Die US-Kandidaten in der Umfrage-Schlacht

9. Oktober 2012, 14:55
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In einer aktuellen Umfrage liegt Romney vier Prozentpunkte vor Obama - Das ist nicht falsch, aber Vorsicht ist geboten

Wenn es um Zahlen geht, wird's ernst. Besonders wenn diese über die Chance auf die US-amerikanische Präsidentschaft Auskunft geben sollen. Je näher der Wahltag rückt, desto kürzer werden die Intervalle in denen der Wählerkuchen in Umfragen prozentuell zwischen den Kandidaten verteilt wird. Die aktuellen Zahlen spielen oft weniger eine Rolle als die anschließende Interpretation der Daten. 

Rennen um den ersten Platz

Aktuelles Beispiel ist der Umfragereigen nach der ersten TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten. Viel wurde danach darüber geschrieben, dass der republikanische Kandidat Mitt Romney bei diesem Auftritt in Denver gegen den Amtsinhaber Barack Obama besser abgeschnitten habe.

Derzeit tauchen die ersten Umfragen auf, die den medialen Eindruck scheinbar mit Zahlen belegen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Obamas sicher geglaubter Vorsprung schmilzt. Der amtierende Präsident liegt allerdings im direkten Vergleich immer noch vor Romney. Trotz der schlechten Vorstellung am vergangenen Mittwochabend.

Am Montag hat nun das Pew Research Center eine Umfrage veröffentlicht, die erstmals den republikanischen Kandidaten Romney in der Favoritenrolle sieht und das gleich mit vier Prozentpunkten Vorsprung. Romney liegt demnach bei 49 Prozent, Obama bei 45. 

Unterschiedliche Ergebnisse

Die Mitarbeiter des als konservativ eingeschätzten Pew Research Center haben zwischen dem 4. und 7. Oktober insgesamt 1.511 Wähler telefonisch befragt. Das Ergebnis unterscheidet diese Umfrage von vier anderen landesweiten Befragungen, die entweder Obama weiterhin als Favorit sehen, oder einen Gleichstand zwischen den beiden Kandidaten erfragt haben. Als Beispiel sei die Gallup Daily Umfrage genannt, derzufolge Obama bei 50 Prozentpunkten und Romney bei 45 Prozentpunkten liegt.

Vorsicht bei der Einschätzung

Nate Silver, der den Blog FiveThirtyEight der New York Times betreut, mahnt zur Vorsicht bei der Einschätzung der Ergebnisse der Umfrage des Pew Research Center. Er fragt, ob es wirklich wahrscheinlich sei, dass Romney derzeit mit vier Prozentpunkten vor Obama liegt. Silvers Antwort: Derzeit sehen nationale Wahlprognosen Obama weiterhin als Favorit. Allerdings habe Romney nach der Debatte aufgeholt.

Silver fragt auch nach dem Zeitpunkt der Umfrage. Seinen Informationen zufolge, haben die meisten Telefoninterviews vermehrt in den ersten beiden Tagen nach der Debatte stattgefunden. Die Umfrage spiegle damit eher den Aufwärtstrend für Romney kurz nach dem TV-Duell wieder. Die Veröffentlichung der für Obama günstigen Arbeitsmarktzahlen am Freitag vergangener Woche habe sich daher weniger auf das Umfrageergebnis auswirken können. Der Blog FiveThirtyEight, der ausschließlich Statistiken, Umfragewerte und deren Interpretation zum Inhalt hat, sieht weiterhin einen Vorsprung von 2,5 Prozentpunkten für den Amtsinhaber Obama. 

Nächste Runde: TV-Duell der Vize-Kandidaten

Das Umfragekarussell wird sich noch bis zum 6. November weiterdrehen. Dann wird nicht mehr telefonisch gefragt, sondern an der Wahlkabine abgestimmt. Bis dahin stehen den Wählern noch vier Wochen Intensivwahlkampf bevor. Nächster Höhepunkt ist die Debatte der Vize-Präsidentschaftskandidaten am Donnerstagabend. Dann werden sich der Republikaner Paul Ryan und der Demokrat Joe Biden gegenüberstehen. Und in der ersten Minute, nachdem die Wähler den Fernseher abgedreht haben, werden die Meinungsforschungsinstitute zum Hörer greifen. (mka, derStandard.at, 9.10.2012)

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    Romney oder Obama: Wer liegt vorn? Eine scheinbar nicht leicht zu beantwortende Frage.

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