000 Besucher erwartet.
"Solche klaren Worte wünschten wir uns in diesen Zeiten auch von den deutschen Politikern und Regierungsmitgliedern"
Honnefelder verwies auf das Beispiel Frankreichs. Die Regierung in Paris habe offen die Wettbewerbsvorteile der global agierenden Buchhandelsunternehmen mit Sitz im steuerbegünstigten Luxemburg angeprangert. "Solche klaren Worte wünschten wir uns in diesen Zeiten auch von den deutschen Politikern und Regierungsmitgliedern", sagte Honnefelder. In Luxemburg liege der Mehrwertsteuersatz für E-Books bei drei Prozent, in Deutschland bei 19 Prozent.
Der weltweit wichtigste Branchentreff beginnt an diesem Mittwoch mit rund 7.300 Ausstellern aus mehr als 100 Ländern. Aus Österreich sind heuer 139 Verlage beteiligt. Zunächst steht die Messe nur Fachbesuchern offen, am Samstag und Sonntag sind dann Publikumstage. Während der Internet-Handel weiter wächst, meldet der traditionelle Einzelhandel für das laufende Jahr erneut ein Minus von knapp fünf Prozent. "Ich halte das für eine Zahl, über die man nachdenken muss", sagte Honnefelder auf einer Pressekonferenz. Er zeigte sich dennoch optimistisch für den stationären Handel. Bundesweit entstünden mit neuen Ideen neue Buchläden.
Verkäufe verdoppelt
Die Branche hofft auch auf die neuen elektronischen Bücher, deren Verkäufe sich zwar in diesem Jahr verdoppelt haben. Die E-Books machen aber weiterhin in Deutschland nur zwei Prozent des Umsatzes vom Gesamtmarkt aus, in den USA sind es inzwischen 20 Prozent. Der Börsenverein sieht die digitalen Medien, die im Mittelpunkt der Frankfurter Messe stehen, als Ergänzung der gedruckten Medien.
Die Digitalisierung bringt nach Ansicht der Organisatoren der Buchmesse im globalen Maßstab ganz neue Geschäftsmodelle hervor. Große Verkäufer wie Amazon bringen eigene Lesegeräte heraus. Autoren werden übers Internet zu Verlegern, weltweit entstehen über neuartige Internet-Speicherplätze ("Cloud Computing") Leihbibliotheken. Es entstehen neue kulturelle Muster, wie Buchmesse-Direktor Juergen Boos am Dienstag sagte. Wichtig sei, dass künftig alle weiterhin Zugang zu den Inhalten hätten. Dies gelte vor allem auch für Kinder- und Jugendbücher, denen die Buchmesse dieses Jahr einen Schwerpunkt widmet.
Mut machte der Branche am Dienstag eine Marktstudie der Beratungsgesellschaft PwC. Trotz rückläufiger Geschäfte im ersten Halbjahr erreiche der deutsche Buchmarkt im laufenden Jahr einen stabilen Umsatz von 9,6 Milliarden Euro. Der Umsatz bei elektronischen Büchern werde um über 260 Prozent auf 175 Millionen Euro wachsen. Der Umsatzanteil elektronischer Bücher an der Belletristik - dem wichtigsten Segment im Buchmarkt - wird laut dieser Prognose 2016 bereits bei 13 Prozent liegen. (APA, 09.10. 2012)
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